„Herausragend!“ Funkel lobt Polzin – und gibt HSV-Prognose ab
Dem fast schon rauschhaften Erlebnis in Wolfsburg soll sofort die nächste Party folgen. Nach dem 2:1 beim VW-Klub will der HSV gegen Köln den nächsten Dreier einfahren und die Ampel in Sachen Klassenerhalt endgültig auf knallgrün stellen. Aber wie viele Punkte wird man eigentlich brauchen, um drin zu bleiben? Die MOPO fragte bei Deutschlands Rekordtrainer Friedhelm Funkel nach.
Er wird auch am Samstag ganz genau hinsehen und jede Szene aus dem Volkspark aufsaugen. „Das ist doch ein Duell, auf das sich jeder Fußballfan nur freuen kann“, sagt Friedhelm Funkel. Sein Blick aber wird ein besonderer sein, denn kein anderer Trainer oder Spieler kam öfter im deutschen Profi-Fußball zum Einsatz. 1424 Partien erlebte Funkel auf dem Feld oder an der Seitenlinie mit, 45-mal stand er dem HSV gegenüber und führte Köln im vorigen Sommer zurück in die Bundesliga. Niemand kennt die Liga besser. Er muss also wissen: Wie viele Punkte sind nötig, um drin zu bleiben?
Funkel: HSV reichen 35 Punkte für den Klassenerhalt
Auch wenn es pauschal schwierig ist, das genau zu beantworten, legt sich Funkel fest. „35 Punkte werden am Ende reichen“, meint der 72-Jährige. „Das liegt vor allem darin begründet, dass es in dieser Saison noch sehr viele Duelle der Abstiegskandidaten untereinander geben wird und die sich gegenseitig die Punkte wegnehmen werden.“
Der Blick auf den Spielplan gibt dem Trainer-Guru recht. Nimmt man das abgeschlagene Schlusslicht Heidenheim mal raus, kämpfen realistisch gesehen die Teams auf den Rängen 10 (HSV) bis 17 (Wolfsburg) um den Klassenerhalt. An den verbleibenden neun Spieltagen gibt es noch 16 direkte Duelle. Auffällig: Köln und St. Pauli haben jeweils fünf davon, der HSV nur noch zwei (gegen Köln und in Bremen).
| Die direkten Duelle im Bundesliga-Tabellenkeller | |
| 26. Spieltag | Gladbach –St. Pauli |
| HSV– Köln | |
| Bremen – Mainz | |
| 27. Spieltag | Wolfsburg – Bremen |
| Köln – Gladbach | |
| 28. Spieltag | Union Berlin –St. Pauli |
| 29. Spieltag | Köln – Bremen |
| 30. Spieltag | St. Pauli– Köln |
| Bremen –HSV | |
| Union Berlin – Wolfsburg | |
| Gladbach – Mainz | |
| 31. Spieltag | Wolfsburg – Gladbach |
| 32. Spieltag | Union Berlin – Köln |
| St. Pauli– Mainz | |
| 33. Spieltag | Mainz – Union |
| 34. Spieltag | St. Pauli– Wolfsburg |
„Gerade diese direkten Duelle sind enorm wichtig und eine große Chance, denn so kannst du direkten Konkurrenten Zähler klauen“, weiß Funkel. „Der Sieg des HSV in Wolfsburg war das beste Beispiel. Hätte der HSV verloren, wäre es wieder eng für ihn geworden. Nun aber liegt er neun Zähler vor dem VfL. Genau deshalb ist das Spiel gegen Köln nun auch ein ganz besonderes – für beide Vereine.“
Funkel ganz sicher: HSV bleibt in der Bundesliga
Unabhängig vom Ausgang der Partie glaubt Funkel nicht, dass der HSV noch mal Probleme bekommen wird. „Die sechs Punkte, die sie noch brauchen, holen sie ganz sicher. Der HSV wird mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben“, stellt er fest und lobt: „Wie sie ihre Rolle in der Liga nach den Anfangsproblemen gefunden haben, ist ganz toll. Sie sind immer ruhig geblieben auf ihrem Weg. Merlin Polzin leistet herausragend gute Arbeit.“
Die deutlich größeren Sorgen haben aktuell die Kölner. Bei Funkels Herzensklub, für den er selbst zweimal gearbeitet hatte, wird es nach nur zwei Siegen aus 16 Spielen eng für Lukas Kwasniok, der Funkel nach dem Aufstieg als Trainer folgte. Eine Pleite beim HSV könnte das Aus für ihn bedeuten.
Kwasniok könnte beim 1. FC Köln ein Endspiel haben
Funkel aber nimmt den 44-Jährigen in Schutz: „Die Wahrnehmung des FC ist mir zu negativ. Die Mannschaft hat immer wieder Moral bewiesen und in dieser Saison kein einziges Mal hoch verloren. Der einzige Vorwurf, den man ihr machen kann, ist, dass sie aus den gezeigten Leistungen zu wenige Punkte geholt haben. Dadurch stehen sie nun natürlich langsam unter Zugzwang.“
Funkel wird es verfolgen. Und wer weiß, vielleicht mischt der Rekordtrainer in Kürze ja sogar selbst im Abstiegskampf mit, wie schon so oft. „Es ist nicht so, dass ich hier sitze und auf einen Anruf warte“, sagt der Rheinländer. „Mir ist nicht langweilig. Aber wenn jemand anruft, gehe ich natürlich ran. Und wenn es eine Aufgabe geben sollte, die mich reizt, schauen wir, was passiert.“
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Vorerst wird der Kampf um den Klassenerhalt ohne Funkel weiter Fahrt aufnehmen. Neun Runden stehen noch bevor. Dem HSV bietet sich mit einem kräftigen Tritt aufs Gaspedal die große Chance, bereits an diesem Wochenende der Konkurrenz vielleicht schon entscheidend zu enteilen.