Claus Costa und Merlin Polzin gucken skeptisch

Nah dran an der Mannschaft: Sportdirektor Claus Costa (l.) und HSV-Coach Merlin Polzin Foto: IMAGO/DeFodi Images

Heiße Diskussionen im Sommer: So sehen es die HSV-Bosse jetzt

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Claus Costa wusste schon im Sommer um die – zunächst – auch negativen Begleiterscheinungen des großen Kaderumbruchs. Und zwar, „dass sich die Hierarchien neu ordnen und dass die Struktur neu aufbricht“, wie der Sportdirektor sagte. Um den HSV herum entstanden Diskussionen und Fragen wie diese: Wer hat in der Kabine nach den Abschieden von Davie Selke, Ludovit Reis, Sebastian Schonlau und Tom Mickel das Sagen? Lässt sich der Spirit, den das Aufstiegsteam in sich trug, irgendwie erhalten? Und beeinflussen einzelne Neuzugänge die interne Hierarchie gar negativ? Kurz: Es gab viele Unwägbarkeiten. Doch nun haben die Bosse klare Eindrücke.

Costa, Sportvorstand Stefan Kuntz und die Trainer um Merlin Polzin hatten nicht die Erwartung, dass der veränderte Kader das Emotionslevel, das die Aufstiegshelden erreicht hatten, sofort wiederherstellen kann. Das wäre blauäugig gewesen. Denn dafür war all das, was Selke und Co. in der gesamten Rückrunde, schließlich bei der entscheidenden Partie gegen Ulm und danach bei der Party auf dem Rathausbalkon erlebten, zu besonders. Den Verantwortlichen war bewusst, dass es ein Findungsprozess sein würde, bis die Profis zu einer neuen, verschworenen Einheit werden.

Erfolge förderten auch den internen Teamspirit beim HSV

Und in der Tat: Es dauerte. Zwar sagte Costa schon Anfang September, kurz nach den drei Last-minute-Transfers von Luka Vuskovic, Albert Sambi Lokonga und Fábio Vieira: „Wir haben mittlerweile einen guten Spirit und eine gute Energie in der Gruppe.“ Dass es nach dem 0:2 gegen St. Pauli aber auch noch das 0:5 in München setzte, war dem Selbstvertrauen sicher nicht zuträglich. Das Gute: Die HSV-Profis gewöhnten sich anschließend immer besser ans neue Spielsystem, sie spielten kontinuierlich besser und merkten, dass sie in der Bundesliga konkurrenzfähig sind.

Die HSV-Mannschaft präsentiert sich auch in dieser Saison als Einheit. IMAGO / Lobeca
HSV-Mannschaft bildet einen Kreis
Die HSV-Mannschaft präsentiert sich auch in dieser Saison als Einheit.

Im Volkspark ist man sich sicher, dass diese Umstände, gepaart mit den drei guten Ergebnissen in Folge gegen Heidenheim (2:1), Union Berlin (0:0) und Mainz 05 (4:0), dazu geführt haben, dass das Vertrauen untereinander stückweise gewachsen ist. Teambuildingmaßnahmen sind das eine, und auf die dürfte Polzin auch während der Sommervorbereitung gesetzt haben, um für ein angenehmes Binnenklima zu sorgen. Am Ende führen aber vor allem andere Dinge dazu, dass eine positive Energie in der Gruppe entsteht – und zwar sportliche. Ein klarer Sieg wie der gegen die Mainzer, ein Euphoriebringer wie das DFB-Pokal-Weiterkommen in Heidenheim (1:0), ein Last-minute-Erfolg wie der gegen den BVB (1:1): Die HSV-Bosse glauben, dass diese Erlebnisse zusammengeschweißt haben.

Leadership-Gruppe hilft: Reibung in HSV-Kabine stimmt

Nicht minder wichtig ist, dass es in der Kabine die nötige Reibung geben soll. Die Profis können sich die Meinung sagen, die Analysen sind kritisch und intensiv, so wie zuletzt nach der verdienten Pleite in Augsburg (0:1). Zudem ist die Leadership-Gruppe förderlich, auch wenn sie nun anders zusammengestellt ist als in der Aufstiegssaison. „Wir haben Rollen geschaffen und Führungsaufgaben verteilt“, erklärte Co-Trainer Richard Krohn zuletzt der MOPO und verriet: „Aktuell geht es darum, wie wir auf dem Feld effektiv miteinander kommunizieren.“ Und es geht zudem um das richtige Bewusstsein dafür, dass Rückschläge in der ersten Bundesligasaison seit sieben Jahren dazugehören.

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In Sachen Teamspirit wählte Polzin mal einen passenden Vergleich. Der 35-Jährige erklärte einigen Mitarbeitern, dass im Dezember 2024, nach dem enttäuschenden 1:1 in Ulm, wohl niemand damit gerechnet hätte, dass dies die HSV-Mannschaft sein solle, die sich fünf Monate später am Rathaus feiern lassen würde. Doch unter Polzins Regie überwanden die Profis Widerstände und entwickelten eine robuste Mentalität, die vor externen Einflüssen schützte.

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Der HSV überstand auch die kurze Frühjahrskrise und stieg schließlich verdient auf. In den Wochen und Monaten danach veränderte sich das Aufgebot drastisch, allein zwölf neue Spieler kamen hinzu. Das erhöhte einerseits die sportliche Qualität – erschwerte aber andererseits die Bildung einer neuen Hierarchie. Die Folge waren intensive Debatten, die im Sommer begannen und sich bis in die neue Saison zogen. Die Frage, ob die Energie innerhalb der Mannschaft nun wieder stimmt, beantwortet man im Volkspark mittlerweile allerdings deutlich – mit einem „Ja!“

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