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Hefti hadert mit Ronaldo-Begegnung: HSV-Profi spricht über Rollenwechsel und Aufstieg
Mit weit über 200 Erstliga-Einsätzen in der Schweiz, Italien und Frankreich gehört Silvan Hefti beim HSV zu den erfahreneren Profis, die in ihrer Karriere schon viel erlebt haben. Im Saisonendspurt bekommt der Außenverteidiger im Team von Trainer Merlin Polzin nun eine wichtige Rolle und soll helfen, dass auch in Hamburg ab der nächsten Saison wieder erstklassig gespielt wird. Die MOPO hat mit ihm über Aufgaben und Erwartungen gesprochen, über (Aufstiegs-)Filme und Cristiano Ronaldo.
MOPO: Sie sind ein großer Film-Fan, haben früher selbst sogar Filme zusammen mit Ihrem Bruder gedreht, dabei unter anderem die Geschichten entworfen und die Rolle des Regisseurs übernommen. Welches Drehbuch würden Sie für das Saisonfinale beim HSV schreiben?
Silvan Hefti: (lacht) Das ist eine gute Frage. Ich kann sie aber nicht wirklich beantworten, da ich noch nicht so weit denke und es im Moment auch nichts bringt. Das klingt vielleicht ein bisschen langweilig, aber für uns geht es nur von Woche zu Woche, von Spiel zu Spiel. Da kann ich nicht schon ein Drehbuch im Voraus über mehrere Wochen schreiben. Wir haben jetzt eine schwierige und große Aufgabe auf Schalke vor uns. Das Spiel wollen wir gewinnen und damit den nächsten Schritt machen. Mein Job ist es, dafür entsprechend auf dem Platz zu performen.
Wie das Ende der Saison aussehen soll, haben Sie aber doch schon im Kopf?
Ja, das kann ich klar sagen. Am Ende der Saison wollen wir unser großes Ziel erreichen und den Aufstieg schaffen. So sollte der Film dann also definitiv enden. (grinst)
HSV will ausgerechnet mit Polzin den Aufstieg schaffen
Sollte es der HSV, der in den vergangenen sechs Jahren mit vielen verschiedenen Trainertypen immer wieder am Aufstieg gescheitert ist, jetzt ausgerechnet mit den beiden jungen Hamburger Trainern Merlin Polzin und Loic Favé schaffen, wäre das aber auch ein ziemlich kitschiges Filmende …
Ich muss ehrlich sagen, dass ich zu kitschige Filme eigentlich nicht wirklich mag. Aber das wäre mir in diesem Fall ziemlich egal. Für mich wäre das einfach nur eine sehr schöne Geschichte. Um diese erfolgreich zu Ende zu schreiben, haben wir einen klaren Auftrag. Den wollen wir erfüllen. Das Trainerteam macht dafür jeden Tag sehr gute Arbeit. Sie denken auch nicht zu weit nach vorne.
Schauen Sie gelegentlich auch mal Horrorfilme?
Nein, nur sehr selten. Ich habe das früher mal ein bisschen gemacht. Aber es sind nicht meine Lieblingsfilme.
Haben Sie Angst?
Ich bin manchmal ein bisschen schreckhaft, aber Angst habe ich jetzt nicht unbedingt.
Auch im Sport ist manchmal von Angst die Rede. Zum Beispiel, wenn man als Tabellenführer in den letzten Spielen etwas verlieren kann …
Klar, es gibt Angst zu gewinnen und es gibt Angst zu verlieren. Ich mache mir persönlich darüber aber keine Gedanken. Und so ist es auch in der Mannschaft bei uns. Wir müssen weiter mutig sein und alles reinwerfen, um auch am Ende noch ganz oben zu stehen. In der Nachbetrachtung ist es dann oft einfach zu sagen: Sie hatten Angst und haben deswegen verloren. Das spüre ich bei uns aber überhaupt nicht. Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn wir jetzt gegen Braunschweig einen Rückschlag hinnehmen mussten. Wir müssen dranbleiben und wollen unsere gute Position weiter untermauern. Dabei bringt es nichts, zu viel auf die Tabelle zu gucken und irgendetwas auszurechnen. Das lenkt nur ab.
Silvan Hefti spielt beim HSV wieder eine größere Rolle
Zuletzt haben Sie beim HSV auf dem Platz eher eine Nebenrolle gespielt, mit der Verletzung von Miro Muheim rücken Sie nun wieder in den Vordergrund. Wie sehen Sie Ihre Rolle?
Die hat sich eigentlich gar nicht so groß verändert. Natürlich habe ich in den vergangenen Monaten nicht so viel gespielt, das ändert sich jetzt wahrscheinlich. Ich habe aber auch davor im Training und bei meinen Einwechslungen immer versucht, meine Qualitäten auf den Platz zu bringen, Zweikämpfe zu gewinnen, Sicherheit zu geben und die Mitspieler besser zu machen. Vielleicht hatte ich dabei nicht immer die Hauptrolle, wie ich sie davor bei anderen Vereinen schon hatte. Aber das ist für mich im Moment kein Thema. Jetzt zählt für mich nur das große Ziel. Da gilt es das abzuliefern, was erwartet wird. Da liegt mein voller Fokus drauf. Ich will meinen Teil zum Erfolg mit meiner Leistung beitragen und entsprechend auch Verantwortung übernehmen. Ich erwarte viel von mir. Ich denke, das sollte man auch, wenn man viel erreichen will. Nur verkrampfen darf man nicht. Da mache ich mir aber keine Sorgen bei uns.
Ist es Ihnen egal, ob Sie rechts oder links in der Abwehr spielen?
Natürlich habe ich schon mehr auf der rechten Seite in meiner Karriere gespielt, aber im Moment ist mir das ziemlich egal. Es geht nur darum, das auf den Platz zu bringen, was vom Trainerteam verlangt wird.
Sie haben mit Genua in Italien schon mal den Aufstieg in die Erste Liga geschafft. Was sind für Sie dafür die entscheidenden Puzzleteile?
Eine Saison ist lang. Da gibt es mal Rückschläge. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Man muss stabil sein und immer konstant dranbleiben. Nach Niederlagen muss man schnell zurückkommen, nach Siegen im besten Fall die Leistung bestätigen und auch mal eine Serie starten. Dazu ist es wichtig, dass die Balance im Team stimmt und man auch mal kritisch im Umgang miteinander sein kann. Eine gewisse Energie und der Zusammenhalt sollten immer zu spüren sein. Das war in Genua sehr gut und auch hier beim HSV habe ich da ein sehr gutes Gefühl. Das zeigt auch der bisherige Verlauf der Rückrunde. Da haben wir auch schon bewiesen, dass wir auf Rückschläge gut reagiert haben. Aufsteigen ist nie ein Spaziergang – egal in welchem Land.
Als nächste Aufgabe wartet an diesem Samstag mit dem Gastspiel auf Schalke mal wieder eine große Partie auf großer Bühne. Wie groß ist Ihre Vorfreude?
Sehr groß. Das sind extrem geile Spiele. Da es auch noch ein Abendspiel ist, erwarte ich ein sehr spezielles Flair. Das Stadion ist top. Für solche Spiele brennt man und braucht auch keine Extra-Motivation.
HSV-Profi Hefti erzählt von Duell mit Cristiano Ronaldo
Sie haben mit 27 Jahren in Ihrer Karriere schon jede Menge erlebt: Meister in der Schweiz, Aufstieg in Italien, dazu Auftritte in der Champions League, wo Sie mit Bern sogar gegen Manchester United und Cristiano Ronaldo gewonnen haben. Was war bislang der Höhepunkt Ihrer Laufbahn?
Das ist sehr schwer zu sagen. Champions League zu spielen und dann auch noch so ein Spiel zu gewinnen, war schon der Höhepunkt. Das war damals gegen Manchester United ein großes Spiel, wir haben einfach alles reingeworfen, ich habe ein Tor vorbereitet. Das war ein sehr großer und emotionaler Moment für mich.
Haben Sie nach dem Spiel das Trikot mit Cristiano Ronaldo getauscht?
Nein, ich musste danach direkt zur Dopingkontrolle und dann war es zu spät. Es hat leider nicht geklappt. Ich war eigentlich nie ein großer Trikotsammler, aber das wäre natürlich schon ein Highlight zum Tauschen gewesen.
Sehr groß und besonders ist beim HSV in dieser Saison die Unterstützung der Fans. Können Sie sich vorstellen, was in Hamburg los sein wird, sollte das Ziel Aufstieg diesmal wirklich erreicht werden?
Das ist schwer in Worte zu fassen. Und ehrlich gesagt, ist das auch für mich noch ein bisschen zu weit weg, vorher wartet auf uns einfach noch zu viel Arbeit. Ich weiß, das ist jetzt wieder eine kleine Floskel, aber so lebe ich. Wenn ich jetzt schon zu sehr an irgendeine Aufstiegsfeier denken würde, wäre das wie abstellen für mich – und dafür ist es einfach noch zu früh. Unabhängig davon ist die Unterstützung unserer Fans wirklich krass. Gerade auswärts habe ich das so zuvor noch nie erlebt. Es gibt einen sehr guten Draht zwischen Mannschaft und Fans. Man spürt, dass alle zusammen in einem Boot sitzen. Auch das ist für den Erfolg sehr wichtig. Sollten wir unser Ziel erreichen, hoffe ich, dass dann die ganze Stadt kopfstehen wird. Viel mehr möchte ich jetzt darüber aber nicht nachdenken.
In Genua haben Sie sich nach dem Aufstieg in die Erste Liga die Haare blond gefärbt. Gibt es schon eine Idee, was Sie machen würden, wenn es in Hamburg klappt?
Ich würde es wahrscheinlich wieder machen. (lacht) Den Gedanken gibt es. Aber auch das ist jetzt noch zu früh.
Ist es eigentlich richtig, dass Sie schon mit 18 Jahren graue Haare hatten?
Ja, das stimmt. Damals hat man sie noch nicht so richtig gesehen, aber vereinzelnd waren sie auf jeden Fall schon da. Es liegt bei mir einfach in den Genen, dass ich früh ergraue. Bei meinem Vater und Großvater war das auch schon so.