Harter Leipzig-Dämpfer im Volkspark: HSV-Trainer Polzin kritisiert sich selbst
Vier Monate lang hatte der HSV nicht mehr im Volkspark verloren, nahezu allen Größen der Liga getrotzt – doch gegen RB Leipzig zahlte der Aufsteiger nach längerer Zeit mal wieder Lehrgeld. Das 1:2 (1:1) wirkte dabei vor allem deshalb als Dämpfer, weil die Niederlage nicht nur verdient war, sondern der HSV vieles von dem schuldig blieb, was ihn in den vergangenen Monaten stark gemacht hatte. Überraschend ging auch Trainer Merlin Polzin nach der Partie hart mit sich ins Gericht.
Es war eine ungewohnte Stille, die nach dem Abpfiff im Volkspark herrschte, daran mussten sich auch die Profis offensichtlich erstmal gewöhnen. Statt grenzenlosem Jubel, wie in den Monaten zuvor, herrschte Ernüchterung vor. Genau genommen war diese Atmosphäre aber auch nur ein Spiegelbild dessen, was sich in den 90 Minuten zuvor auf dem Feld wie auf den Rängen abgespielt hatte. Irgendwie war das von allem ein bisschen zu wenig, um RB Paroli bieten zu können.
Remberg ging mit sich und dem HSV hart ins Gericht
„Wenn wir nicht an unserem Limit sind, wird es nicht funktionieren“, bemängelte auch Trainer Merlin Polzin, als die Fans bereits wieder auf dem Heimweg waren. „Wir haben es diesmal in keiner Weise geschafft, den Volkspark für uns zu nutzen.“ So sah es auch Nicolai Remberg. „Man muss schon ehrlich sagen, dass die Niederlage verdient war“, erklärte der Mittelfeldmann und verzog sein Gesicht. Dann wurde er deutlich: „Irgendwie war es von Anfang an eine komische Energie. Wir sind nicht so griffig gewesen, waren nicht so drin und immer irgendwie einen Schritt zu spät. Wir hatten dumme Ballverluste, was uns eigentlich sonst nicht passiert. Das hat uns ein bisschen den Stecker gezogen.“

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Es war ein schleichender Prozess, denn eigentlich startete der HSV vor 57.000 Fans im abermals ausverkauften Volkspark recht gut in die Partie. Damion Downs, der für Robert Glatzel begann, hätte nach elf Minuten per schönem Drehschuss beinahe getroffen, scheiterte aber an RB-Keeper Maarten Vandevoordt. Weitere elf Minuten später aber war der Keeper machtlos, als der HSV seine schönste Kombination des Spiels zur Führung nutzte. Fábio Vieira leitete den Angriff ein, wurde letztlich dann von William Mikelbrencis bedient und traf zur Führung – das 1:0 (22.).
In Hälfte zwei besaß der HSV keine Torchance mehr
So weit, so gut. Da ahnte noch niemand, dass die Hausherren im Verlauf der Partie nur noch eine weitere gute Chance besitzen würden (Downs/38.). Der Rest des Spiels gehörte RB – auch, weil der HSV es zuließ.
„Am Ende der ersten Halbzeit haben wir uns zu sehr eingeigelt, sind nicht mehr rausgekommen und haben zu tief gestanden“, stellte Linksverteidiger Miro Muheim fest, der nach seiner fünften Verwarnung am Mittwochabend gegen Leverkusen fehlen wird. „Wenn du dann so lange dem Ball hinterherläufst, hast du auch Probleme bei eigenem Ballbesitz, weil du dann halt müde bist.“ Polzin kritisierte: „Wir haben es versäumt, die Spannung gegen den Ball zu halten und sind immer passiver geworden.“
Diomande traf für Leipzig zum Sieg beim HSV
Die Leipziger ließen sich nicht zweimal bitten. Noch vor der Pause traf Rômulo sehenswert mit der Hacke zum Ausgleich (36.). Kurz nach dem Wechsel dann schepperte es erneut im HSV-Tor: Vieiras Fehlpass nutzen die Gäste konsequent aus, am Ende des Angriffs stand der Siegtreffer von Yan Diomande (50.).

Die Niederlage hätte sogar noch deutlicher ausfallen können. Doch nachdem Remberg der Ball beim Klärungsversuch einer Ecke auf den Arm gefallen war und Schiedsrichter Bastian Dankert auf Strafstoß entschieden hatte, parierte HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes gegen Rômulo (62.). Später vergab auch noch Ezechiel Banzuzi freistehend (74.). „Am Ende hat die ganze Mannschaftsleistung nicht so richtig gepasst“, hielt Muheim fest.
Der HSV hatte zuvor sechsmal in Folge nicht verloren
Nach sechs Partien ohne Pleite in Folge ist es ein Rückschlag für den HSV. Was allerdings für die Hamburger spricht: Niemand versuchte, die Pleite schönzureden. Überraschend ging auch Polzin hart mit sich ins Gericht. „Um alle mit einzubeziehen: Ich bin auch nicht zufrieden mit meiner Leistung und mit der Leistung von uns als Trainerteam“, sagte der Trainer. Und weiter: „Es ist immer wichtig, dass man bei sich selbst anfängt. Es geht nicht darum, nach links und rechts zu schauen. Wenn die Mannschaft nicht am Limit ist, dann hat das verschiedenste Gründe. Das Erste, was wir machen, ist bei uns selbst anzufangen, wo es vielleicht gehapert hat, dass wir nicht diese Energie auf den Platz bringen konnten.“
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Nun ist Vorsicht geboten. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nach diesem Wochenende nur noch vier Zähler, die Konkurrenz schläft nicht. Am Mittwoch (20.30 Uhr, Liveticker auf mopo.de) bietet sich dem HSV gegen Leverkusen eine weitere Chance, sein Polster auf die Abstiegszone vor dem so wichtigen Duell in Wolfsburg am Samstag zu vergrößern. Dann sollte das Energielevel deutlich angehoben werden – auf dem Feld und den Rängen.
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