Merlin Polzin an der Seitenlinie im Gespräch mit Alexander Røssing-Lelesiit

Merlin Polzin suchte an der Seitenlinie das Gespräch mit HSV-Youngster Alexander Røssing-Lelesiit. Foto: WITTERS

Großes HSV-Problem bleibt – zu einem Wechsel war Polzin gezwungen

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Beim dramatischen DFB-Pokal-Aus gegen Holstein Kiel (2:4 i. E.) kamen gleich mehrere HSV-Profis zum Einsatz, die es zuletzt schwer hatten. Torwart Daniel Peretz etwa, der hinterher über seine Zukunft sprach. Zudem Torschütze Bakery Jatta, der nur fast zum großen Matchwinner wurde. Oder Aboubaka Soumahoro, der tragische Held bei seiner Premiere im Volkspark. Erstmals seit längerer Zeit zum Einsatz kamen aber auch Emir Sahiti (seit Ende August) und Routinier Jonas Meffert (seit Anfang Oktober) – aus unterschiedlichen Gründen.

Hätte er sich nicht gezwungen gesehen, hätte Polzin den in dieser Saison fast unersetzlichen Nicolai Remberg wohl nicht ausgewechselt. Doch der 25-Jährige hatte gegen seinen Ex-Klub Kiel früh die Gelbe Karte gesehen und sein Coach nahm ihn in der 64. Minute deshalb vorsichtshalber runter, um keine Unterzahl zu riskieren. So ähnlich hatte es sich schon in der zweiten Pokalrunde auswärts in Heidenheim zugetragen (1:0), als der Gelb-Rot-gefährdete Remberg bereits zur Pause unter die Dusche gegangen war. Der Cup gilt für ihn wohl nicht als gutes Omen.

Gelb-Rot-Gefahr: HSV-Abräumer Remberg musste runter

„Es war wie in Heidenheim: Lässt du mich drauf?“, sagte Remberg am späten Mittwochabend. Dass Polzin ihn mit Blick auf das anstehende Nordderby gegen Werder Bremen am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) schonen wollte, schloss der Abräumer nicht aus – das ist aber eher unwahrscheinlich. Zumal Remberg befand: „Ich hatte das Gefühl, dass ich gut im Spiel war, viel die Seiten verlagert und viele zweite Bälle gewonnen habe.“ Aber natürlich sei bei ihm als robustem Zweikämpfer „immer ein Risiko“ da, dass es eine zweite Verwarnung setze. Die erste Gelbe Karte hatte Remberg schon in der 11. Minute für ein hartes Einsteigen gegen Adrián Kaprálik gesehen.

Zum Am-Boden-Liegen: HSV-Angreifer Ransford Königsdörffer war auch gegen Kiel vom Pech verfolgt. imago images/Beautiful Sports
Ransford Königsdörffer liegt mit dem Rücken auf dem Spielfeld
Zum Am-Boden-Liegen: HSV-Angreifer Ransford Königsdörffer war auch gegen Kiel vom Pech verfolgt.

„Die Aktion sah schon fies aus“, beurteilte er seine Grätsche im Mittelfeld. „Aber ich weiß nicht, ob es direkt Gelb war.“ Es war zumindest eine vertretbare Entscheidung von Schiedsrichter Tobias Welz, bei dem sich die Kieler intensiv beschwerten. „Da sind natürlich alle hingesprintet“, hatte auch Remberg beobachtet. „Ich glaube, der Schiedsrichter war sich erst sicher, dass er die Karte nicht gibt, und dann hat er sie auf einmal doch gezogen. Das fand ich nicht so souverän, aber gut, das ist Fußball – und das ist auch meine Spielweise.“ Weil auch Polzin ebendiese kennt und einen Platzverweis vermeiden wollte, nahm er Remberg nach gut einer Stunde vom Platz.

Undankbares Pokalspiel für HSV-Stürmer Königsdörffer

Mit Joker Meffert (Remberg: „Meffo hat auch seine Qualität“) und Sahiti, der den zwar mutigen, aber glücklosen Alexander Røssing-Lelesiit auf dem offensiven Flügel ersetzte, wurde das HSV-Spiel nicht schlechter als in der zweiten Hälfte ohnehin schon – aber auch nicht spürbar besser. Der in der 82. Minute für Giorgi Gocholeishvili eingewechselte Jean-Luc Dompé bereitete das Fast-Siegtor durch Miro Muheim vor (85.), entschied das Spiel aber auch nicht zugunsten seiner Mannschaft. In der Verlängerung kam dann Soumahoro für Jordan Torunarigha, der Krämpfe beklagte. Und Polzin verhalf Jatta zu seinem Saisondebüt – weshalb der blasse Königsdörffer weichen musste. Der Pokalabend verdeutlichte erneut, dass der HSV ein Sturmproblem hat, das beim 2:1 gegen Stuttgart zunächst kleiner zu werden schien, das sich durch die Verletzung von Robert Glatzel jedoch wieder vergrößerte.

Weil auch Yussuf Poulsen weiterhin mit gesundheitlichen Problemen kämpft, ist Königsdörffer in der Spitze vorerst konkurrenzlos. Sein Auftritt gegen Kiel passte aber zu den meisten anderen in dieser Saison. Königsdörffer war laut „Opta“ in 98 Spielminuten 33-mal am Ball, gewann vier seiner 16 Zweikämpfe (25 Prozent) und verbuchte keinen einzigen Torschuss. Dass der Deutsch-Ghanaer kein Wand- und Zielspieler wie Glatzel ist, ist bekannt, seine Stärken kamen gegen den Zweitligisten aber auch nicht zur Geltung. Zum wiederholten Male in dieser Spielzeit.

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„Es hätten viele Tore fallen können“, meinte Remberg. Mit Ausnahme eines strammen Querpasses, der im Kieler Strafraum keinen Mitspieler fand (38.), und seines guten Zuspiels für Rayan Philippe, der zu hoch zielte (54.), strahlte Königsdörffer aber zu wenig Gefahr aus. Ganz grundsätzlich befand Remberg: „Es war ein wildes Spiel.“ Eines, das nicht so lief, wie es sich der HSV erhofft hatte. Und einer der Leidtragenden war Königsdörffer. Weil Poulsens Kaderrückkehr noch unsicher ist, dürfte der 24-Jährige aber auch gegen Bremen den Startbefehl erhalten.

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