Glatzel fürchtet Konkurrenz im HSV-Sturm nicht: „Ich will trotzdem immer spielen“
Vier Jahre lang ackerte Robert Glatzel für das große Ziel, mit dem HSV in die Bundesliga zurückzukehren. Dabei hielt er dem Klub trotz anderer Möglichkeiten stets die Treue. Nun ist sein Traum erfüllt – aber der Stürmer hat weiterhin Großes vor. Im neuen MOPO-Format „Auf die 12“ stellt er sich zwölf Thesen über Gegenwart und Zukunft.
These 1: Beim Backgammon hat keiner meiner Mitspieler eine Chance gegen mich.
Glatzel: Ich glaube, Meffo und Ferro (Jonas Meffert und Daniel Heuer Fernandes, Anm. d. Red.) sind leider noch besser. Richtig ist, dass ich gerne auch abseits des Fußballplatzes ein bisschen spiele und Zeit mit meinen Mitspielern verbringe. Das ist ein sehr schöner Teil des Trainingslagers. Wir haben ein paar gute Zocker im Team. Ich bin beim Wizard ganz gut, beim Tischtennis und beim Paddel-Tennis sehe ich mich auch weit oben. Eigentlich bin ich fast überall oben dabei, als klare Nummer eins würde ich mich aber nirgendwo bezeichnen. (lacht)
Robert Glatzel sieht HSV als Gewinn für die Bundesliga
These 2: Der Klassenerhalt mit dem HSV wäre ein genauso großer Erfolg wie der Bundesliga-Aufstieg.
Sportlich ist es für den Verein und das ganze Drumherum mindestens genauso wichtig, aber rein emotional ist so ein Aufstieg schwer zu toppen. Gerade, wenn man wie ich mehrere Jahre für dieses Ziel gearbeitet hat.
These 3: Der HSV-Aufstieg ist für die komplette Bundesliga ein großer Gewinn.
Auf jeden Fall. Schon allein aufgrund unserer Fans und der Größe des Vereins. Der HSV polarisiert, das hat er schon in der Zweiten Liga extrem gemacht. Viele Fans anderer Vereine haben sich gewünscht, dass der HSV endlich wieder in die Bundesliga kommt. Auch für die Zweite Liga war der HSV sicherlich ein Gewinn, weil sie dadurch deutlich attraktiver wurde. Ich denke, es ist ein sehr großer Gewinn für die Bundesliga, dass der HSV jetzt wieder dabei ist.
These 4: Für Robert Glatzel ist es egal, ob sein Gegenspieler Dayot Upamecano oder Lukas Frenkert heißt.
Mit Blick auf die Einstellung ist das egal. Ich will mich gegen jeden durchsetzen, die Vorbereitung wird sich da kein bisschen ändern, auch die Denkweise auf dem Platz bleibt gleich. Ich gehe in ein Spiel, um es zu gewinnen und um Tore zu schießen. Da spielt es erst mal keine Rolle, wer der Gegenspieler ist. Natürlich hat Dayot Upamecano eine ganz, ganz andere Klasse als jeder Zweitliga-Verteidiger. Da wird es deutlich schwieriger, sich durchzusetzen und Tore zu machen. Das Ziel und die Herangehensweise bleiben aber gleich.
These 5: Robert Glatzel wird auch in der Bundesliga zweistellig treffen.
Dass ich in den vergangenen vier Jahren beim HSV jede Saison zweistellig getroffen habe, macht mich stolz. Es wäre cool, wenn mir das jetzt auch in der Bundesliga gelingen würde. Es wird aus vielen Gründen sicherlich schwieriger und man kann da keine Garantie abgeben. Ich traue mir aber zu, dass ich das schaffen kann.
Glatzel könnte sich Sturm-Duo mit Poulsen vorstellen
These 6: Es ist gut vorstellbar, dass Robert Glatzel und Yussuf Poulsen ein Sturm-Duo bilden.
Ich kann mir das gut vorstellen. Ich habe letzte Saison auch mit Davie ein paar Spiele zusammen gemacht. Es gibt immer Gründe, auf zwei Stürmer oder ähnliche Spielertypen zu setzen. Das kommt letztlich auch auf den Gegner an – und am Ende ist das dann vor allem eine Trainer-Entscheidung.
These 7: Robert Glatzel wäre auch zufrieden, wenn er auf nur zehn Startelf-Einsätze in der anstehenden Bundesliga-Saison kommen würde.
Nein. Ich weiß, dass die Bundesliga mindestens eine Klasse besser ist. Und ich weiß auch, dass bei uns die Konkurrenz größer geworden ist. Ich will aber trotzdem immer spielen, das ist doch normal für jeden Fußballer. Ich war immer Stammspieler beim HSV. Mein Ziel war es, mit diesem Verein in der Bundesliga zu spielen. Auch dort will ich mich jetzt durchsetzen. Wenn ich diese Einstellung nicht hätte, wäre ich nicht so weit gekommen. Wer keinen Konkurrenzkampf haben will und nicht den Ehrgeiz hat, jedes Spiel zu spielen, der braucht im Profi-Fußball auch nicht antreten.
These 8: Mit Glatzel im Team gibt es für den HSV gegen die Bayern keine Klatsche.
(lacht) Ich habe gegen sie schon mit Mainz gewonnen und mit Heidenheim mal in einem Spiel drei Tore gegen die Bayern erzielt. Deswegen bin ich jetzt aber natürlich nicht direkt der Gamechanger für diese Spiele. Da bilde ich mir nichts ein. Einerseits schadet die positive Erfahrung sicherlich nicht, es zeigt, dass auch gegen die beste Mannschaft Deutschlands etwas möglich ist. Auf der anderen Seite sind die Bayern die beste Mannschaft in Deutschland und einer der absoluten Topklubs in Europa. Sie werden in beide Spiele gegen uns als klarer Favorit gehen. Das werden sehr schwere Aufgaben, auf die ich mich aber sehr freue. Gerade als gebürtiger Münchner, der mit den Bayern aufgewachsen ist, sind das große Highlights.
HSV will im Volkspark auch in der Bundesliga punkten
These 9: Im Volksparkstadion ist der HSV auch in der Bundesliga in vielen Spielen der Favorit.
Favorit würde ich nicht unterschreiben, aber schwer zu schlagen kann man sagen. Es sind immer ganz besondere Spiele für uns zu Hause. Die Stimmung wird auch in der Bundesliga überragend sein, die Fans werden uns als zwölfter Mann nach vorne peitschen. Das kann auf jeden Fall ein Vorteil für uns sein. Wir haben die letzten Jahre fast immer sehr gut zu Hause ausgesehen. Das soll jetzt auch in der Bundesliga ein Vorteil sein.
These 10: Der HSV wird am Ende der Saison wieder vor dem FC St. Pauli stehen.
Es ist mir eigentlich relativ egal, wo die anderen landen. Der Klassenerhalt ist das Wichtigste. Wir gucken in erster Linie auf uns.
These 11: Für Robert Glatzel sind die Derbys gegen Werder Bremen wichtiger als die gegen den FC St. Pauli.
Ich habe mich mal länger mit den Ultras ausgetauscht und sie gefragt, welches Spiel für sie wichtiger ist. Die meinten fast immer Bremen. Ich habe auch schon zweimal das Nordderby gespielt. Das war überragend. Persönlich finde ich die Spiele gegen St. Pauli aber noch intensiver und noch emotionaler. Gerade die letzten beiden Heimsiege gegen die sind bei mir ganz weit oben in den persönlichen Highlights meiner bisherigen HSV-Zeit. Beide Derbys sind überragend. Ich freue mich auf beide Spiele, da ich auch persönlich zum Teil gute Erinnerungen an die Spiele habe. Das Stadtderby ist aber für mich das etwas geilere Spiel.
These 12: Robert Glatzel wird in seiner Karriere noch einmal im Ausland spielen.
Wenn ich es mir aussuchen kann, dann würde ich so ein Erlebnis und so eine Erfahrung gerne mitnehmen. Aber das kann man im Fußball nicht planen. Ich habe hier jetzt noch zwei Jahre Vertrag, danach bin ich 33 Jahre alt. Dann noch eine Auslandserfahrung wäre richtig cool. Ich kann mir das sehr gut vorstellen und habe es auf jeden Fall im Hinterkopf.