Glatzel am Tiefpunkt! Abschied des HSV-Lieblings im Sommer rückt näher
Kaum ein anderer HSV-Profi kann sich der Rückendeckung der Fans so sicher sein wie Robert Glatzel. Insbesondere in den sozialen Netzwerken fordern zahlreiche Anhänger wöchentlich, dass der 32-Jährige öfter zum Einsatz kommen müsse – doch Trainer Merlin Polzin hat nur selten Verwendung für seinen einstigen Torjäger. Ein Balanceakt zwischen Hoffnung und Enttäuschung, von dem Glatzel nun genug haben dürfte.
Am Samstagabend dürfte der Frustfaktor des Stürmers einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Mit regloser Miene marschierte Glatzel nach dem 1:1 gegen Köln in die Kabine, seine Klamotten waren so unbefleckt wie bereits vor dem Anpfiff der Partie. Zum vierten Mal in Folge durfte er keine einzige Minute lang ran, selten zuvor aber wurde ihm so klar vor Augen geführt, wie es um sein Standing bestellt ist.
Glatzel ist nur noch die Nummer fünf im HSV-Angriff
Glatzel ist nur noch die Nummer fünf im HSV-Sturm – das wurde gegen Köln überdeutlich. In Abwesenheit des verletzten Kapitäns Yussuf Poulsen setzte Polzin zwar auf eine Doppelspitze, bot an vorderster Front aber Ransford Königsdörffer und Damion Downs auf. Als Joker kam nach 67 Minuten Youngster Otto Stange. Glatzel aber wartete vergeblich auf seine Chance.

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So ist es seit Wochen. Nach seinem kurzen Zwischenhoch mit zwei Startelfeinsätzen gegen Union Berlin (3:2) und in Mainz (1:1) flog der beste Zweitliga-Torschütze der HSV-Geschichte (73 Treffer in 115 Spielen) wieder aus der Startelf. Weil Polzin und sein Trainerstab zwar Glatzels Abschlussqualitäten zu schätzen wissen, aber lieber auf starke Anläufer setzen, die die gegnerische Abwehr bereits im Spielaufbau stressen.
Im Winter entschied sich Glatzel dafür, beim HSV zu bleiben
Eine Situation, die Glatzel seit dem Aufstieg nicht neu ist. Dennoch entschied er sich im Winter dazu, diese Saison im Volkspark zu Ende spielen zu wollen und keinen vorzeitigen Vereinswechsel anzustreben. Zu groß war jahrelang Glatzels Wunsch, mit dem HSV in der Bundesliga spielen zu wollen, als dass er nun sofort eine neue Herausforderung suchen wollte.

Eine Einstellung, die sich im Sommer ändern dürfte. Glatzel weiß, dass sich seine Situation unter Polzin auch in der nächsten Spielzeit nicht ändern dürfte – es sei denn, der HSV würde absteigen und seinen Spielstil dann abermals verändern. Davon aber ist angesichts des Hamburger Punkte-Polsters auf die Abstiegszone nicht auszugehen. Im Falle des Klassenerhalts wären zwar zumindest auch Abgänge von Downs und Königsdörffer möglich. Glatzels Aussichten würden sich aber auch dann nicht nicht verbessern, da sich der Verein um Ersatz mit ähnlichen läuferischen Qualitäten umschauen würde.
Glatzel würde gern noch mal im Ausland spielen
An Anfragen mangelte es Glatzel bereits im Winter nicht, aufgrund seiner klaren Abwehrhaltung aber wurde keine der Spuren heißer verfolgt. Im Sommer dürften die Karten neu gemischt werden. Ohnehin trägt der Angreifer den Wunsch in sich, zum Abschluss seiner Karriere noch mal ins Ausland zu wechseln – so, wie er es von Mitte 2019 bis Anfang 2021 in der englischen Championship für Cardiff City tat. „Wenn ich es mir aussuchen kann, würde ich so ein Erlebnis und so eine Erfahrung gerne mitnehmen“, sagte Glatzel der MOPO im vergangenen Sommer und fügte an: „Ich habe hier jetzt noch zwei Jahre Vertrag, danach bin ich 33 Jahre alt. Dann noch eine Auslandserfahrung wäre richtig cool.“
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Alles spricht dafür, dass Glatzel sich seinen Wunsch bereits ein Jahr eher erfüllen könnte. Weder ist davon auszugehen, dass der HSV seinem verdienten Angreifer Steine in den Weg legen würde (zumal er mit einem Gehalt von etwa 1,3 Millionen Euro zu den Topverdienern zählt), noch davon, dass Glatzel sich ein weiteres Jahr als Dauer-Reservist antun möchte. Es könnte auf einen traurigen Abschied im Sommer hinauslaufen.
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