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„Gilt jetzt, Dinge zu verfeinern“: Polzin passt die HSV-Taktik an

Nicolas Capaldo, Jordan Torunarigha, Nicolai Remberg, Albert Sambi Lokonga und Merlin Polzin beim HSV-Testspiel in Kematen.
Merlin Polzin hat klare taktische Vorstellungen für seine HSV-Profis um Albert Sambi Lokonga (2.v.r.).

Beim HSV deutet sich vor der neuen Saison eine kleine taktische Anpassung an. Was das für die Startelf, Transfers und Abgangskandidaten bedeutet.

Für Merlin Polzin ist die Ausgangslage vor der neuen Saison „fast komplett“ anders als noch im Sommer 2025. „Letztes Jahr hatten wir nach dem Aufstieg ein weißes Blatt Papier. Nun haben wir die Seite beschriftet und können uns die wichtigsten Punkte davon rauspicken“, erklärte der HSV-Trainer im MOPO-Interview und nannte ein akutes Ziel: „Jetzt gilt es, Dinge zu verfeinern.“ Nach dem XXL-Umbruch vor zwölf Monaten samt Umstellung von Vierer- auf Dreierkette geht es nun also um Details – und die betreffen auch die taktische Anordnung.

Es mag sich um Nuancen handeln, die in der Hektik eines Fußballspiels verschwimmen und natürlich nicht in Stein gemeißelt sind. Zumal Polzin, Loic Favé und das gesamte Trainerteam schon in der Vorsaison bewiesen, dass sie in ihrem Matchplan immer wieder Kleinigkeiten anpassen. So dürfte es auch im zweiten Bundesliga-Jahr nach dem Aufstieg wieder sein.

HSV agierte in den Tests mit zwei Spielmachern

Womöglich ist es nur eine Momentaufnahme, weil die Besetzung des zentralen Sturms auch nach der Verpflichtung von Patson Daka noch nicht abgeschlossen ist. Auffällig war bei den beiden bisherigen Tests des Sommers aber, dass Polzin mit zwei Spielmachern hinter einer einzigen klaren Spitze spielen ließ. Konkret: Ganz vorn begann sowohl bei Rapid Wien (2:3) als auch gegen Heidenheim (3:1) Yussuf Poulsen, und auf den beiden offensiven Halbpositionen waren zunächst Albert Grønbæk (links) sowie Neuzugang Martin Adeline (rechts) erste Wahl.

Auf dem Papier kann man dies als eine 3-4-2-1-Formation lesen. Am Ende der vergangenen Spielzeit war es eher noch ein 3-4-1-2: In der Offensive agierten vor dem Zehner Fábio Vieira meist zwei klare Angreifer, etwa Ransford Königsdörffer und Robert Glatzel. Diese beiden Aufstiegshelden sind jetzt nicht mehr da. Auch Damion Downs ist weg, und neben Poulsen und Daka ist momentan nur noch Otto Stange als klassischer Neuner da. Der HSV will zwar noch einen weiteren Torjäger holen, bisher konzentrierten sich die Transfers aber auf das kreative Zentrum im Mittelfeld – ein Grund hierfür könnte die taktische Modifizierung sein.

Klare taktische Idee hinter den HSV-Transfers

Neben Grønbæk und Adeline sind auch Rayan Philippe und der zuletzt verpflichtete Bilal Nadir logische Anwärter für die beiden Planstellen hinter dem Sturm. Typischen Flügelspielern wie Jean-Luc Dompé und Fábio Baldé, die im Ballbesitz zunächst gerne an der Seitenlinie kleben und von dort aus ins Dribbling gehen, kann die Umstellung dagegen zum Verhängnis werden.

Bilal Nadir, Jean-Luc Dompe und Emir Sahiti sitzen beim HSV-Testspiel in Kematen auf der Bank.
Für Jean-Luc Dompé (M.) läuft es beim HSV überhaupt nicht rund.

Nachdem Polzin nach dem Aufstieg zunächst noch auf ein 3-4-3-System mit offensiven Außenbahnspielern gesetzt hatte, scheint dieses Profil momentan nicht mehr vordergründig gefragt zu sein. Wohl auch deshalb gelten Dompé und Baldé, die beide eher offensiv denken, als Abgangskandidaten. Auf den zwei Schienenpositionen bevorzugt der HSV-Trainer Profis, die entweder defensiv- und laufstärker sind (wie Louis Lemke oder Bakery Jatta) oder denen im Spielaufbau eine wichtige Rolle als Passgeber und Lückenreißer zukommt (Miro Muheim).

Keine Positionen mehr für Dompé und Baldé?

Polzin erklärte in der MOPO, dass er sich eine Mannschaft wünscht, die künftig „noch viel intensiver, aggressiver und mutiger“ agiert: „Dazu gehört, dass die Schienenspieler noch deutlich öfter rauf- und runtermarschieren und dass wir bei Ballverlusten häufiger in den höheren Pressing-Momenten bleiben.“ Die Energie von Adeline soll dabei helfen – sagt Polzin doch über den 22-jährigen Franzosen: „Martin kann durch seine Intensität und seinen Fleiß seine offensive Rolle etwas freier gestalten und sich ausleben. Das ist das, was wir auf dieser Position haben wollten.“ Grønbæk verfügt über ähnliche Stärken und drängt in die Startelf.

Dompé, derzeit ohnehin außer Form, hat seine Stärken nicht im Spiel gegen den Ball. Der HSV täte gut daran, auch weiterhin Eins-gegen-eins-Spieler im Kader zu haben, die vornehmlich über den Flügel kommen, um taktisch flexibel zu bleiben und auch innerhalb einer Partie neue, überraschende Impulse setzen zu können. Sollte neben Dribbler Dompé auch Tempospieler Baldé den Verein verlassen, wären gleich zwei Profis mit ähnlichem Positionsprofil nicht mehr da. Aber der HSV hat hier auch noch Youngster Alexander Røssing-Lelesiit in der Hinterhand.

Der 19-Jährige trainiert nach seiner schweren Sprunggelenksverletzung noch individuell und wird zum Pflichtspielauftakt keine Startelfoption sein. Schon im Laufe der Hinrunde wird aber auch seine Qualität im Dribbling wieder gefragt sein. Noch so ein Detail, um das Polzin weiß.

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