„Genuss pur!“ Wolfsburg-Star Popp schwärmt vom Volkspark – und warnt vor dem HSV
Als die HSV-Frauen 2011 das letzte Mal in der Bundesliga spielten, stand sie schon als Gegnerin auf dem Platz. 14 Jahre später ist Alexandra Popp (34) kein junges Nachwuchstalent mehr, sondern eine der bekanntesten Fußballerinnen Deutschlands – und kehrt mit dem VfL Wolfsburg am Sonntag nach Hamburg zurück. In der MOPO spricht die 145-fache Nationalspielerin und Kapitänin der „Wölfinnen“ über das Bundesliga-Auftaktspiel beim HSV, den Reiz des Volksparkstadions, Gedanken über die Zukunft – und ihre ganz besondere Verbindung nach Hamburg.
MOPO: Sie haben in Ihrer langen Karriere zwar nie beim HSV gespielt, aber doch eine sehr besondere Verbindung nach Hamburg. Wie geht es Daria und Rida?
Alexandra Popp: (lacht) Das sind die beiden Tigerbabys, deren Patin ich bin. Der Tierpark Hagenbeck hatte mich nach der EM 2022 gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Ich bin gelernte Zoo-Tierpflegerin und in der Natur großgeworden, dementsprechend habe ich eine sehr besondere Bindung zu Tieren. Leider ist Daria mittlerweile schon gar nicht mehr in Hamburg (sie zog im Februar um nach Les Mathes/Frankreich; d. Red.).
Alexandra Popp spielte schon 2011 gegen den HSV
Erinnern Sie sich noch, wann Sie das letzte Mal als Spielerin in Hamburg waren?
Oh, das ist lange her. Damals gab es den alten HSV noch, bevor der Verein die Frauen abgemeldet hat.
Es war 2011, damals noch als Spielerin des FCR 2001 Duisburg. In diesen 14 Jahren ist ziemlich viel passiert im Frauenfußball. Nehmen Sie da auch selbst eine Entwicklung wahr?
Um ehrlich zu sein, wäre es traurig, wenn ich keine Entwicklung wahrnehmen würde. Dann würde einiges schieflaufen. Ich bin sehr, sehr froh, dass sich da besonders in den letzten Jahren einiges getan hat, in allen Bereichen. Der Frauenfußball ist athletischer geworden, schneller, teilweise auch viel technischer und taktischer als früher. Aber auch in den Vereinen ist etwas passiert. Ich meine, der HSV hat es inzwischen auch wieder gecheckt, dass man mit Frauenfußball einiges bewegen und auch wirtschaftlich arbeiten kann, wenn man es richtig macht. Die Zuschauerzahlen sprechen gerade in Hamburg auch definitiv dafür, dass sehr viel Potenzial da ist. Ich bin froh, dass immer mehr Lizenzvereine anfangen, vernünftig und professionell in den Frauenfußball zu investieren.
Fühlen Sie sich als eine der bekanntesten Spielerinnen Deutschlands dabei auch ein Stück mitverantwortlich?
Mir ist natürlich schon bewusst, dass viele meiner Aussagen seit einigen Jahren überall zu lesen sind und ich somit vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß geben kann. Umsetzen müssen es dann natürlich andere, das steht nicht in meiner Macht. Aber bewusst ist mir schon, dass mein Wort schon ein gewisses Gewicht hat.
Frauenfußball-Star Popp: Wolfsburg will die Bayern ärgern
Als Spielerin des VfL Wolfsburg wollen Sie natürlich auch in der Bundesliga vorangehen. Mit welchen Ambitionen gehen Sie in die Saison?
Wir hatten zwar einen großen Umbruch im Sommer, aber wir sind weiterhin dazu in der Lage, um Titel mitzuspielen. Vielleicht sind wir, wenn wir ganz realistisch sind, nicht direkt auf Augenhöhe mit dem FC Bayern. Aber ich sehe uns trotz alledem weiterhin weit oben in der Tabelle. Es ist vor dem ersten Spieltag natürlich schwer zu beurteilen, wo wir am Ende wirklich landen, aber grundsätzlich bin ich schon sehr optimistisch, dass wir erneut eine gute Rolle spielen werden und im Kampf um die nationalen Titel konkurrenzfähig sind.
Ist es da ein Vor- oder Nachteil, direkt zum Start gegen einen Aufsteiger wie den HSV zu spielen?
Das ist schwer zu sagen. Alles hat seine Vor- und Nachteile (lacht). Ich glaube, man kann schon sagen, dass wir als Favorit in dieses Spiel gehen. Aber es ist das erste Spiel der Saison und dazu kennen wir den HSV als Aufsteiger noch gar nicht so gut. Seit es die HSV-Mädels wieder gibt, haben wir noch nie gegen sie gespielt. Man hat natürlich immer die Möglichkeit, sich mit Videos vorzubereiten oder das eine oder andere Spiel zu sehen. Aber es ist immer noch mal etwas anderes, wenn du auf dem Platz stehst. Und dann ist da ja auch das Volksparkstadion – das macht noch mal was mit einer Heimmannschaft wie dem HSV. Die Fans setzen noch mal ein paar ganz andere Kräfte frei. Da ist es egal, ob man Aufsteiger ist. Das wird auf jeden Fall ein interessantes Duell werden.
Stichwort Volksparkstadion: Sie spielen am Sonntag nicht auf einem Nebenplatz, sondern in der großen Arena. Freuen Sie sich auf Ihr erstes Spiel im Volksparkstadion?
Ja, absolut! Es geht für die Frauenteams ja gerade immer mehr auch in die großen Stadien. Das ist natürlich ein Traum, den jede Fußballerin hat, vor einer solchen Kulisse zu spielen. Da sind auf einmal viel mehr Zuschauer als auf einem Nebenplatz. Diese Atmosphäre, die uns jetzt auch im Volksparkstadion erwarten wird, ist einfach schön. Dort zu spielen, wird Genuss pur!
Popp wünscht sich mehr Frauenfußball in großen Stadien
Dass es jetzt vermehrt in die großen Stadien der Männer geht, ist ja auch ein Teil der Entwicklung des Frauenfußballs.
Das haben sich die Mädels bei Euch in Hamburg auch erarbeitet. Und das gilt genauso für die anderen Vereine, die ihre Heimspiele in den großen Stadien absolvieren. Auch die Bayern haben es endlich mal geschafft, ihr Auftaktspiel in der Allianz Arena auszutragen, und wir werden für unser Spiel gegen die Bayern auch wieder in die Volkswagen Arena umziehen. Das macht einfach Spaß. Aber am Ende musst du auch zusehen, dass du diese Spiele auf dem Platz gewinnst. Die fangen genauso bei 0:0 an (lacht).
Wäre es Ihr Wunsch, dass die Frauenteams dauerhaft in solchen großen Stadien spielen?
Klar, das wäre natürlich schön. Es kommt aber natürlich darauf an, wie viel weiterhin in den Frauenfußball investiert wird. Ich glaube, dass das auf Dauer machbar ist – vorausgesetzt, die Vereine wollen es auch.
Sie sind 34, Ihr Vertrag in Wolfsburg läuft nach dieser Saison aus. Wird das also erst nach Ihrem Karriereende passieren?
(lacht) Da gehe ich stark von aus. Ich glaube, so schnell wird das nicht passieren. Ich weiß zwar noch nicht, wie es für mich nach der Saison weitergeht – aber allzu lange kann ich ja auch nicht mehr spielen. Das lässt mein Körper nicht zu (lacht).