Geht oder bleibt er? Wovon Königsdörffers HSV-Entscheidung abhängt
Merlin Polzin legte sich vor der Partie gegen Freiburg ins Zeug. Der HSV-Trainer nutzte eine Frage zu Ransford Königsdörffer, um öffentlich für eine Vertragsverlängerung des Stürmers zu werben. „Auf jeden Fall werde ich mich dafür einsetzen“, betonte Polzin, bevor er Königsdörffer zum 33. Mal in dieser Bundesliga-Saison auf das Feld schickte. Kein anderer HSV-Profi kann das von sich behaupten – nicht mal die Unterschiedsspieler Luka Vuskovic und Fábio Vieira, die am Sonntag kurz vor Schluss ausgewechselt und mit Ovationen bedacht wurden. Königsdörffer dagegen spielte durch. Aber war das auch sein allerletzter Auftritt im Volkspark?
Die Zukunft des 24-Jährigen ist auch jetzt, vor der abschließenden Saisonpartie am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) in Leverkusen, noch immer völlig offen. Die Chancen stünden bei 50:50, eine Tendenz gebe es weiterhin nicht, so heißt es. Dabei endet Königsdörffers HSV-Vertrag in eineinhalb Monaten, am 30. Juni. Und am Sonntagabend, nach dem gemeinsamen Besuch der männlichen Profis beim Spiel der Frauen gegen die Bayern im Volkspark (14 Uhr), darf sich der Angreifer in den Urlaub verabschieden.
Noch keine Tendenz bei HSV-Zukunft von Königsdörffer
Wie lange dieser ausfällt, hängt davon ab, ob Ghanas neuer Nationaltrainer Carlos Queiroz (73) Königsdörffer mit zur WM nimmt. Ende März gegen Österreich (1:5) hatte Königsdörffer sein Comeback in der A-Nationalmannschaft nach 16 Monaten gegeben, da allerdings noch unter Ex-Coach Otto Addo (50). Im Volkspark kann er sich der Unterstützung seines Übungsleiters sicher sein. Polzin ist großer Fan von Königsdörffer, der im veränderten Spielsystem nach dem Aufstieg sofort eine zentrale Rolle einnahm.
„Ransi hat es in der Bundesliga herausragend gemacht“, lobte der HSV-Coach am Freitag. „Es ist eine fantastische Saison von ihm.“ Polzin reduziert Königsdörffers Wert für das Team nicht auf seine wettbewerbsübergreifend lediglich sechs Tore. Er schätzt die Laufstärke, das Tempo und das Anlaufverhalten des gebürtigen Berliners – und will diese Qualitäten auch in Zukunft nicht missen. „Ransi und ich sind klar im Austausch. Er weiß, was er an mir hat, und er weiß auch, was ich von ihm brauche“, erklärte Polzin. „Dann hoffe ich, dass wir gemeinsam eine gute Lösung für die Zukunft finden.“ Ob es so kommt, bleibt indes unklar.
HSV-Trainer Polzin setzt sich für Vertragsverlängerung ein
Königsdörffer hat das flammende Plädoyer seines Cheftrainers registriert. Er schätzte Polzin aber auch schon vorher sehr. Während der siebenmalige A-Nationalspieler im Laufe der Saison immer wieder ins Visier der Fans geriet, was teilweise unter der Gürtellinie geschah, schützte Polzin ihn und schenkte ihm ungebrochen das Vertrauen. An der Beziehung zwischen Spieler und Coach gibt es nichts zu monieren. Die Einsatzzeit stimmt ohnehin. Dennoch soll sich Königsdörffer noch nicht final darüber im Klaren sein, ob er bleiben will und somit seinen Kontrakt verlängert.

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Es geht um eine strategische Entscheidung. Schon im Vorjahr wollte Königsdörffer eigentlich weg, doch sein Wechsel zu OGC Nizza scheiterte an seinem vorbelasteten Knie – was aus heutiger Sicht verwunderlich erscheint, denn er verpasste danach kein einziges Saisonspiel des HSV. Letztmals ausführlich über seine Situation sprach Königsdörffer im Februar. „Es ist noch alles offen. Ich weiß es jetzt noch nicht. Es kann in beide Richtungen gehen“, sagte er da und unterstrich das, woraus er nie ein Geheimnis gemacht hat: „Ich würde gerne irgendwann mal im Ausland spielen.“ Ob es schon in diesem Sommer dazu kommt? Mit einem Jahr Verspätung? Wenn nicht in Südfrankreich, dann anderswo?
Traum vom Auslandswechsel – eine Frage der Alternativen
Es ist eine Frage der Alternativen. Der HSV würde Königsdörffer gerne halten, die Spielerseite wartet aber noch ab, was für Optionen sich auftun. Welche Adressen ernsthaft infrage kommen, dürfte auch davon abhängen, wie das Saisonfinale in Europas Ligen ausgeht. Welche potenziellen Interessenten spielen nächstes Jahr europäisch? Welcher Klub sichert sich wo den Klassenerhalt und kann mit guten fußballerischen Perspektiven locken? Hamburgs Ligaverbleib dürfte die Chancen des HSV nicht verringert haben – hatte Königsdörffer doch schon vor drei Monaten gesagt: „Bundesliga ist auf jeden Fall schöner als 2. Liga.“
Polzin hat sein Team im deutschen Oberhaus gehalten. Und er würde auch in der neuen Saison gerne auf Königsdörffer setzen, lobte zuletzt: „Ransi hat ein paar Jahre gebraucht, um dann so richtig einzuschlagen.“ Neuerliche Gespräche zwischen Spieler und Trainer benötigt es vermutlich nicht. Denn Königsdörffer kennt Polzins klaren Standpunkt. Mit Sportdirektor Claus Costa aber werden sich seine Berater zeitnah noch einmal zusammensetzen. Einen konkreten Termin dafür gibt es nach MOPO-Informationen noch nicht. Der könnte auch während des (Kurz-)Urlaubs des Stürmers anberaumt werden.
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Noch gibt man sich in allen Lagern entspannt. Eine Deadline, bis zu der Königsdörffer eine finale Entscheidung treffen muss, soll es vonseiten des HSV nicht geben. Die Wechsel-Überlegungen erachtet man im Volkspark als legitim. Schließlich steht Königsdörffer seit fast vier Jahren in Hamburg unter Vertrag und könnte nun den nächsten Schritt in seiner Karriere bevorzugen. Die Bosse rechnen es dem Spieler hoch an, dass er in dieser Hinsicht stets mit offenen Karten spielte – und sich trotz der ungeklärten Zukunftsfrage auf dem Platz nicht hängen ließ. Am 34. Spieltag wird Königsdörffer zum 34. Mal zum Einsatz kommen.