Ransford Königsdörffer mit Kapuze auf dem Weg ins Stadion

Ransford Königsdörffer hielt sich in der Öffentlichkeit zuletzt bedeckt. Nun bezog er ausführlich Stellung. Foto: imago images/Lobeca

„Geht mir am Arsch vorbei“: Königsdörffer bricht sein HSV-Schweigen

kommentar icon
arrow down

Monatelang hatte sich Ransford Königsdörffer nicht öffentlich geäußert. Letztmals vor die Mikrofone getreten war der HSV-Stürmer am 25. Oktober 2025 – nachdem er beim 0:1 gegen den VfL Wolfsburg einen Elfmeter verschossen hatte. Königsdörffer stellte sich, übernahm die Verantwortung für die Heimpleite, konnte eine Hetzjagd in den sozialen Medien damit aber nicht verhindern. Die (Fan-)Kritik nahm zu. Deshalb sprach der 25-Jährige nach seinem ersten Saisontreffer gegen den BVB (1:1) nicht. Und darum schwieg er danach weiter. Bis jetzt. Drei Tage nach seinem erlösenden Tor in Heidenheim (2:0) gewährt Königsdörffer emotionale Einblicke.

„Ich kriege nicht alles mit, lese mir nicht alles durch – aber gehatet wurde ich schon“, sagt er über die teils heftige Kritik, der er sich in den vergangenen Wochen ausgesetzt sah. Doch Königsdörffer stellt klar: „Das geht mir relativ am Arsch vorbei. Es ist interessiert mich nicht. Die Meinungen, die mich interessieren, kommen aus meinem Umfeld.“ Er erwähnt diesbezüglich das Trainerteam, seinen Berater, seine Freundin – und seine Mitspieler.

HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer reagiert auf Kritik

Es waren andere HSV-Profis, die zuletzt das Wort ergriffen. Warum er selbst zuletzt öffentlich nicht sprechen wollte, weder vor noch nach den Spielen, die häufig suboptimal für ihn liefen? „In den ersten Saisonspielen hatte ich auch unglückliche Leistungen, bin nach den Spielen aber oft vor die Kamera gegangen“, erklärt Königsdörffer, der „irgendwann einfach keine Lust mehr“ hatte, sich den Medien zu stellen. Stattdessen wollte er sich darauf fokussieren, seine Performance zu verbessern, denn: „Nach außen irgendwas zu erzählen, ist schön und gut, aber die Leistung auf dem Platz muss stimmen.“ Schon in den ersten Partien dieser Saison war das zu selten der Fall.

Beim 1:1 gegen Dortmund erzielte Ransford Königsdörffer das erste Mittelstürmertor für den HSV in dieser Saison. WITTERS
Ransford Königsdörffer rutscht auf seinen Knien über den Rasen und jubelt.
Beim 1:1 gegen Dortmund erzielte Ransford Königsdörffer das erste Mittelstürmertor für den HSV in dieser Saison.

Dann aber traf Königsdörffer Anfang November erstmals. Und dass er nach seinem Last-Minute-Ausgleich gegen Dortmund mit einem Zeigefinger auf dem Mund jubelte, war kein Zufall. „Ich glaube, viele glauben bis heute nicht an mich“, sagt Hamburgs Nummer 11. „Ich hoffe, dass ich deren Meinung ändern und zeigen kann, was ich drauf habe.“

Trotz Tor-Flaute: HSV-Trainer Polzin setzt auf Königsdörffer

Die eine, entscheidende Erklärung dafür, dass es in der Bundesliga für ihn noch nicht so geschmeidig läuft wie in der Aufstiegssaison samt 14 Toren, hat der Angreifer nicht. Er sagt: „Manchmal treffe ich falsche Entscheidungen, manchmal fehlt etwas Glück, manchmal kommt man nicht in die richtigen Situationen – da muss ich mir an die eigene Nase fassen. Ich hatte genug Chancen und hätte mehr Tore machen können.“ Mit der momentanen Ausbeute ist er nicht zufrieden: „Zwei Tore sind auf jeden Fall zu wenig.“

Obwohl sich Königsdörffer oft schwertat, stellte Merlin Polzin ihn bei 16 von bisher 20 Ligapartien in die HSV-Startelf. Der Trainer schätzt die Qualitäten des läuferisch starken Profis, nicht zuletzt im Pressing. Und Königsdörffer selbst ist froh über das Vertrauen, das Polzin ihm entgegenbringt: „Ich habe zu jedem im Trainerteam ein sehr gutes Verhältnis“, sagt er. „Und ich versuche, jedes Wochenende meine Leistungen zu bringen, um für das Vertrauen etwas zurückzugeben.“

Ransford Königsdörffer erzielte in Heidenheim die 1:0-Führung für den HSV. WITTERS
Ransford Königsdörffer wird von Patrick Mainka gehalten.
Ransford Königsdörffer erzielte in Heidenheim die 1:0-Führung für den HSV.

Dass sich auch seine Mitspieler stets und auch öffentlich vor ihn stellten, zuletzt taten es Nicolai Remberg, Daniel Heuer Fernandes und Miro Muheim, empfand Königsdörffer als wohltuend. „Sie glauben an mich“, hat er erkannt. „Sie wissen, was ich kann. Ich spüre absolutes Vertrauen.“

Wie er die Situation im HSV-Sturm und seine Zukunft sieht

Dass die Konkurrenz im HSV-Sturm, dem neben ihm, Robert Glatzel sowie Yussuf Poulsen nun auch Rückkehrer Otto Stange sowie Southampton-Leihgabe Damion Downs angehören, sieht Königsdörffer diplomatisch. Wenig überraschend. „Ohne Konkurrenz macht es nicht so viel Spaß“, sagt er. „Jeder wird gefordert, auch im Training. Je mehr Konkurrenten es gibt, desto besser.“

Der gebürtige Berliner hofft, dass sein Führungstreffer in Heidenheim eine beflügelnde Wirkung hat. Seinem zweiten Saisontor sollen weitere folgen. „Das Tor hat mich gefreut, aber mehr dann auch nicht“, stellt er klar. „Wenn es die nächsten Wochen so weitergeht, habe ich vielleicht irgendwann Genugtuung – aber jetzt auf jeden Fall noch nicht.“ Und apropos Zukunft: Wie sieht er seine eigene? Schließlich läuft der HSV-Vertrag von Königsdörffer, der im vergangenen Sommer nach Nizza wechseln wollte, ehe der Deal aus gesundheitlichen Gründen platzte, Ende Juni 2026 aus.

Das könnte Sie auch interessieren: Trotz Tempo-Rekord – Jatta muss um seinen HSV-Platz zittern

„Claus (Costa; d. Red.) und mein Berater sind in regem Austausch“, verrät der Angreifer. „Aber mehr aktuell nicht. Wir sollten uns da überraschen lassen. Es kann in beide Richtungen gehen.“ Ein Verbleib sei vorstellbar, zumal die Verbindung zu Polzin und den anderen Coaches passe. Gleichzeitig sagt er: „Ich würde gerne irgendwann mal im Ausland spielen.“ Eine persönliche Deadline für die Entscheidung habe er sich nicht gesetzt: „Es ist noch alles offen. Ich weiß es jetzt nocht nicht.“ Klar sei, dass er weiter auf höchstem Niveau spielen will: „Bundesliga ist auf jeden Fall schöner als 2. Liga.“ Noch dazu, wenn seine Quote stimmt.

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
test