Geht es jetzt schnell bei der Boss-Suche? Kandidat ist bereit für den HSV-Job
An diesem Sonntag ist das HSV-Aus von Stefan Kuntz exakt 100 Tage her. Am 2. Januar hatte der Verein zunächst aufgrund von „persönlichen familiären Gründen“ die Vertragsauflösung kommuniziert. Nun, am 12. April, steht man im Volkspark weiterhin ohne Sportvorstand da. Das soll sich bald ändern, und mit Sebastian Kehl würde einer der gehandelten Kandidaten kommen und ist bereit. Aber was will der HSV?
Der Aufsichtsrat hat klare Vorstellungen – die Wunschlösung aber noch nicht präsentiert. Vor wenigen Wochen hatten die Kontrolleure um Michael Papenfuß und Markus Frömming den Headhunter Henrik Mook von der Firma „Pedersen & Peters“ beauftragt, die Vorstandssuche voranzutreiben und geeignete Kandidaten auszumachen. Mit ersten Ergebnissen war rund um Ostern zu rechnen. Zumindest bis Mitte dieser Woche aber kam die ominöse Liste nach MOPO-Informationen nicht in den Büros der handelnden HSV-Bosse an.
Sebastian Kehl gilt als ein Favorit als HSV-Sportvorstand
Ob sie schon fertig ist? Offen. Namen? Unklar. Die Gespräche laufen im Hintergrund, eine konkrete Abstimmung gab es noch nicht. Und im Volkspark geht man auch nicht davon aus, dass eine finale Entscheidung in den nächsten ein, zwei Wochen fällt. Die Räte nehmen sich Zeit, sie setzen auf Sorgfalt statt Schnelligkeit. Dabei wäre ein Kandidat wohl ziemlich leicht zu begeistern: Sebastian Kehl.
Der Suchprozess des HSV wird in der Branche als professionell gelobt, und dem Vernehmen nach verfolgt man auch im Kehl-Lager ganz genau, was im Volkspark derzeit vor sich geht. Der HSV hat eine unverändert große Strahlkraft. Der Verein zieht, auch auf Manager-Ebene – so sehr, dass potenzielle Kandidaten sich nach dem Kuntz-Aus umgehend mit dem vakanten Posten beschäftigten. Ex-Sportdirektor Kehl und der BVB trennten sich erst am 22. März. Spätestens seitdem wird der 46-Jährige ernsthaft mit dem HSV in Verbindung gebracht. Und auch wenn er sich zunächst eine Auszeit nahm: Kehl hält sich auf dem Laufenden darüber, welche Optionen bereits da sind oder sich ihm auftun könnten. Die Ausschreibung in der Hansestadt zählt dazu.
Ex-BVB-Boss Kehl kann sich Job beim HSV gut vorstellen
Nach MOPO-Informationen kann er sich den HSV-Job sehr gut vorstellen. Zuletzt soll sich Kehl bereits intensive Gedanken darüber gemacht haben, mit welchen Vertrauten er seine nächste Aufgabe angehen könnte. Ob er darauf bestehen würde, ein eigenes Team mit nach Hamburg zu bringen, ist unklar. Beim HSV ginge es ihm wohl nicht darum, das für die Kaderplanung zuständige Duo aus Sportdirektor Claus Costa und Chefscout Sebastian Dirscherl zu trennen. Da stimmen Harmonie und Transfer-Ergebnisse. Aber Kehl will sich bestmöglich aufstellen – unabhängig von der Frage, ob überhaupt schon ein konkreter Austausch zwischen ihm und dem HSV stattfand. Entsprechende Gerüchte werden momentan nicht bestätigt.
Außerhalb Hamburgs registriert man mit Anerkennung, dass sich die Personalstruktur beim HSV geschärft hat. Auch deshalb ist der Verein für viele Manager attraktiv. Aber im Organigramm ist noch Platz – für einen neuen Sportvorstand. Kehl sieht sich in so einer übergeordneten Position, nachdem er in Dortmund in den vergangenen Jahren mehreren Geschäftsführern und seit Mai 2024 auch Sportboss Lars Ricken unterstellt war. In Hamburg wäre er in der Hierarchie weiter oben angesiedelt. Das reizt Kehl. Entscheidend ist nun aber, was die Aufsichtsräte des HSV wollen. Welches Profil sie präferieren.
Eric Huwer ist nach Kuntz’ Aus alleiniger HSV-Vorstand
Seit der Trennung von Kuntz ist Eric Huwer als Alleinvorstand enger an den Sport herangerückt. Der 42-Jährige bezeichnet den HSV als maximal handlungsfähig und schätzt die Einigkeit in der aktuellen Konstellation mit Costa und Co. Käme ein neuer starker Mann hinzu, würde sich Huwer jemanden wünschen, der mit Inhalten punktet. Dem „Abendblatt“ sagte er zudem: „Es ist die Vielzahl an Gesichtern, die diesen Klub ausmachen und so besonders machen.“
Beim letzten Mal setzte der Aufsichtsrat auf die Erfahrung von Europameister Kuntz. Wird es jetzt wieder ein Ex-Nationalspieler? Eine mögliche Zusammenarbeit mit Kehl soll sich Huwer gut vorstellen können. Beide Manager gelten als Teamplayer, zuletzt gab es rund ums HSV-Spiel in Dortmund (2:3) den üblichen Austausch. Tags darauf endete Kehls BVB-Zeit. Jetzt ist der frühere Defensivstratege dem Vernehmen nach ein Favorit beim HSV – auch wenn noch unklar ist, wann der Aufsichtsrat eine finale Entscheidung fällt.
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Auch Costa kennt Kehl gut. Er, dessen Beförderung zuletzt weniger intensiv diskutiert wurde, mischt sich in die Vorstandsfrage aber nicht ein. „Mich muss auch niemand einbeziehen, weil es um den Posten des Sportvorstands geht. Das betrifft meinen Einflussbereich nicht“, stellte Costa klar. „Deshalb bin ich da völlig entspannt. Ich mache meinen Job und habe genug zu tun.“ Costa, Kehl oder Kandidat X: Antworten müssen die HSV-Kontrolleure liefern. Noch haben sie Zeit.