„Gab keine anderen Gedanken“ – HSV-Profi Muheim über eine wichtige Entscheidung
Nicht auszuschließen, dass der eine oder andere HSV-Kollege künftig mal genauer nachfragen muss, was die beiden Schweizer denn nun eigentlich sagen wollten. Miro Muheim (26) hat im Volkspark mit Silvan Hefti Verstärkung aus der Heimat bekommen, der eine spielt links in der Abwehr, der andere rechts. Neben der Leidenschaft für den schweizerdeutschen Zungenschlag verbindet die Landsleute, die sich bereits aus St. Gallen kennen, der Wille, mit dem HSV Erfolgsgeschichten zu schreiben. Vor dem Heimspiel-Auftakt am Samstag gegen Hertha BSC sprach die MOPO mit Muheim über den Neuen, den Reiz der Bundesliga und kulinarische Facetten in der Hansestadt.
MOPO: Herr Muheim, kurz nachdem Silvan Hefti in Hamburg angekommen war, haben Sie ihn direkt zum Essen in die Schanze ausgeführt. Lassen Sie uns raten: Gab es zum Einstand Schweizer Rösti?
Miro Muheim: (lacht) Nein, falsch. Wir waren bei einem Afghanen. Aber es hat sehr, sehr gut geschmeckt.
Wenige Tage zuvor meldete sich Ihr Landsmann telefonisch bei Ihnen. Was dachten Sie, als das Handy klingelte?
Es war ein spezieller Moment. Silvan und ich hatten nicht wirklich viel Kontakt, nachdem er 2020 von St. Gallen nach Bern gewechselt war. Als ich dann mitbekam, dass der HSV Interesse an seiner Verpflichtung hatte, wurde ich schon hellhörig.
Silvan Hefti sprach mit Muheim vor seinem HSV-Wechsel
Und dann rief er an.
Er wollte von mir ein wenig was über den Verein wissen, um sich sicher zu sein. Ich habe ihm gesagt, wie wohl ich mich selbst beim HSV und in Hamburg fühle und dass wir aus meiner Sicht mit dieser Mannschaft Großes erreichen können.
Hefti antwortete mit seiner Vertragsunterschrift.
Ob man das so sagen kann, weiß ich nicht. Aber anscheinend klangen meine Antworten für ihn recht überzeugend (schmunzelt).
Sie spielten von Anfang 2018 bis Mitte 2020 zusammen in St. Gallen. Wie hat sich Ihr Landsmann seitdem verändert und worauf können sich die HSV-Fans freuen?
Es ist noch etwas zu früh, ihn abschließend mit dem Spieler zu vergleichen, den ich von früher kenne. Aber Silvan war damals schon ein sehr athletischer Außenverteidiger mit viel Tempo und Zug nach vorn. Er ist auch sehr robust, kann im wahrsten Sinne des Wortes gut verteidigen. Aus meiner Sicht hat er viele Stärken. Ich bin mir sicher, dass er uns enorm weiterhelfen wird.
Muheim will in HSV-Kabine jetzt Schwyzerdütsch sprechen
Wie angenehm ist es für Sie, nun auch einen Landsmann im Kader begrüßen zu können?
Es ist immer schön, Kollegen zu treffen, mit denen man schon mal zusammengespielt hat – unabhängig von der Nationalität. Aber eine Sache gibt es dann schon, die mir gefällt.
Nämlich?
Ich kann in der Kabine endlich auch mal Schwyzerdütsch sprechen. Allerdings weiß ich nicht, ob alle unsere Kollegen das so cool finden (lacht).
Grundsätzlich sind sich Schweizer und Deutsche recht ähnlich. Hand aufs Herz: Haben Sie in Ihren beiden Hamburger Jahren trotzdem auch krasse Unterschiede ausmachen können?
So viele gibt es da nicht, außer, dass in der Schweiz vieles teurer ist (lacht). Ich würde aber sagen, dass wir Schweizer anfangs etwas zurückhaltender sind, wenn wir Menschen kennenlernen. Es dauert etwas, bis wir auftauen. Aber wenn wir das tun, dann auch richtig.
Seit etwa 20 Jahren spielen enorm viele Schweizer in Deutschland. Ist es für Sie, auf den Fußball bezogen, das gelobte Land?
Es ist zumindest das Land, auf das man als Kind wahrscheinlich am ehesten achtet. Unsere Länder sind nicht weit voneinander entfernt, die Sprache ist gleich. Als Schweizer guckst du zuerst auf die Bundesliga, das war bei mir als Kind auch so. Umso mehr, weil auch so viele Nationalspieler hier aktiv sind.
HSV-Profi Muheim träumt vom Schweizer Nationalteam
Auch Sie selbst standen Ende des vergangenen Jahres mal im erweiterten Aufgebot Ihres Nationalteams. Nun beginnt bald mit der Qualifikation zur WM 2026 ein neuer Zyklus. Wie groß ist die Gier, es ins Nationalteam zu schaffen?
Natürlich ist das in meinem Kopf, aber ich bin mir der Prioritäten bewusst: Alles hängt von der Leistung im Verein ab, alles andere kommt dann automatisch. Ich will hier beim HSV meine Leistung zeigen und dann sehen wir, was passiert.
Es hieß, Sie hätten den Verein im Sommer per Ausstiegsklausel verlassen können. War diese Idee jemals in Ihrem Kopf präsent?
Ich habe mich ja schon im vergangenen Winter dazu entschieden, meinen Vertrag vorzeitig zu verlängern. Für mich war es wichtig zu zeigen, dass ich bleiben möchte, ich wollte früh ein Zeichen setzen. Da gab es im Sommer keine anderen Gedanken.
Danach folgte eine intensive Zeit, in der Sie das System von Trainer Steffen Baumgart durch die Vorbereitung noch stärker verinnerlicht haben. Wie wichtig waren die Wochen, um den Walter-Ball nun ablegen zu können?
So etwas braucht Zeit. Aber da hat uns der Sommer enorm geholfen. Wir fühlen uns mittlerweile viel sicherer in dem, was wir tun, können aber natürlich noch weitere Fortschritte machen.
Was hat sich für Sie persönlich geändert?
Ich muss schon im Verbund mit den anderen etwas genauer darauf achten, dass wir hinten in der Überzahl sind und keine Eins-gegen-eins-Duelle haben.
HSV und Muheim gelang in Köln ein starker Saisonstart
In Köln funktionierte das alles schon recht gut. Wie wichtig war das 2:1 zum Start für das gesamte Gefühl in der Mannschaft?
Das gibt uns viel Selbstvertrauen. Die Minuten nach dem Abpfiff waren sehr schön. Wir alle waren richtig fertig und kaputt. Aber das Gefühl, zu wissen, dass du es als Mannschaft bei einem so starken Gegner geschafft hast, war großartig. So kann es weitergehen.
Bei Fans und Experten laufen ja längst schon wieder Prognosen, wer aufsteigt. Verraten Sie es uns: Warum kann es der HSV in dieser Saison nun wirklich schaffen?
Ich gehe immer mit der Einstellung in die Saison, dass wir es schaffen können. Das ist auch keine Floskel, ich bin einfach fest davon überzeugt und war es auch schon in den Vorjahren. Wir haben uns wieder gut verstärkt, die Abläufe sitzen immer besser, jeder weiß, was er zu tun hat. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass wir es diesmal schaffen können. Aber der nächste Schritt wäre erst mal ein Sieg am Samstag gegen Hertha – und dieses Spiel ist auch erst der zweite Spieltag.