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„Früher war ich Rechtsfuß“: HSV-Amputiertenfußballer kämpfen um Aufmerksamkeit

Starker Abschluss: Philipp Dern schießt auf den von Lucio Adalbert gehüteten Kasten.

Die HSV-Spieler im Amputiertenfußball kämpfen um größere Aufmerksamkeit für ihre inklusive Sportart. Da kommt die anstehende WM gerade recht.

Wenn es richtig gut läuft, dann ist Lucio Adalbert im November in Mexiko und spielt für Deutschland um die Weltmeisterschaft. Der HSV-Torwart fährt Mitte Juli zu einem WM-Lehrgang ins bayerische Oberhaching. Doch erst mal gilt es für ihn und seine Vorderleute, in der Bundesliga der Amputiertenfußballer in die Spur zu kommen.

„Unser Training war intensiv“, sagt Adalbert: „Wir wissen jetzt, wie wir uns besser ergänzen.“ Der 19-Jährige, der bei einem Unfall seine linke Hand verloren hat, ist zuversichtlich, dass er die Feldspieler bei der Bundesliga-Runde am Wochenende auf der Paul-Hauenschild-Anlage in Norderstedt besser dirigieren kann. Die ersten drei Spiele gingen verloren, der HSV ziert das Tabellenende. „Wir haben viele neue Spieler, die Mannschaft muss sich noch finden“, erklärt Philipp Dern. Das Dutzend Spieler trainiert zweimal im Monat.

Nur vier Teams spielen in der Amputierten-Bundesliga

Dern beackert die linke Außenbahn, der 32-jährige Industriekaufmann trägt nach einem Unfall seit acht Jahren rechts eine Unterschenkelprothese. Auf dem Rasen schnallt er sie ab, die Feldspieler müssen sich auf Krücken fortbewegen. „Früher war ich Rechtsfuß, jetzt gezwungenermaßen Linksfuß“, schildert Dern: „Diese Umstellung ist noch nicht abgeschlossen.“ Im Amputiertenfußball kommt es auf Kondition und Koordination an. Wie man die Gehhilfen beim Laufen platziert, ist wichtig, um zu einem präzisen Pass oder einem aussichtsreichen Abschluss zu kommen. „Anfangs war es eine große Umstellung, sich ohne Prothese zu zeigen“, blickt Dern zurück.

Sein Sport hat hierzulande noch keine große Tradition. Eine Bundesliga gibt es erst seit 2021, der HSV war von Anfang an dabei – erst in einer Spielgemeinschaft, inzwischen eigenständig. Am Samstag spielen Adalbert und Co. um 11.30 Uhr gegen Hoffenheim und zwei Stunden später gegen Mainz. Am Sonntag (12 Uhr) findet die letzte Partie gegen Uerdingen statt. Die Bundesliga besteht aus nur vier Vereinen, die je viermal gegeneinander antreten.

Andere Länder sind da weiter. Weltmeisterschaften im Amputiertenfußball werden schon seit 2007 ausgespielt, in Deutschland wurde gerade erst die Wettbewerbsfähigkeit verbessert: Seit dieser Saison wird mit sechs statt vier Feldspielern gekickt, zweimal 25 Minuten auf einem größeren Feld, das den internationalen Maßen (60 × 40 Meter) entspricht.

HSV und Deutschland verbessern die Bedingungen

„Du musst da nur lauter schreien, damit die Mitspieler dich verstehen“, schildert Torhüter Adalbert. Seinen linken Arm muss er im Spiel unter dem Trikot verbergen, damit er nur mit rechts Bälle parieren kann. Seinen Strafraum darf er nicht verlassen: „Deshalb sind präzise Zuspiele auf mich umso wichtiger.“

Dern lässt möglichst wenige Situationen vor dem HSV-Tor entstehen. Kraft in Armen und Brust ist wichtig, um auf einem Bein und mit zwei Krücken voranzukommen. „Man braucht Ausdauer und den Willen, sich durchzusetzen“, sagt er: „Angst vor Kontakten sollte man nicht haben.“

Während Adalbert zu den Bundesliga-Pionieren zählt und auch für die dritten Herren des Rahlstedter SC im Tor steht, war für Dern nach seinem Unfall „Fußball erst mal durch. Auch weil ich vom Amputiertenfußball gar nichts wusste.“

Selbst für Amputierte ist das Angebot kaum bekannt

Voriges Jahr schrieb er an HSV-Trainer Friedrich Stender, ob er vorbeischauen könne. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen und bin jetzt stolzer Teil dieser Mannschaft“, sagt Dern und vermutet, dass es vielen Menschen mit Amputation so gehe wie ihm: Sie würden Angebote wie Rollstuhl-Basketball kennen, aber nicht, dass man auch Fußball spielen kann. „Wir stehen noch im Hintergrund.“

Es gibt Aktionen, die die Sichtbarkeit erhöhen. Die Meister von Mainz 05 (2025 gewannen sie das Finale 3:1 gegen den HSV) wurden im Stadion der Profis gefeiert. Hamburgs Amputiertenfußballer zeigten sich auf dem Wintermarkt der HSV-Supporters. Wie beliebt ihr Verein ist, erfuhren sie im Mai in Mainz, als sie lautstark vom ortsansässigen HSV-Fanklub „Einstein-Dinos“ unterstützt wurden. Dass der ehemalige HSV-Torjäger Majed Sajid für Uerdingen gegen sein altes Team drei Tore schoss, konnten sie nicht verhindern.

Eine gute WM könnte zur weiteren Verbreitung des Sports beitragen. Adalbert hofft auf ein Torwart-Ticket, Stürmer Simon Dornblüth, der zwei der drei HSV-Saisontore erzielt hat, dürfte gesetzt sein. Doch zunächst wollen sie in der Bundesliga für Aufmerksamkeit sorgen.

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