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Formeseyn! – Die HSV-Kolumne: Abstieg hin oder (hier gehör ich) her!

Formeseyn1
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Florian Quandt/

Ich neige ja dazu, aus allem, was mit Fußball und mir zu tun hat, ein mittleres Drama zu machen. Meine Liebe zum HSV zu überhöhen. Das tue ich eigentlich immer schon. Scheidungskind eben. Die Familie zerbricht, die Seele leidet. Der Verein bleibt. Auch und vor allem erstklassig.

Und so waren all die Jahre Abstiegskampf immer auch geprägt von dieser Überhöhung der ewigen Bundesligazugehörigkeit und eine reine Projektion auf mein eigenes Leben. Und der Moment des Abstiegs irgendwie stets undenkbar. Nun ist es soweit. Und wissen Sie was, liebe Fans dieses kleinen Ratgebers „Keine Pyrotechnik für minderjährige Ultra-Schnösel“? Ich bin – zugegebenermaßen nach einem extremen Emo-Samstag – fast ein bisschen erleichtert. Der HSV ist abgestiegen. Und die Sonne scheint trotzdem. Und hey, sehen wir es mal so: Uns bleibt zumindest ein Jahr lang ein Gastspiel bei den Bayern erspart.

Wenn wir nicht wollen, müssen wir gar keine Bundesliga mehr gucken. Wie langweilig der Laden ohne uns ist, werden in ein paar Monaten noch so einige Spinner merken. Zumindest ein Jahr lang bleibt uns obendrein alles, was mit Werder zu tun hat, erspart. Leverkusen, Hoffenheim oder Leipzig im Europapokal? Hab ich da grad einen Sack Reis umfallen hören? Stattdessen besuchen wir unsere Kumpels in Bielefeld. Dürfen statt ins Olympiastadion mal in die Alte Försterei. Endlich mal wieder nach Bochum. Sitzen sonntagmittags in Heidenheim im örtlichen Biergarten. Und wie die Familie sich freut! Wenn der HSV mal nicht am Montagabend spielt, sind wir nach Heimspielen zumindest so rechtzeitig zu Hause, dass wir freitags noch ins Kino oder Konzert, samstags mit der Familie – nun ja – shoppen und sonntags Oma besuchen müss… äh… können.

Aber natürlich ist in Liga Zwo nicht alles Erdbeertorte-Futtern. Fragt nach in Stuttgart. Die haben in ihrer Zweitliga-saison zu Hause gegen Heidenheim und sogar in Dresden 0:5 verloren. Oder Nürnberg. Die sind jetzt aufgestiegen und mussten trotzdem erneut eine Derby-Klatsche gegen Fürth hinnehmen. Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Na, vielleicht ja darauf: So groß meine Naivitä… äh… mein Optimismus und meine Unverdrossenheit ist: Wir könnten durchaus wieder aufsteigen und trotzdem gegen Rübenklubs wie Sandhausen oder Pauli verlieren.

Ich sag das nur vorher. Ein blindes Huhn findet eben manchmal auch ein oder zwei Körner. Selbst in solch einem Fall muss man dann auch mal cool bleiben und Titz und Co. in Ruhe weiterarbeiten lassen. Doch ehrlich, seit einigen Wochen und speziell vergangenem Samstag ist mir vor der Zukunft nicht mehr bang. Und ich kann kaum in Worte fassen, wie glücklich ich bin, HSVer zu sein.

Was im Volksparkstadion nämlich geschah, nachdem die deutliche Wolfsburger Führung die Runde machte, ist mit „magisch“ nur unzutreffend beschrieben. Und nein, ich lass mir das nicht von hundert feigen, verzogenen Gören und ihren vorher leider absehbaren pubertären Krawallspielchen kaputt machen. Stattdessen Gänsehaut. Und das Beste dabei: Es war kein geklautes „You“ll never walk alone“ oder abgedroschenes „Hamburg, mein Perle“. Es war eine erstklassige Dino-Beerdigung und Neuanfang zugleich: „Mein Hamburg lieb ich sehr, sind die Zeiten auch oft schwer, weiß ich doch: Hier gehör ich her!“

Von den wunderbaren Abschlach. Aus der Kurve, für die Kurve. Aus zehntausenden Kehlen. Und kein Auge auf der Nordtribüne blieb trocken. Im Ernst: Ich kann den Text heute noch nicht zitieren, ohne dass mir die Tränen kommen. Wahnsinn. Wenn das nicht Fußball ist, was sonst?! Und vielleicht hat genau dieser Abstieg uns gefehlt und dazu beigetragen, uns ein für allemal zu zeigen, dass unsere Liebe zu diesen Farben, zu diesem Klub keiner Liga bedarf.

Dass es nicht um das bloße Resultat, sondern um Fußball, um das Miteinander von Mannschaft und Fans geht. Dass wir die Ultras, denen es nur um ihr selbstgefälliges Gehabe und nicht um den HSV geht, nicht brauchen. Dass man den HSV vielleicht aus der Bundesliga kriegt. Aber uns nicht klein. Niemals. Am 3. August geht’s wieder los. Da ist wieder Bundesli… äh… Start der Zweitligasaison. Ach, wie auch immer! Abstieg hin oder her! Meine Dauerkarten-Bestellung geht gleich heute raus!