Flucht im Sommer? Wie Ex-HSV-Keeper Raab mit seiner Reservistenrolle bei Union umgeht
Im vergangenen Sommer machte Matheo Raab beim HSV die Biege und zog weiter zu Union Berlin. 22 Pflichtspieleinsätze binnen drei Jahren waren dem Keeper zu wenig, in der Hauptstadt suchte er eine neue Chance, um Stammkeeper in der Bundesliga zu werden. Doch wie schon in Hamburg muss sich Raab auch bei Union gedulden. Wenn er am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) mit den Berlinern im Volkspark antritt, hat sich im Vergleich zu seiner HSV-Vergangenheit nur die Bank verändert, auf der er Platz nehmen wird.
Für Raab keine leichte, aber gewohnte Situation. In Hamburg lernte er, was es bedeutet, auf seine Chance warten zu müssen. Im Sommer 2022 war der gebürtige Hesse als Aufstiegsheld aus Kaiserslautern gekommen, nachdem er den FCK mit starken Paraden in der Relegation gegen Dresden (0:0/2:0) in die zweite Liga geführt hatte. Beim HSV aber stand Raab in aller Regel im Schatten von Daniel Heuer Fernandes, bis es im Februar 2024 zum Wachwechsel im Tor kam. Den Status der Nummer eins aber verlor Raab wieder, als er zum Start der neuen Saison unter einer Lungenentzündung litt, eineinhalb Monate pausieren musste und Heuer Fernandes zeitgleich überzeugte. Später zog sich Raab auch noch einen Handbruch zu. Für ihn persönlich eine Seuchen-Saison, trotz des Aufstiegs.
Ex-HSV-Trainer Baumgart lockte ihn im Sommer zu Union
Im Sommer dann lockte Ex-HSV-Trainer Steffen Baumgart Raab zu Union. Ein Neustart mit einer klaren Rollenverteilung: Hinter Frederik Rønnow war und ist Raab als Nummer zwei eingeplant. Eine Aufgabe, die er zur Zufriedenheit der Verantwortlichen erfüllt, die aber auch dazu führt, dass der Schlussmann weiterhin wenig bis gar nicht spielt. Nur in einem Pflichtspiel durfte er für den Ost-Berliner Klub ran (40 Minuten lang im DFB-Pokal), ansonsten bleiben ihm nur Testspiele, um sich auszuzeichnen.
Dazu kommt: Der hochangesehene Rønnow verlängerte seinen Vertrag im Herbst langfristig und bleibt Union noch mehrere Jahre erhalten. Wie lange behält Raab die Geduld?

In der Torwart-Szene wird längst getuschelt, Raab müsse allmählich endlich mal regelmäßig spielen, um sein Potenzial wirklich ausschöpfen und sich weiterentwickeln zu können. Zwar ist er mit 27 Jahren für einen Keeper immer noch recht jung. Doch auch für Keeper gilt: Nichts geht über Spielpraxis. Bleibt Raab ob seiner Perspektive letztlich nur die Möglichkeit eines weiteren Vereinswechsels?
Ex-HSV-Keeper Raab fühlt sich in Berlin sehr wohl
Nach MOPO-Informationen befasst sich Raab derzeit noch nicht mit diesen Gedanken. Privat fühlen er und seine Frau sich in Berlin pudelwohl, zudem wusste er um seine Rolle, die bei Union für ihn vorgesehen war. Aus seinem Umfeld heißt es: Beim HSV, wo er plötzlich an Heuer Fernandes vorbeizog, habe man ja gesehen, wie schnell es manchmal gehen könne. Dennoch: Sollten sich im Sommer reizvolle Optionen ergeben, wäre der Keeper wohl gesprächsbereit.
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Vorerst aber kehrt er in der Rolle nach Hamburg zurück, die er schon vom HSV kannte. Raab ist auch bei Union der Kronprinz, ohne größere Aussicht, den Keeper-Thron in absehbarer Zeit besteigen zu können.

Immerhin: Einen Heldentag erlebte Raab einst beim HSV. Im Oktober 2023 wurde er im DFB-Pokal auf der Bielefelder Alm zum entscheidenden Mann und entnervte die Schützen der Arminen, die gleich zweimal versemmelten. Bis heute einer der schönsten Tage in Raabs Keeper-Karriere.
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