Nicolás Capaldo kriegt von Martin Petersen die Gelbe Karte

Meckerei nach seinem Fehler vor dem 0:3: HSV-Profi Nicolás Capaldo (2.v.r.) sah auch noch die Gelbe Karte. Foto: WITTERS

Heuer Fernandes, Läufe – Kämpfer? Die bedenklichen Zahlen zur HSV-Pleite

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Yussuf Poulsen fasste die HSV-Leistung bei der 1:4-Pleite in Hoffenheim gleich mit seinem ersten Satz treffend zusammen: „Heute waren wir insgesamt die schlechtere Mannschaft in vielen Bereichen.“ Die Statistiken zum Spiel untermauern das. Es gibt zwar auch gute Zahlen und solche, die auswärts bei einem starken Gegner zu erwarten waren. Zugleich sind einige Individualwerte überraschend schwach. Es geht um mehrere Hamburger.

Als Daniel Heuer Fernandes den Ball während der ersten Hälfte zweimal binnen weniger Minuten hoch ins Seitenaus passte, war das zum Stirnrunzeln. Nicht, weil diese Abspielfehler unmittelbar Großchancen für Hoffenheim zur Folge hatten – sondern, weil man die kleinen fußballerischen Defizite, die der HSV-Keeper da offenbarte, eigentlich nicht von ihm kennt. Laut „Opta“ lag Heuer Fernandes’ Erfolgsquote bei Pässen nach 90 Minuten bei 69 Prozent – das ist unter seinem Saisondurchschnitt von 77,1 Prozent. Und berücksichtigt man lediglich die in dieser Spielzeit bislang sieben Auswärtspartien, war es ein klarer Minuswert (zuvor 74 Prozent in Mönchengladbach am ersten Spieltag).

TSG brachte HSV-Torwart Heuer Fernandes in Bedrängnis

Bei Heimspielen hat Heuer Fernandes in der Regel eine vergleichsweise schwächere Passquote, weil die Gegner im Volkspark eher auf intensives Pressing setzen und dem HSV den Ball überlassen. Beim 4:0 gegen Mainz schaffte der Deutsch-Portugiese am sechsten Spieltag zum Beispiel nur 51 Prozent angekommene Pässe. In Hoffenheim nun sprach die Statistik eine nicht ganz so deutliche Sprache, dennoch brachte das effektive Anlaufen der TSG-Profis Heuer Fernandes mehrfach in die Bredouille. „Wir haben gegen die wahrscheinlich intensivste Mannschaft der Bundesliga gespielt, die es einem mit ihrem Pressing extrem unangenehm macht“, sagte auch Coach Merlin Polzin.

Miro Muheim (l.) und Daniel Heuer Fernandes traten in Sinsheim frustriert vor die HSV-Fans. imago images/Eibner
Miro Muheim und Daniel Heuer Fernandes stehen enttäuscht vor den Fans
Miro Muheim (l.) und Daniel Heuer Fernandes traten in Sinsheim frustriert vor die HSV-Fans.

Die Hoffenheimer hatten es offenbar auf den HSV-Torhüter abgesehen. Der 32-Jährige musste im Spielaufbau viel Druck aushalten, er hielt diesem aber nicht immer stand und agierte mit dem Ball am Fuß auch in der zweiten Hälfte teilweise unglücklich. Er brachte zum Beispiel Nicolás Capaldo mit einem ungenauen Zuspiel in Bedrängnis (54.).

Der Alleinschuldige an der deutlichen Auswärtspleite ist Heuer Fernandes freilich nicht, dafür leisteten sich zu viele Hamburger kapitale Aussetzer. Miro Muheim etwa sah bei den ersten drei Gegentoren nicht gut aus. Und auch zwei Verteidiger, die normalerweise mit ihrem Kampfgeist auftrumpfen und von ihrer Mentalität leben, fielen stärker ab.

HSV-Duo Capaldo und Gocholeishvili fällt in Hoffenheim ab

Den „Opta“-Daten zufolge gewannen Nicolás Capaldo (46 Prozent) und Giorgi Gocholeishvili (43 Prozent) nicht einmal die Hälfte ihrer bestrittenen Zweikämpfe. Gocholeishvili, der für Bakery Jatta in die Startelf zurückgekehrt war, hatte nach 45 Minuten Feierabend. Capaldo, der schon gegen Bremen das 0:1 verursacht hatte, sah jetzt in Hoffenheim beim dritten (kein Foul von Tim Lemperle) und vierten Gegentreffer (missglückte Grätsche) schlecht aus. Das 0:4 hatte Luka Vuskovic durch seinen fahrlässigen Ballverlust in der eigenen Spielhälfte erst ermöglicht.

HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer (l., hier im Duell mit Hoffenheims Ozan Kabak) sollte bei Kontern für Gefahr sorgen. WITTERS
HSV-Profi Ransford Königsdörffer im Duell mit Hoffenheims Ozan Kabak
HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer (l., hier im Duell mit Hoffenheims Ozan Kabak) sollte bei Kontern für Gefahr sorgen.

Ansonsten war der 18-Jährige mit jeweils 100 Prozent gewonnener Duelle in der Luft und am Boden erneut der Fels in der Brandung. Und es gab auch andere Werte, die in Ordnung waren: Der HSV entschied laut den offiziellen Bundesliga-Daten insgesamt sogar mehr Zweikämpfe für sich (100) als Hoffenheim (83). Bei den x-Goals hieß es nicht 4:1 für die TSG, sondern „nur“ 2,07 zu 1,22. Deshalb lag Poulsen im Recht, als er nach dem Abpfiff sagte: „Hoffenheim hatte nicht so viele Chancen, aber die waren zu groß. Und wir haben sie nicht geschickt verteidigt.“

HSV mit klar schwächerer Laufdistanz: „Am Ende zu wenig“

Dass die TSG dem HSV in puncto Laufstärke weit voraus ist, war bereits vorher bekannt. Die Mannschaft von Christian Ilzer, die bei der Laufdistanz, bei den Sprints und bei den intensiven Läufen jeweils Bundesliga-Spitze ist, untermauerte dies am Samstag: Hoffenheim lief mehr als zehn Kilometer mehr als die tief stehenden Gäste (123,74 zu 112,78 Kilometer). Das war teilweise Polzins Matchplan geschuldet, auf Konter über Fabio Baldé und Ransford Königsdörffer zu setzen. Dennoch hätte ein höheres Laufpensum dem HSV in der Pre-Zero-Arena nicht geschadet.

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„Wir hatten viele schnelle Ballverluste – und am Ende war es einfach zu wenig“, haderte Muheim. Und Heuer Fernandes sagte: „Wir wussten, dass Hoffenheim die Zwischenräume viel bespielen will, wir haben es aber nicht geschafft, da kompakt gegenzuhalten. Der Gegner war dann auch eiskalt.“ Der Keeper bat am Sky-Mikro um einen milden Umgang mit dem Rückschlag: „Wir sind ein Aufsteiger und die letzten Wochen waren überragend. Es gehört dazu, dass solche Spiele gegen einen so starken Gegner in einer Saison passieren. Das müssen wir annehmen, akzeptieren für heute und nächste Woche besser machen.“ Gegen Frankfurt müssen die Zahlen wieder besser sein.

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