„Es ist kein Zufall“: Das steckt hinter der erstaunlichen HSV-Qualität
Erst das 1:1 durch Ransford Königsdörffer in der 97. Minute gegen Dortmund, dann das 2:1 durch Fábio Vieira in der 94. Minute gegen Stuttgart, schließlich das 3:2 durch Yussuf Poulsen in der 84. Minute gegen Bremen. In der emotionalen Bedeutung toppte ein spätes Tor im Volkspark zuletzt das vorherige. Und spätestens seit dem Sieg im Nordderby ist ein Qualitätsmuster erkennbar. Zumal die HSV-Profis immer an derselben Stelle jubeln.
„Da ist irgendwas in der Luft da hinten“, witzelte Poulsen am Sonntag und meinte: die Ecke zwischen der Ost- und der Nordtribüne des Volksparkstadions. Wie schon 22 (gegen den BVB) und sieben (gegen den VfB) Tage zuvor bildete sich genau dort auch gegen Werder eine große Jubeltraube. Die entsprechenden Fotos sind zur Gewohnheit geworden – mit dem Unterschied, dass zuletzt immer ein anderer HSV-Torschütze im Mittelpunkt der Feierei stand.
„Hat mit Glauben zu tun“: HSV traf auch gegen Werder spät
Im Derby musste der Kopf von Poulsen einige liebgemeinte Klapse aushalten, nachdem der Däne zuvor das letztlich entscheidende 3:2 erzielt hatte. Beachtlich: Poulsen knipste wie schon Königsdörffer und Vieira als eingewechselter Joker in der Schlussphase, und die Auswirkungen ähnelten sich stets: Gefühlsexplosionen unter den HSV-Fans im ausverkauften Stadion. „Es hat ganz viel mit dem Glauben zu tun, dass man diese Momente erzwingen kann“, erklärt Merlin Polzin die neue Qualität seiner Mannschaft. „Es sind nicht immer nur die Offensivspieler, die dafür sorgen, dass diese Tore fallen, sondern es fängt an beim Torwart, geht über die Abwehr und das Mittelfeld bis nach vorne.“

Polzin hat recht: Gegen Stuttgart antizipierte Defensiv-Allrounder Nicolás Capaldo perfekt, ehe Fabio Baldé über den halben Platz sprintete und zum Vorlagengeber wurde. Gegen Dortmund und jetzt auch Werder bereitete jeweils Linksverteidiger Miro Muheim den Siegtreffer vor. Aber der HSV-Chefcoach beschreibt ohne Verweis auf einzelne Namen, was hinter der neuen Stärke steckt. Es gehe darum, den eigenen Glauben zu kombinieren „mit der Art und Weise, wie wir die Spiele beenden wollen, um erfolgreich zu sein“. Polzin stellt klar: „Es ist kein Zufall, dass wir in der Schlussviertelstunde auf eine gewisse Art spielen. Diese Dinge erarbeiten wir mit der Mannschaft. Umso schöner ist es, wenn es auf die Nordtribüne zugeht und man sieht, dass wir zu jeder Sekunde des Spiels zuschlagen können.“
Mentale Stärke: Der HSV beweist Comeback-Qualitäten
Ein Beleg dafür, dass der HSV als Tabellen-13. in der Bundesliga angekommen ist und längst konkurrenzfähig auftritt, ist, dass es in den meisten Saisonpartien bis zum Abpfiff spannend war – auch bei den Niederlagen etwa in Leipzig (1:2), gegen Wolfsburg (0:1) und in Augsburg (0:1), wobei der Sieg für den FCA vollkommen in Ordnung ging. Theoretisch hätte der HSV aber in all diesen Partien mit nur einem Tor mehr etwas Zählbares einheimsen können.
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Polzin weiß das. Und er betont deshalb: „Es ist wichtig, diesen Glauben zu haben, weil unsere Spiele in den meisten Fällen am Ende sehr eng sind.“ Der Trainer beobachtet eine Comeback-Mentalität sowie eine Gewinner-Haltung in seinem Team. Gegen Bremen, als der HSV unmittelbar vor der Pause plötzlich mit 0:1 zurücklag und sich später auch von dem 2:2-Ausgleichstreffer erholte, führten diese Eigenschaften erneut spät zum dreifachen Punktgewinn.
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