Es gibt eine Hürde: Zieht HSV-Profi Pherai seine Flucht-Klausel?
Knapp zwei Jahre ist es her, da hatte Immanuel Pherai die Qual der Wahl. Zwei unterschriftsreife Angebote lagen dem so hochbegabten Mittelfeldmann vor, neben dem des HSV auch das von Schalke 04. Pherai, der damals in Braunschweig begeisterte, entschied sich im Sommer 2023 für Hamburg – und steht nun erneut vor wegweisenden Monaten. Ausgerechnet mit der Partie gegen den damaligen Mitbewerber beginnt für den 23-Jährigen die heiße Phase, in der sich entscheiden dürfte, ob im kommenden Sommer erneut ein Wechsel ins Haus stehen könnte.
Die HSV-Fans haben Pherai längst in ihr Herz geschlossen. Wenn die Profs nach jedem Training vom Anhang um Selfies gebeten werden, zählen die Schnappschüsse mit Pherai stets zu den begehrtesten. Das verwundert nicht, denn der gebürtige Niederländer, der für Suriname spielt, gehört zur Gattung der spektakulären Kicker, die das Publikum an guten Tagen von den Sitzen reißen können. Das Problem ist nur: Diese Tage kamen in den vergangenen beiden Jahren deutlich seltener vor, als es sich Pherai und auch der HSV gewünscht hätten.
Immanuel Pherai konnte beim HSV noch nicht überzeugen
Die Zahlen sprechen Bände. In 47 Pflichtspielen, die Pherai seit seinem Wechsel zum HSV bestritt, kam er auf sechs Treffer und sieben Assists (in dieser Saison in 15 Partien nur eine Vorlage). Zum Vergleich: In Braunschweig, wo sein Stern in der Serie 2022/23 aufging, gelangen Pherai in nur 29 Partien zehn Treffer und sieben Vorlagen. So etwas erhofften sie sich auch beim HSV.
Dass daraus bislang nichts wurde, hat mehrere Gründe. Taktische Unbedarftheit zum Start, das Nicht-Verhältnis zu Ex-Trainer Steffen Baumgart, mehrere Verletzungen und nicht zuletzt die Reisen zu Surinames Nationalteam, die Pherai – bei allen verständlichen Gefühlen der Ehre – immer wieder aus dem HSV-Rhythmus reißen. Umso mehr könnte sich in wenigen Wochen die Frage stellen: Quo vadis, Pherai?
Dass der Profi mit seiner Rolle in Hamburg unzufrieden ist, hat sich in der Branche längst herumgesprochen. Dazu kommt, dass Pherai wie schon in der Vorsaison eine Klausel in seinem Vertrag besitzt, die es ihm erlaubt, den HSV trotz seines bis 2027 laufenden Kontraktes bereits diesen Sommer zu verlassen. Ein Passus, auf den Pherais Berater Jan Van Baal größten Wert legte, als der Super-Techniker vor zwei Jahren zum HSV wechselte. Ansonsten hätte Schalke den Zuschlag erhalten.
In seinem HSV-Vertrag hat Pherai eine Flucht-Klausel
Zieht Pherai seine Flucht-Klausel? Das wird sich in den kommenden Wochen entscheiden und davon abhängen, inwiefern er im Saison-Endspurt seine Einsatzzeiten steigern kann. Klar ist aber auch: Selbst wenn der Profi auf einen Wechsel spekulieren würde, wäre das kein Selbstgänger. Nach MOPO-Informationen liegt die im Kontrakt verankerte Ablöse jenseits der Fünf-Millionen-Euro-Grenze. Ein hoher Betrag, an dem in den Vorjahren beispielsweise auch schon der Wechsel von Ludovit Reis gescheitert war. Pherais Landsmann wäre im Sommer 2023 und auch vor dieser Saison gern in die Bundesliga gewechselt, die im Vertrag fixierte Ablöse von rund sieben Millionen Euro schreckte aber alle Interessenten ab.
Bei Pherai ist die Nummer noch etwas kniffliger. So wäre die Ablöse beim sich abzeichnenden Aufstieg höher als bei einem Zweitliga-Verbleib. Zudem muss sich Pherai spätestens bis Ende Juni entscheiden, ob er die Klausel ziehen möchte.
HSV erhofft sich im Saison-Endspurt mehr von Pherai
Offen ist bislang auch, wie der HSV die Personalie beurteilt. Die sportliche Leitung erhofft sich in den entscheidenden Saisonwochen eine deutliche Leistungssteigerung von Pherai. Trainer Merlin Polzin fand erst in der Vorwoche lobende Worte, stellte aber in Bezug auf mehr Einsatzzeit auch klar: „Wir sind große Fans von ihm, aber es muss natürlich auch etwas kommen. Er muss sich das über die Trainingsleistung verdienen und kann es dann hoffentlich bald wieder im Stadion zeigen.“
Grundsätzlich gilt für Pherai wie auch für alle anderen Profis: Erst wenn der HSV weiß, in welcher Liga er ab Sommer spielt, wollen Polzin und sein Assistent Loic Favé mit Sportvorstand Stefan Kuntz und Sportdirektor Claus Costa die Kaderplanung festzurren. Wen sehen die Bosse als wichtige Stütze für die Zukunft? Wem wird im Aufstiegsfall die Bundesliga definitiv zugetraut? Und welchen Profis soll (trotz bestehender Verträge) eine Luftveränderung ans Herz gelegt werden? Ein Chef-Gipfel, der unmittelbar nach Feststehen der Liga-Zugehörigkeit stattfinden soll.
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Dann wird auch der Name Pherai diskutiert werden. Noch hoffen sie im Volkspark, dass der Nationalspieler, der im Sommer mit Suriname am Gold Cup in den USA und Kanada teilnehmen wird, bis dahin zeigt, was wirklich in ihm steckt – damit sich alle Wechselgedanken beidseitig erledigen. Kommt es anders, könnte der HSV Pherai aktiv auf dem Markt anbieten – zu einem deutlich günstigeren Preis, als er einst fixiert wurde.