Es geht um den überraschenden HSV-Chef: Polzin ordnet DFB-Idee ein
Obwohl langjährige HSV-Profis wie Robert Glatzel und Bakery Jatta ebenfalls in der Startelf standen, trug er im Testspiel gegen den FC Groningen die Kapitänsbinde. Und Nicolai Remberg bewies dann auch mit Ansagen, dass er der Chef auf dem Platz ist. „Wir können kicken“, rief er etwa zu Nachwuchskeeper Fernando Dickes, der den Ball in einer Szene wegschlug, statt den mutigen Pass zu wählen, den Remberg präferiert hätte. Nach nunmehr zehn Bundesliga-Spieltagen ist klar: Der Ex-Kieler ist ein Transfer-Volltreffer für den HSV. Das sieht auch Merlin Polzin so und ließ sich kürzlich eine interessante DFB-Aussage entlocken. Die ordnete er nun ein.
„So eine Antwort entsteht dann eher auf so einer Podcast-HSV-Bühne“, sagte Polzin am Montag und bezog sich damit auf die Worte, die er in der Vorwoche bei der Live-Aufnahme von „HSV – meine Frau“ im Schauspielhaus gewählt hatte. Da wurde Polzin nämlich auf mögliche WM-Teilnehmer aus seinem Kader angesprochen. Und vor den vielen HSV-Fans, die das Event live verfolgten und die viele Aussagen Polzins mit Applaus und Gelächter quittierten, antwortete er unter anderem: „Wenn Rambo so weiterperformt …“ Dann sollte Remberg eine DFB-Chance kriegen?
Remberg in die Nationalelf? HSV-Trainer kennt Konkurrenz
Am Montag ordnete Polzin seine Aussagen ein. „Wir sind auf der Position in Deutschland unfassbar gut besetzt“, sagte der 35-Jährige am Nachmittag – und dürfte sich wenige Stunden später bestätigt gefühlt haben. Denn am Abend fegte die deutsche Nationalelf mit 6:0 über die Slowakei hinweg, angeführt von den starken zentralen Mittelfeldspielern Leon Goretzka, Aleksandar Pavlović und Felix Nmecha. Ganz zu schweigen von Joshua Kimmich, der rechts defensiv spielte, aber bei den Bayern auch auf der Sechs zu Hause ist. Nadiem Amiri musste die DFB-Reise verletzt absagen. Und dann ist da noch Stuttgarts Angelo Stiller, der diesmal keine Einladung erhalten hatte.

Polzin weiß jedenfalls: Im deutschen Mittelfeld gibt es kein Qualitätsproblem, alles andere als das. Und deshalb bleibt auch eine Nominierung des 25-jährigen Remberg vom Abstiegskandidaten HSV (vorerst) unwahrscheinlich. Es sei auch nicht so, dass er mit Bundestrainer Julian Nagelsmann „über seine Kandidaten sprechen würde“, sagte Polzin. Und zum Remberg-Thema: „Wir können das schon einordnen, dass wir Aufsteiger sind und Rambo von der Qualität her noch einige Schritte gehen muss, um da mitzuhalten mit den Spielern.“ Mit den gesetzten DFB-Stars.
Vieira? Polzin sucht richtiges HSV-Mittelfeld für Augsburg
Auch wenn er sich natürlich über einen deutschen Nationalspieler aus den Reihen des HSV freuen würde: Polzin fordert keine Berufung von Remberg. Seine Aussage im Podcast entstand schlicht im Eifer des Gefechts, beeinflusst durch die Stimmung vor Ort. Die DFB-Idee mit Remberg ausgesprochen zu haben, bereut der Coach jedoch nicht.
„Es ist ja auch meine Aufgabe, mich für meinen Spieler einzusetzen“, meint Polzin und lobt: „Rambo hat sicherlich etwas, was uns sehr gut tut und was so nicht so häufig zu finden ist.“ Eine absolute Robustheit nämlich, gepaart mit Leaderqualitäten und technischen Skills. Diese Eigenschaften machen ihn zu einem unumstrittenen Anführer beim HSV, womit vor der Saison nicht unbedingt zu rechnen war. Doch der überraschende Chef gilt längst als gesetzt.

Auch am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) in Augsburg wird Remberg in der HSV-Startelf erwartet. Die offene Frage ist nur, wer neben ihm aufläuft. Fábio Vieira kehrt nach seiner Gelb-Rot-Sperre aus dem Köln-Spiel (1:4) in den Kader zurück, muss aber Albert Sambi Lokonga verdrängen. Und es war der Belgier, der am Dienstag, bei der letzten öffentlichen Trainingseinheit der Woche, ein Mittelfeldtandem mit Remberg bildete. Dieses Pärchen harmonierte schon beim Remis gegen den BVB (1:1) sehr gut. Sitzt Arsenal-Leihgabe Vieira, der an der Seite von Immanuel Pherai trainierte, am Wochenende also erst einmal auf der HSV-Bank? Das ist laut Polzin noch offen.
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„Was Fábio sportlich mitbringt, ist unfassbar. Ob das beim Testspiel war oder in jedem einzelnen Training: Du siehst, was für eine Qualität er hat“, findet der Trainer. „Gleichzeitig geht es für mich trotzdem darum, die beste Mannschaft zu finden, um am Ende ein gutes Ergebnis sicherzustellen.“ Um das zu erreichen, könnte Vieira in Augsburg auch als wichtiger Joker ins Spiel kommen. Oder Polzin bietet den Portugiesen auf einer anderen Position auf, wie beim 0:5 in München, als Vieira als halber Rechtsaußen agierte. Das ist zwar unwahrscheinlich, Polzin sagt aber: „Dazu sind unsere Gedanken noch nicht abgeschlossen.“ Bei Stammkraft Remberg indes ist die Entscheidung längst gefallen.
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