„Er tut mir leid“: Warum HSV-Pechvogel Soumahoro zum Elfmeter antrat
Rayan Philippe verwandelte den ersten HSV-Elfmeter souverän, Fábio Viera den zweiten mit etwas Glück, weil Kiels Torhüter Timon Weiner mit den Händen am Ball war. Danach aber trafen die Gastgeber nicht mehr. Und der vorgesehene fünfte Schütze auf Hamburger Seite trat gar nicht mehr an, weil zuvor Miro Muheim sowie Aboubaka Soumahoro verschossen und Holstein-Held Phili Harres den entscheidenden Elfer verwandelt hatte. Die HSV-Profis trauerten nach dem DFB-Pokal-Aus (2:4 i.E.) – und Soumahoro war der größte tragische Held.
Kiel-Keeper Weiner verspürte sogar Mitleid. „Das ist ein junger Spieler“, sagte der 26-Jährige über Soumahoro, dessen harmlosen Elfmeter er problemlos festhalten konnte. Offensichtlich wollte der Franzose seinen Gegenspieler ausgucken, er verzögerte beim Anlauf – scheiterte aber kläglich. „Ich weiß nicht, ob es so glücklich war, den da hinzustellen“, urteilte Weiner, neben Harres der wohl größte Holstein-Matchwinner. „Er tut mir ein bisschen leid.“
Soumahoro kam zu seiner HSV-Premiere im Volkspark
Warum trat Soumahoro bei seiner Pflichtspielpremiere im Volksparkstadion überhaupt an? Der 20-Jährige hatte überhaupt erst eine Bundesligapartie für den HSV bestritten, beim 0:5 in München über 45 Minuten. Seit dieser Blamage beim FC Bayern war Soumahoro nicht mehr für die Profis zum Einsatz gekommen – bis Mittwochabend. Da brachte Merlin Polzin ihn in der Verlängerung für Jordan Torunarigha, den Krämpfe plagten. Schuld am Gegentreffer zum 1:1 war Soumahoro nicht, sondern da vertändelte der erfahrenere Guilherme Ramos den Ball, sodass Harres die Kieler per direktem Traumfreistoß jubeln ließ. Aber der folgende Fehlschuss vom Punkt hinterließ Fragezeichen.

Es ist nicht klar, wer der fünfte Schütze des HSV gewesen wäre – womöglich der erst 18-Jährige Luka Vuskovic, der allerdings schon deutlich abgeklärter auftritt als Soumahoro. Zum Zeitpunkt des Abpfiffs der Verlängerung standen neben Vuskovic jedenfalls auch Spieler wie Jean-Luc Dompé, Jonas Meffert, Emir Sahiti oder Ramos auf dem Platz. Zumindest vier von ihnen preschten bei der Wahl der Elfmeterschützen offenbar nicht vor – anders als Soumahoro.
Nicolai Remberg: „Abou hat einen überragenden Elfmeter“
„Abou hat einen überragenden Elfmeter“, sagte der in der zweiten Hälfte ausgewechselte Nicolai Remberg und berichtete, dass die HSV-Profis nach dem Training gelegentlich üben. Deshalb wunderte er sich über Soumahoros Versuch im Achtelfinale: „So hat er eigentlich sonst nie geschossen. Sonst hat er ihn immer gnadenlos reingeknallt und deswegen war ich mir, als er angelaufen ist, auch sicher: Er macht ihn.“ Es kam anders. Remberg mutmaßte: „Er spielt in den letzten Wochen wenig, vielleicht fehlt ihm ein bisschen das Selbstvertrauen, aber ich finde es gut, dass er sich den Ball genommen hat – weil das zeigt, dass er will und dass er das nötige Selbstvertrauen auch braucht.“
Muheim, der es bei seinem Lattenkracher laut Remberg „vielleicht zu perfekt“ machen wollte, haderte ebenfalls. „Ich hätte ihn gerne reingemacht, das hat heute leider nicht geklappt“, sagte der Schweizer und erzählte, dass es im Teamkreis vor dem Elfmeterschießen keine lange Debatte um die Schützen gegeben habe. Demnach sei „ziemlich schnell“ klar gewesen, wer schieße: „Es waren viele, die sich gemeldet haben. Das zeigt auch, dass die Mannschaft viel Mut hat und jeder Verantwortung übernehmen will.“ Auch Youngster Soumahoro tat dies – zog nach seinem unglücklichen Versuch aber das Trikot über sein Gesicht. Den anschließenden Matchball nutzte Harres eiskalt.
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Polzin kritisierte die Leistung seiner Mannschaft nach dem Ausscheiden, wollte sich auf die Diskussionen um den Schützen Soumahoro, der ganz sicher nicht gezwungen wurde, jedoch nicht einlassen. „Abou ist nicht der erste Spieler der Fußballgeschichte, der einen Elfmeter vergibt“, merkte der HSV-Coach an. „Ich werde jetzt sicherlich nicht auf einzelne Spieler draufgehen, die in der Situation Verantwortung übernehmen und der Mannschaft helfen wollen.“ Auch Polzin erzählte: „Abou schießt im Training viele Elfmeter und die Jungs haben sich gut vorbereitet. In dem Moment hat es leider nicht funktioniert.“ Zum Leidwesen des ganzen HSV, dem 1,7 Millionen Euro flöten gingen. Soumahoro kam mit dem Druck nicht klar – wurde aber noch auf dem Rasen von allen Mitspielern sofort aufgebaut.
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