Er hat es schon geschafft: Experte erklärt, wie der HSV wieder groß werden kann
Mit dem 1. FC Kaiserlautern und dem HSV treffen an diesem Samstag zwei der erfolgreichsten Traditionsvereine im deutschen Fußball aufeinander. Zusammen haben die beiden Bundesliga-Gründungsmitglieder unter anderem zehn Meisterschaften und fünf DFB-Pokal-Siege in ihrer Vita stehen. Das Problem: Die ruhmreichen Zeiten liegen schon länger zurück. Wie schafft es ein Traditionsverein aus der Zweiten Liga wieder nach oben und kommt zu neuem Glanz?
Vom einstigen Chaos-Klub, der viermal in die 2. Liga abstieg und sogar um die Lizenz zittern musste, hat sich Eintracht Frankfurt wieder zu einem Aushängeschild im deutschen Fußball entwickelt. Der Höhepunkt: der Triumph in der Europa League 2022. Dazu gab es Transfer-Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich. Die Mitgliederzahl ist von knapp 5000 zu Beginn des Jahrtausends auf über 140.000 gestiegen. Alles hautnah begleitet hat Peter Fischer. Knapp 25 Jahre war er als Präsident und Aufsichtsratsmitglied bei der Eintracht tätig.
Ex-Frankfurt-Präsident Fischer sieht viel Potenzial im HSV
Ist auch beim HSV so eine Entwicklung wie in Frankfurt möglich? „Die Grundstruktur, aus diesem Verein einen etablierten, guten und angesehenen Bundesligisten zu machen, gibt es nirgends so gut wie beim Hamburger Sportverein“, sagt Fischer im Gespräch mit der MOPO. Bei vielen Punkten wie der DNA des Klubs, der Stadt, dem Stadion und der Unterstützung der Fans gerät der 68-Jährige bei seinem Blick auf den HSV ins Schwärmen. Dass die Hamburger auf der anderen Seite bereits im siebten Jahr in Folge nur in der Zweiten Liga spielen, bezeichnet er als „unwürdig“. Wie lässt sich das ändern?
„Die Basis, das habe ich nicht nur bei Eintracht Frankfurt gelernt und erlebt, ist Kontinuität“, betont Fischer, der damit vor allem die Vorstandsbesetzung mit den Bereichen Sport und Finanzen meint. „Außerdem braucht man einen Aufsichtsrat, der nicht aus Selbstdarstellern besteht. Da müssen Menschen sitzen, für die der Verein über allem steht. Leider gibt es immer wieder viele Leute, die das überhaupt nicht verinnerlichen. Es wird Politik gemacht, es bilden sich Gruppen, hinter dem Rücken werden Transfers oder Trainer-Entscheidungen kritisiert. Damit schaffst du es nie, eine Einheit oder ein Wir-Gefühl herzustellen.“
Peter Fischer fordert mehr Kontinuität vom HSV
Für den langfristigen Erfolg ist genau das für Fischer allerdings entscheidend, ansonsten wird es immer wieder Unruhe und damit letztlich auch keine Kontinuität geben. Es benötige „ein Fußballdenken über eine Saison hinaus. Man braucht einen klaren Plan, wie man sich und die Mannschaft entwickeln will und für welchen Fußball der HSV stehen soll. Da darf nicht immer nur von Saison zu Saison geguckt werden.“ Auch die noch stärkere Integration des eigenen Nachwuchses sollte eine größere Rolle spielen. Gerade für eine Zweitligisten mit überschaubaren finanziellen Möglichkeiten.
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In einigen Bereichen war der HSV in den vergangenen Jahren bereits auf einem guten Weg. Das gilt vor allem für die Kontinuität im Vorstand. Warum es mit Jonas Boldt an der Spitze dann trotzdem nicht mal für die Rückkehr in die Bundesliga geklappt hat, ist auch für Fischer nur schwer nachvollziehbar. Womöglich war am Ende der nicht wirklich einheitliche Kurs im Aufsichtsrat mit teilweise geheimen Abstimmungen ein entscheidender Störfaktor. Für Fischer ist gerade in diesem Gremium Zusammenhalt und Vertrauen wichtig, auch wenn es zwischenzeitlich im sportlichen Bereich mal nicht optimal läuft. „Ich sage immer, die Erkältung kommt und sie geht. So einen ähnlichen Rhythmus gibt es auch beim Aufbau einer Fußballmannschaft. Am Ende ist es immer eine bestimmte Zeit, die dafür benötigt wird und die kannst du nicht überspringen.“