Ein Punkt, aber viele kritische Töne: HSV hadert nach 1:1 gegen Köln mit sich selbst
Sie nehmen jedes Pünktchen mit, um sich den Klassenerhalt zu sichern – darauf bezogen ist der HSV nach dem 1:1 (1:1) gegen den 1.FC Köln einen weiteren, kleinen Schritt weiter. Und dennoch: Nach dem Abpfiff überwogen eher die kritischen Stimmen. Weil die Hamburger eine große Chance liegen ließen, einen noch viel gewaltigeren Sprung in Richtung Rettung zu setzen und zum wiederholten Male in den vergangenen Wochen die Galligkeit vermissen ließen, die sie schon so oft in dieser Saison auszeichnete.
Mit in die Hüften gestemmten Händen nahmen die meisten HSV-Profis die Punkteteilung nach dem Abpfiff hin, immerhin ein Zähler. Das Beste an dem Resultat: Der HSV liegt weiterhin neun Punkte vor den direkten Abstiegsrängen und nun bereits sechs vor St. Pauli und dem Relegationsplatz, hielt zudem Verfolger Köln auf Distanz. Die Art und Weise, wie das Remis zustande kam, störte allerdings.
Die HSV-Profis gingen kritisch mit ihrer Leistung gegen Köln um
„Das war sicher nicht unsere beste Leistung“, resümierte Keeper Daniel Heuer Fernandes und erhielt Unterstützung von seinem Teamkollegen Miro Muheim. „Gegen und mit dem Ball war das ein bisschen zu wenig. Wir waren auch nicht bissig in den Zweikämpfen und hatten insgesamt zu wenig Bewegung. Dann ist es schwer, ins Spiel zu kommen und unseren Fußball aufzuziehen.“ Das versöhnliche Fazit des Schweizers: „Alles in allem können wir nach dem Spiel gut mit dem 1:1 leben.“

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So war es. Denn genau genommen reichte dem HSV ein einziger Geniestreich, um sich am Ende einen Teilerfolg zu sichern. Den tiefen Ball von William Mikelbrencis vollendete Fábio Vieira nach 39 Minuten so elegant mit seinem linken Zauberfuß über Kölns Keeper Marvin Schwäbe hinweg zum 1:0, dass am liebsten wohl auch die FC-Fans unter den 57.000 Fans im ausverkauften Volkspark applaudiert hätten – wenn der Portugiese nicht das falsche Trikot getragen hätte.
HSV-Trainer Polzin ärgerte sich über Kölns Ausgleichstor
Blöd für den HSV, dass die Führung nicht lange hielt. Weil Said El Mala nach Jakub Kaminskis Ecke per Kopf noch vor dem Wechsel zum Ausgleich traf (45.). „Das ist sehr, sehr ärgerlich“, motzte Trainer Merlin Polzin. „Das musst du besser verteidigen.“
Viel mehr ließen beide Abwehrreihen nicht zu, mit jeweils einer Ausnahme. In der Nachspielzeit fehlte erst bei Daniel Elfadlis Kopfball nur eine Handbreit (90.+5) zum HSV-Siegtreffer, mit der nahezu letzten Aktion dann gleichermaßen Kölns Eric Martel (90.+8).

Ein Zähler also. Einer, den Polzin unterm Strich „gern mitnimmt auf unserer Reise“, ansonsten aber sah Hamburgs Coach „auch viele Unsauberkeiten in unserem Spiel, was mir nicht so gut gefallen hat. Da haben wir schon wesentlich bessere Leistungen gezeigt“.
Nach zwei Heimpleiten in Folge punktete der HSV wieder im Volkspark
Festzuhalten bleibt: Acht Spieltage vorm Saisonende ist der HSV punktemäßig absolut im Soll. Aber: Die Leistungen des Aufsteigers waren in den vergangenen Wochen nicht mehr so souverän und bissig wie zuvor. Angefangen bei den Heimpleiten gegen Leipzig (1:2) und Leverkusen (0:1), über das eher glückliche 2:1 in Wolfsburg bis hin zum Remis gegen die optisch überlegenen Kölner. Auch darin dürften insbesondere Muheims kritische Worte begründet gewesen sein.
„Es geht darum, unsere Prinzipien wieder auf den Platz zu bringen“, warnte der Schweizer am Samstagabend, während Kollege Nicolai Remberg versuchte, eine Erklärung zu finden: „Man hat gemerkt, dass nicht ganz so wenig auf dem Spiel stand und eine Menge Druck drauf war.“
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So gesehen, wird es für den HSV nun etwas leichter. Kommenden Samstagabend ist er in Dortmund zu Gast, bei einem der Ausnahmeteams der Liga. Dort dürfte es sich gerade in Anbetracht des Polsters auf die Abstiegszone einigermaßen befreit aufspielen lassen. Polzin weiß: „Wenn alles passt, können wir dort vielleicht etwas mitnehmen.“
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