„Ein magischer Abend!“ HSV überragt gegen Bayern vor den Wochen der Wahrheit
Merlin Polzin hatte so eine Vorahnung. „In diesem Stadion passieren Dinge, die in anderen Stadien nicht passieren“, hatte der Trainer des HSV vor der Partie gegen die Bayern wissen lassen. Er sollte Recht behalten – denn das, was am Samstagabend im Volkspark geschah, hätte zuvor kaum jemand für möglich gehalten. Mit dem 2:2 (1:1) schnappte sich der HSV nicht nur einen unerwarteten Punkt, er gewann ihn sogar absolut verdient und schickte seine Fans mit leuchtenden Augen auf die Heimreise.
Sie mussten sich lange gedulden. Sehr lange sogar, noch weit über die angezeigte Nachspielzeit von neun Minuten hinaus. Doch als Schiedsrichter Harm Osmers dann um 20.34 Uhr endlich den Schlusspfiff ertönen ließ, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Abermals trotzte der HSV einem Großen der Liga, diesmal sogar dem mit Abstand Allergrößten. Nach den Top-Teams Dortmund (1:1), Stuttgart (2:1) und Frankfurt (1:1) konnten auch die Bayern die Festung Volkspark nicht einnehmen.
HSV-Trainer Polzin schwärmt von den eigenen Fans
Der, der vorher schon alles zu wissen schien, strahlte über das ganze Gesicht. „Wir wussten, dass wir gegen den Ball das eine oder andere überstehen müssen“, resümierte Polzin. „Aber in den entscheidenden Phasen waren wir da. Deshalb war es definitiv ein magischer Abend hier im Volkspark, mit sehr viel Energie von den Zuschauern.“

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57.000 Fans sahen eine Wahnsinnsleistung des HSV, trotz aller Probleme dieser Woche, die in der Alkoholfahrt von Jean-Luc Dompé gipfelten. Der Franzose (wurde mit mehr als 1,4 Promille am Steuer erwischt und vom HSV vorerst suspendiert), fehlte ebenso wie die Verletzten Damion Downs und Fabio Baldé, ganz zu schweigen von den Langzeitverletzten Yussuf Poulsen und Alexander Røssing-Lelesiit. Dazu kam der vorübergehende Sturz auf Relegationsplatz 16 vor der Partie. Doch das machte dem HSV überhaupt nichts aus.
Vieira schoss den HSV gegen die Bayern in Führung
Von Beginn an setzten die Hausherren dem Rekordmeister zu und erarbeiteten sich auch selbst Chancen, durch Fábio Vieira (5.) und Nicolás Capaldo (24.). Und nachdem Joshua Kimmich für die Bayern die Latte getroffen hatte (29.), durfte der HSV endlich jubeln. Nach Kimmichs Attacke gegen Nicolai Remberg entschied Osmers auf Strafstoß, Vieira verwandelte flach unten links zum 1:0 (34.).

Da träumten die HSV-Fans schon, wurden allerdings zügig wieder geweckt. Bayern bleibt eben Bayern. Harry Kane verwertete Kimmichs Vorarbeit noch vor der Pause zum 1:1 (42.). und als nur rund 40 Sekunden nach dem Wechsel der gerade eingewechselte Luis Diáz zum 1:2 traf, schienen die Dinge doch ihren erwartenden Gang zu nehmen. Wäre ja auch zu schön gewesen, murmelten die HSV-Fans. Remberg stellte klar: „Das 1:2 war für mich ein Dämpfer. Da dachte ich: Jetzt kann es richtig eklig werden.“
Vuskovic glich zum 2:2 für den HSV gegen Bayern aus
Ein Murmeln und eine Befürchtung, die schnell wieder spitzen und entschlossenen Schreien wich. Vieira hätte schon zum Ausgleich treffen können, setzte den Schuss aber knapp rechts vorbei (50.). Drei Minuten später aber erbebte der Volkspark ein weiteres Mal: Nach der butterweichen Flanke von William Mikelbrencis köpfte Vuskovic zum 2:2 ein. Jetzt schon ein Comeback, an das kaum jemand zu glauben gewagt hatte.

Und auch wenn der HSV noch so manch knifflige Situation überstehen musste, sollte es am Ende reichen. Bayerns beste Chancen vergaben der eingewechselte Jonathan Tah (Latte/60.) und Michael Olise (86.), auf Seiten des HSV besaß Vieira sogar noch die Siegchance (75.). Und auch Osmers schien ein Einsehen mit den tapferen Hamburgern zu haben. Nachdem Elfadli der Ball im Strafraum vor allem an den Bauch und ein wenig an die Hand sprang, entschied er nicht auf Strafstoß (90.+1). Der VAR schloss sich der Entscheidung des Referees an.
Die HSV-Profis waren nach dem Unentschieden stolz
Der Rest war dann grenzenloser Jubel. „Wir können sehr, sehr stolz sein“, ließ Miro Muheim wissen. Auch Remberg jubilierte: „Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir haben nicht nur lange Bälle gespielt, sondern auch versucht, zu kicken. Und wir haben uns viele Chancen rausgespielt, womit ich selbst nicht gerechnet habe.“ Und Polzin fasste zusammen: „Die Dinge, die wir eingefordert haben, Mut, Galligkeit, Überzeugung, haben sich alle in unserem Spiel wiedergefunden.“
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Zum sechsten Mal in Folge blieb der HSV im Volkspark nun bereits unbesiegt und verbesserte sich auf Tabellenrang 13. Zur Wahrheit gehört aber auch: Mit den anstehenden Partien in Heidenheim (7.2.), gegen Union Berlin (14.2.) und in Mainz (20.2.) beginnen nun die Wochen der Wahrheit, in denen der HSV weiter kräftig punkten sollte, damit die Bayern auch in der kommenden Saison wieder im Volkspark gastieren. Das kann sich an magischen Abenden sogar für das Punktekonto lohnen, soviel steht seit Samstagabend fest.
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