„Nicht clever angestellt“: HSV-Boss hadert, lobt – und erklärt seine Gelbe
Die Menge an Ereignissen und Wendungen musste man erst einmal verarbeiten. Da erging es Claus Costa nicht anders als den Profis oder den 81.365 Zuschauern. Deshalb sagte der Sportdirektor des HSV nach dem 2:3 (2:0) in Dortmund: „Das Spiel muss man ganzheitlich einordnen.“ Es gab Anlass für Lob und für Kritik – und auch etwas Klärungsbedarf mit Blick auf eine Gelbe Karte für die Hamburger Bank.
Bevor Ramy Bensebaini den insgesamt dritten Elfmeter des Samstagabends verwandelte und die Partie zugunsten des BVB entschied (84.), war Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck zur Seitenlinie marschiert und hatte die Gelbe Karte gezückt. Dabei stand der 39-Jährige direkt neben Merlin Polzin, die Verwarnung richtete sich aber an Costa, wie sich im Nachgang herausstellte. „Die ging an mich“, räumte der HSV-Boss ein. Für Costa war es die erste Gelbe Karte der Saison. Er kassierte sie, weil er sich nach dem strafbaren Handspiel von Miro Muheim offenbar etwas zu sehr beklagt hatte.
Claus Costa wurde vor dem letzten BVB-Elfmeter verwarnt
„Ich habe es gar nicht so vehement wahrgenommen“, sagte Costa. „Aber der Schiedsrichter hat es mir gerade erklärt. Er hat sich daran gestört, dass Merlin und ich außerhalb der Coaching Zone waren und uns über den Elfmeter beschwert haben.“ Er habe jedoch zu keinem Zeitpunkt „etwas unter der Gürtellinie“ gesagt. „Das war eine emotionale, aber völlig normale Konversation im Rahmen“, meinte Costa nach nervenaufreibenden 90 Minuten. „Das sollte mir nicht passieren, da bin ich ganz sicher nicht stolz drauf – aber dann ist es heute mal so.“ Eine Sperre droht dem 41-Jährigen nicht. Die Partie beim BVB wird ihn dennoch noch ein paar Stunden beschäftigen – weil sie so gut begonnen hatte, der HSV sie aber schließlich verlor.

Der Auftritt in den ersten 45 Minuten gefiel Costa. „Da fand ich uns richtig gut“, lobte er. „Wir hatten viele gute Entlastungsmomente, viele gute Umschaltaktionen und die eine oder andere mutige Phase im Ballbesitz.“ Als Belohnung erhielt der HSV gleich zwei Treffer – durch Philip Otele (19.) und Albert Sambi Lokonga (38.). „Das ist keine Selbstverständlichkeit, gegen so einen Gegner auf diesem Niveau so zu spielen“, meinte Costa und verriet: „Wir haben uns in der Halbzeit vorgenommen, so weiterzumachen und mutig zu bleiben. Das war heute die Marschroute. Wir wollten weiterhin Ballbesitzphasen haben, das war das klare Ziel – aber da ist ja leider auch noch ein Gegner mit auf dem Platz, der es zunehmend besser gemacht und uns hinten heraus erdrückt hat.“
HSV-Manager lässt „auf keinen der Jungs etwas kommen“
Der HSV schaffte es nicht, in einer laut Costa „sehr schwierigen, anspruchsvollen zweiten Halbzeit“ für Entlastung zu sorgen. Dramatisch wurde es zwischen der 73. und 84. Minute: Da schlugen die Dortmunder durch Doppelpacker Bensebaini und Serhou Guirassy dreimal zu, wobei zwei Gegentreffer aus selbstverschuldeten Elfmetern resultierten. „Natürlich haben wir uns da nicht clever angestellt“, bemängelte Costa und dachte auch noch an den Strafstoß aus der ersten Hälfte. Da hatte Warmed Omari BVB-Stürmer Maximilian Beier gelegt, doch Felix Nmecha schoss den Elfer vorbei (45.). Im zweiten Durchgang war dann Mikelbrencis gegen Beier der Übeltäter.

„Ich würde da aber trotzdem auf keinen der Jungs etwas kommen lassen“, stellte Costa klar. „Denn es werden, wenn du erdrückt wirst, einfach immer mehr Szenen, die sich im Strafraum abspielen.“ Einerseits könne man sich „immer cleverer anstellen, wenn man Elfmeter verursacht“. Andererseits gelte: „Wenn du so oft in der eigenen Box verteidigen musst, dann ist immer die Gefahr da, dass dir ein Fehler oder ein Handspiel unterläuft.“ Letzteres passierte Muheim bei Jobe Bellinghams Schuss vor dem 2:3 – damit war das Spiel endgültig aus der HSV-Hand geraten.
Nach Pleite: Costa spricht HSV-Profis „ein großes Lob“ aus
„Aber unter dem Strich ist es dann einfach auch ein Champions League-Gegner, ein absolutes Topteam, ein Team, das zu Hause einen brutalen Ergebnislauf hat“, ordnete Costa die Pleite ein. Tatsächlich hat in dieser Saison nur der FC Bayern (mit 3:2) im Signal Iduna Park gewonnen, RB Leipzig (1:1) und dem VfB Stuttgart (3:3) gelang in Dortmund zumindest ein Remis. Der HSV verspielte selbst diesen einen Zähler. „Dass es in der zweiten Halbzeit extrem kompliziert wird, war uns klar“, sagte Costa. „Wir haben uns etwas anderes vorgenommen, mussten am Ende aber wahrscheinlich auch akzeptieren, dass wir ein bisschen erdrückt wurden.“
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Dennoch könne man „viele positive Sachen“ mitnehmen, befand der Manager. „Man muss auch der Mannschaft ein großes Lob aussprechen, mit welcher Courage wir vor allem in der ersten Halbzeit aufgetreten sind. Und trotzdem, das ist auch Teil der Wahrheit: Wenn du in der 73. Minute mit 2:0 auswärts führst, dann hast du schon diese Hoffnung, dass du etwas mitnehmen kannst.“ Das misslang. „Und das tut weh, das ist bitter“, zeigte sich Costa enttäuscht – ehe er versprach: „Aber das wird uns nicht umwerfen.“
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