„Es ist dumm gelaufen“: HSV-Leader stellt sich nach seinen Fehlern
Der emotionale Austausch dauerte nicht sehr lange, Miro Muheim und Jordan Torunarigha diskutierten aber kurz miteinander, nachdem Grischa Prömel den Ball freistehend zur Hoffenheimer 1:0-Führung eingeköpft hatte. Die beiden Verteidiger schauten sich an und gestikulierten vor Ärger über das Gegentor. Und auch Albert Sambi Lokonga und Luka Vuskovic breiteten ihre Arme aus, weil sie sich fragten, wie das passieren konnte. Es sollte nicht der letzte größere Hamburger Fehler am Samstag bleiben. Nach der 1:4-Pleite stellte sich Muheim.
Was lief schief vor dem frühen Gegentreffer? Der Schweizer sprach von einer „schwierigen Situation“, die damit begann, dass Fábio Vieira an der Seitenlinie zu zögerlich agierte. Der Portugiese hätte Wouter Burger energischer attackieren sollen. So konnte der Mittelfeldmann der TSG ungehindert mit links flanken – und das tat er ziemlich perfekt. Die Hereingabe mit Effet flog über die Köpfe mehrerer Hamburger hinweg in Richtung Elferpunkt, wohin sich Prömel geschlichen hatte. Das Problem: Gleich zwei HSV-Profis orientierten sich an anderen Gegenspielern.
HSV-Verteidiger Muheim orientierte sich vor dem 0:1 falsch
Der halblinke Innenverteidiger Jordan Torunarigha kümmerte sich am ersten Pfosten um den schon vor Prömel im Strafraum positionierten Tim Lemperle – verständlich. Muheim dagegen verpasste es, die von Prömel ausgehende Gefahr zu erkennen, und rückte zu spät ein. „Ich sollte ein bisschen weiter bei Coufal stehen, weil der bei Flanken auch immer die Läufe in die Box macht“, erklärte Muheim. Und in der Tat: Vladimir Coufal, Hoffenheims besagter rechter Außenverteidiger, war bei Burgers Flanke hinter dem HSV-Profi – allerdings noch nicht mal im Sechzehner.

Muheim realisierte nicht oder zu spät, dass Coufal in dieser Szene keine Gefahr darstellte. Und ehe er Prömel hätte decken können, war es schon zu spät. „Es ist dumm gelaufen in der Situation“, räumte Muheim ein. „Die Flanke kommt natürlich perfekt und der Lauf (von Prömel; d. Red.) ist es auch. Das ist dann nicht einfach zu verteidigen, aber das müssen wir uns auf jeden Fall anschauen.“ Denn eine Chance, das frühe 0:1 zu verhindern, bestand in jedem Fall. Doch der Linksverteidiger machte ein „Kommunikationsproblem“ in der Hintermannschaft aus: „Ich habe gedacht, dass Jordan den nimmt (Prömel; d. Red.) – und Luka den Vorderen (Lemperle; d. Red.).“ Falsch gedacht.
„Zu früh und zu einfach“: Polzin hadert mit den Gegentoren
Auch Polzin haderte: „Das erste Gegentor fällt zu früh und zu einfach. Das hat nicht dazu beigetragen, dass wir das Spiel offener gestalten konnten.“ Denn der HSV wollte in der Defensive kompakt stehen, möglichst lange die Null halten und vorne mithilfe von Umschaltsituationen Nadelstiche setzen. „Wir haben im Vorfeld Kontermöglichkeiten ausgemacht“, verriet der HSV-Coach. „Wir haben es aber nicht geschafft, die für uns zu nutzen.“ Der Schock in der 8. Minute war dem Matchplan nicht zuträglich. Zwar schaffte es der HSV selbst nach dem 0:2 (31. – Ozan Kabak), vereinzelt durchzubrechen. Ransford Königsdörffer (40.) und Fabio Baldé (43.) vergoldeten zwei Konter aber nicht.
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Muheim war übrigens auch bei Kabaks Treffer Teil der Fehlerkette. Der TSG-Verteidiger konnte sich zwischen ihm und Vuskovic zu leicht aufdrehen, in dieser Situation kamen gleich mehrere HSV-Profis nacheinander zu spät. Außerdem bedrängte Muheim seinen Hauptgegenspieler Koufal vor dem 0:3 nicht entschieden genug, sodass der Tscheche ihn auswackeln und ungehindert flanken konnte. Danach patzte auch Nicolás Capaldo im Zentrum, was Lemperle ausnutzte (65.). „Wir waren zu wenig aggressiv in den Zweikämpfen, auch im tiefen Block“, übte Muheim nach dem Abpfiff Selbstkritik. Und bei allem berechtigten Lob für Hoffenheim („Sie machen es gut, das muss man so sagen“) überwiegt doch die harte HSV-Erkenntnis: „Am Ende verteidigen wir es nicht gut genug.“ Gleich viermal.
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