Diskussion um Vieira: So könnte sich der HSV den 20-Millionen-Mann leisten

Fabio Vieira bei einem Spiel des HSV
Fábio Vieira wird vom Portal transfermarkt.de aktuell auf einen Marktwert von 22 Millionen Euro taxiert.

Mit Fábio Vieira hat der HSV wieder einen Fußballer in seinen Reihen, der zumindest für die Hamburger das Prädikat Unterschiedsspieler verdient. Ein Künstler am Ball, der in seiner Karriere bislang häufiger auf der europäischen Bühne unterwegs war, als im Abstiegskampf zu stecken. Der FC Arsenal zahlte einst 35 Millionen Euro Ablöse für ihn. Wie passt das zum HSV? Und wie lange können sich die Hamburger den Portugiesen überhaupt leisten? Die MOPO hat sich umgehört, wie realistisch ein solcher Deal wirklich wäre.

Vieiras Wechsel zum HSV war nicht lange geplant oder vorbereitet. Erst kurz vor Transferschluss öffnete sich für die Hamburger die Tür. Dann ging alles schnell. Der Offensivspieler ließ sich am Telefon vom Schritt in den Volkspark überzeugen. Mit Arsenal handelten die HSV-Bosse einen Leihvertrag aus. Die Leihgebühr liegt bei nur knapp einer halben Million Euro. Dazu wurde vereinbart: Je mehr Vieira spielt, desto weniger kostet er. Im besten Fall fällt am Ende gar keine Gebühr an. Der Hintergrund: Arsenal plant nicht mehr mit dem Spieler und will ihn jetzt ins Schaufenster stellen. Auch beim Gehalt gingen die Klubs einen Kompromiss ein.

HSV muss keine Rückkaufoption bei Fábio Vieira fürchten

Eine Rückkaufoption für den Winter, wie sie sich Tottenham bei Luka Vuskovic im Vertrag sicherte, gibt es für Arsenal bei Vieira nicht. Stattdessen besitzen die Hamburger eine Kaufoption für den 25-Jährigen. Diese liegt bei 20 Millionen Euro. Ist ein Transfer in dieser Größenordnung für den HSV im kommenden Sommer wirklich denkbar? Oder steht schon fest, dass der Offensivspieler den Volkspark nach einem Jahr wieder verlassen wird? Die MOPO hat sich bei allen Seiten umgehört. Der Tenor: Alles ist möglich.

In der Bundesliga hat es bislang 113 Zugänge mit einer Ablösesumme von 20 Millionen Euro oder mehr gegeben. Spitzenreiter ist – wenig überraschend – der FC Bayern München (27), dicht gefolgt von Borussia Dortmund (26). Auch für Leipzig (19) und Leverkusen (13) sind solche Transfersummen längst normal. Zehn der 18 aktuellen Bundesligisten haben dagegen noch nie so viel Geld für einen Spieler ausgegeben. Der HSV gehört dazu. Filip Kostic, der 2016 für 14 Millionen Euro aus Stuttgart kam, ist bislang der Rekordtransfer der Hamburger.

Nach sieben Jahren in der Zweiten Liga sind solche Summen im Volkspark derzeit unrealistisch. Immer wieder betonen die Bosse, dass man den Abstand zu den etablierten Erstligisten erst einmal aufholen müsse und auch nach dem Aufstieg wirtschaftlich vernünftig handeln werde.

HSV investierte knapp neun Millionen Euro in Zugänge

In diesem Sommer zahlte der HSV für zwölf Zugänge insgesamt knapp neun Millionen Euro Ablöse. Für 13 Abgänge nahm der Klub gut sieben Millionen Euro ein. Sollte der HSV in dieser Saison die Klasse halten, werden sich die finanziellen Möglichkeiten dadurch nicht wesentlich verändern. In der TV-Geld-Tabelle sind keine großen Sprünge zu erwarten. Auch bei den Ticketerlösen und im Merchandising sind die Hamburger bereits am Limit. Warum vereinbarte man trotzdem eine Kaufoption über 20 Millionen Euro für einen Spieler?

Arsenal will Vieira damit ein Preisschild für alle möglichen Interessenten geben. Doch auch der HSV ist happy, dass es diese Klausel gibt. Aus mehreren Gründen. Zum einen wird an den Fall Stefanos Tzimas erinnert. Der 1. FC Nürnberg hatte den Griechen zunächst ausgeliehen, ihn Anfang dieses Jahres per Kaufoption für 18 Millionen Euro verpflichtet und anschließend direkt für 26,5 Millionen Euro nach Brighton verkauft. Sollte Vieira beim HSV voll einschlagen, wäre ein ähnliches Szenario denkbar. Der HSV hätte sportlich zwar nichts mehr von ihm, würde aber wirtschaftlich profitieren.

Ein weiterer Grund für die Kaufoption ist der theoretische Fall, dass die Hamburger eine komplett außergewöhnliche Saison spielen und in der Champions League landen. Dann wäre auch ein Transfer dieser Größenordnung möglich. Gleiches gilt bei unerwartet hohen Einnahmen durch Spieler-Verkäufe.

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Beides ist nicht realistisch. Wie könnte Vieira trotzdem länger bleiben? Stand jetzt gäbe es nur dann eine Chance, wenn im Sommer neu verhandelt wird, Arsenal sich mit deutlich weniger Geld zufriedengibt und der Spieler seine Zukunft in Hamburg sieht. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Vorerst können sich die Hamburger den Portugiesen nur auf Zeit leisten.

Die Rekord-Zugänge des HSV

Jahr Abgebender Verein Ablöse
1.Filip Kostic2016VfB Stuttgart14,0 Mio. Euro
2.Rafael van der Vaart2012Tottenham Hotspur13,0 Mio. Euro
3.Vincent Kompany2006RSC Anderlecht10,5 Mio. Euro
4.Marcus Berg2009FC Groningen10,0 Mio. Euro
5.Walace2017Grêmio Porto Alegre9,2 Mio. Euro
6.Thiago Neves2008Fluminense Rio de Janeiro9,0 Mio. Euro
Eljero Elia2009Twente Enschede9,0 Mio. Euro
8.Pierre-Michel Lasogga2014Hertha BSC8,5 Mio. Euro
9.Marcell Jansen2008FC Bayern München8,0 Mio. Euro
10.Heiko Westermann2010FC Schalke 047,5 Mio. Euro