Diskussion nach Pleite: Hat sich HSV-Trainer Polzin in Dortmund verwechselt?
Die Enttäuschung bei Fans und Profis des HSV saß nach dem 2:3 in Dortmund tief. Binnen elf Minuten hatte der Aufsteiger beim großen Favoriten einen 2:0-Vorsprung verspielt und am Ende alles verloren. Kann angesichts der enormen Wucht und Klasse der Dortmunder passieren, sagten die einen. Doch auch Merlin Polzin musste sich nach der Partie von Teilen der Fans Vorwürfe gefallen lassen. Schnell entwickelten sich vor allem in den sozialen Netzwerken Diskussionen: Hat sich der HSV-Trainer in Dortmund schlicht verwechselt und damit die Wende eingeleitet?
68 Minuten waren im Signal-Iduna-Park gespielt, als Polzin erstmals wechselte, das dann aber gleich doppelt. Mit Fábio Vieira und Philip Otele verließen zwei der entscheidenden Wegbereiter des 2:0 das Feld, für sie kamen Damion Downs und Fabio Baldé in die Partie. Wechsel, die nicht aufgehen sollten und anschließend kontrovers diskutiert wurden.
Der HSV kassierte in Dortmund binnen kurzer Zeit drei Gegentore
Auslöser der Debatten: Zum Zeitpunkt des Doppel-Wechsels führten die Hamburger noch mit 2:0, fünf Minuten später dann nahm das Unheil seinen Lauf. Zwischen der 73. und 84. Minute traf der BVB dreimal (darunter zwei Elfmeter) und drehte das Spiel entscheidend. Wie viel Einfluss hatten Polzins Wechsel auf die Geschehnisse?

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Augenscheinlich zählten Vieira und Otele am Samstag zu den besten Hamburgern. Der Nigerianer erzielte sein erstes Bundesligator, Vieira bereitete das 2:0 von Albert Sambi Lokonga vor. Für den Portugiesen war es bereits der zehnte Scorer-Punkt dieser Saison (fünf Tore, fünf Vorlagen).
Fehlten Vieiras Qualitäten dem HSV in der Schlussphase?
Insbesondere Vieiras Qualitäten hätten dem HSV sicher auch in der erwartbar hektischen Schlussphase der Partie gut getan. Die Arsenal-Leihgabe ist nicht nur wie kein zweiter HSV-Profi in der Lage, das Tempo eines Spiels zu bestimmen. Durch seine (auch durchaus umstrittene) Art, Freistöße herauszuholen und für Spielpausen zu sorgen, ist er auch in der Lage, den Rhythmus des Gegners zu unterbrechen.

Zur Wahrheit der Partie in Dortmund gehört allerdings auch, dass der HSV bereits vor dem Doppel-Wechsel (und obwohl Vieira und Otele auf dem Feld standen) nicht mehr in der Lage war, sich aus dem BVB-Nackengriff zu befreien. „Es gab einen großen Unterschied zwischen unserer ersten und zweiten Hälfte“, gab Torschütze Sambi Lokonga zu verstehen und kritisierte: „Im zweiten Durchgang haben wir offensichtlich aufgehört zu spielen.“
Polzins Doppelwechsel in Dortmund verpuffte
Was erhoffte sich Polzin von dem Doppelwechsel? Dem Coach und seinem Stab war es nicht verborgen geblieben, dass sich Vieira und Otele im Laufe der Partie aufgerieben hatten und in Durchgang zwei kaum noch zu zielführenden Aktionen kamen. Downs sollte die Dortmunder Defensive mit seiner Laufstärke und seinem Anlaufverhalten wieder stärker beschäftigen. Baldé verfügt zudem über ähnliche Qualitäten wie Otele. Allerdings verpufften die Wechsel komplett.

Polzin sagte später, dass er ahnte, was mit zunehmender Spieldauer auf sein Team zukommen würde. „Wir haben versucht, maximal viel zu verteidigen, hatten einen überragenden Torwart und haben versucht, uns in jeden Ball reinzuschmeißen“, so der Trainer. „Das ist auch bis knapp über der 70. Minute gelungen. Dann hat der Signal-Iduna-Park sein Übriges getan. Ich glaube, es ist kein Geheimnis, welche Power das Stadion plus die Qualität von Niko Kovac‘ Mannschaft dann auch bringen kann.“
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Eingeleitet wurde die spätere Dortmunder Wende durch individuelle HSV-Fehler. William Mikelbrencis verursachte den Strafstoß vor dem 2:1 (73.), indem er Maximilian Beier foulte. Dann leistete sich der Franzose einen Einwurf-Patzer, den der BVB kurz darauf mit dem 2:2 bestrafte (78.). Weitere sechs Minuten später sorgte Miro Muheims unglückliches Handspiel für den Strafstoß zum 2:3 (84.). Bittere Hamburger Minuten, kurz nachdem Vieira und Otele das Feld verlassen hatten. Auch Polzin dürfte sich nach dem Abpfiff gefragt haben, ob er in einer ähnlichen Situation noch mal so entscheiden würde. Richtig ist aber auch: Hinterher ist man immer schlauer …
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