„Diese Angst ist schlimm“: Ex-HSV-Profi sorgt sich um seine Familie im Iran
Bis vor wenigen Tagen freute sich auch Vahid Hashemian auf einen schönen, unbeschwerten Sommer. Doch seitdem israelische und US-amerikanische Bomben in seiner Heimat Iran einschlugen, ist für den früheren HSV-Profi nichts mehr, wie es einmal war. „Es ist schlimm, mit dieser Angst zu leben, dass etwas passieren könnte“, sagt der 48-Jährige und spricht in der MOPO über den Krieg in seinem Land.
Er wird den 13. Juni dieses Jahres nicht mehr vergessen, zu schlecht und furchteinflößend war dieser Tag. Als Israel in den frühen Morgenstunden damit begann, atomare Einrichtungen im Iran zu bombardieren, erreichten Hashemian zügig die entsprechenden Nachrichten aus der Heimat. Der im Hamburger Stadtteil Rotherbaum sesshaft gewordene Ex-Nationalspieler, der von 1998 bis 2009 insgesamt 51-mal für sein Land auflief, erinnert sich: „Zunächst wusste niemand so genau, was eigentlich passiert und ob auch Bomben auf Teheran geworfen werden. Diese Ungewissheit war sehr schwer zu ertragen.“
Ex-HSV-Profi Hashemian sorgt sich um Familie im Iran
Der Krieg – so fern und doch so nah. Etwa 320.000 Menschen mit iranischen Wurzeln leben in Deutschland und teilen dieses Schicksal. Hashemian ist einer von ihnen. Als er im Sommer 1999 von Pas Teheran zum HSV wechselte, wurde Deutschland zu seiner zweiten Heimat. Zwei Jahre lang trug er die Raute auf der Brust, avancierte danach beim VfL Bochum zur von den Fans verehrten Sturm-Legende, unterschrieb einen Millionen-Vertrag beim großen FC Bayern und spielte anschließend für Hannover 96. Hamburg aber blieb immer in seinem Herzen. Hier wurde er mit seiner Frau und seiner Tochter nach der Karriere sesshaft.
Das ist das eine Leben des Vahid Hashemian. Das andere spielt sich 8000 Kilometer Luftlinie entfernt ab. „Der Rest meiner Familie lebt in Teheran und Isfahan“, erzählt der Ex-Fußballer, der das jüngste von fünf Geschwistern ist und jeweils zwei Brüder und Schwestern im Alter zwischen 55 und 63 Jahren hat. Die Eltern verstarben bereits vor einiger Zeit. „Als die Angriffe begannen, konnte ich einige Nächte wenig oder gar nicht schlafen und habe mir große Sorgen um alle gemacht“, sagt Hashemian. „Nicht nur um meine Familie und Freunde, sondern insgesamt um die Menschen in der Region. Krieg ist einfach schlecht. Er bringt nur Sorgen und Leid.“
Insbesondere die Tage, in denen die Leitungen in den Iran zusammenbrachen, waren für Hashemian besonders schwer: „Manchmal funktionierte weder Internet noch Telefon. Manche Nachrichten, die man geschrieben hat, kamen erst nach drei Tagen an. Aber durch die Berichte im Fernsehen erfährt man ja nicht, wie es einzelnen Menschen ergeht. Wir haben zum Glück erfahren, dass meiner Familie und den Freunden nichts passiert ist. Aber andere Menschen sind gestorben, das ist schlimm.“
Vahid Hashemian war zuletzt auch Co-Trainer im Iran
Was Hashemian Sorge macht: „Das gesamte Leben im Iran ist zurzeit durcheinander. Wenn so eine Situation zu lange anhält, dass die Menschen nicht zur Arbeit gehen können, gerät alles durcheinander. Wer nicht arbeitet, verdient kein Geld. Und wer kein Geld verdient, kann sich nichts kaufen. Das ist ein schlechter Kreislauf.“ Und weiter: „Ich habe aber die große Hoffnung, dass der Krieg nun wirklich vorbei ist.“
Der frühere Angreifer tut, was er kann, um aus der Ferne zu helfen. In der Heimat war er schon länger nicht mehr, zuletzt vor 18 Monaten. Davor erlebe er im Iran eine große sportliche Enttäuschung. Bis Herbst 2022 war Hashemian Assistenztrainer der Nationalmannschaft, wurde wenige Monate vor der WM in Katar aber wie der gesamte Trainerstab beurlaubt. „Ohne Grund, trotz der besten Qualifikation, die unser Land je gespielt hat“, stellt er enttäuscht fest. In Hamburg betreibt Hashemian die „Starway Football Academy“ („Das ist mein Baby“) und bildete sich auch als Trainer fort. Unter anderem bei Bernhard Peters, der einst beim HSV als Direktor Sport aktiv war. Der 208-malige Bundesligaspieler sagt: „Ich warte jetzt auf eine gute Chance, in Deutschland als Trainer zu arbeiten.“
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Politisch möchte sich Hashemian lieber nicht äußern. Weil er sich der Konflikte zwischen Israel, den USA und dem Iran bewusst ist. Eine hochsensible Angelegenheit. Aber eine Botschaft möchte er loswerden: „Mein Motto lautet Frieden. Krieg ist schrecklich, egal, wo er stattfindet. Kein Mensch der Welt sollte unter Krieg leiden und deswegen Blut vergießen. Mein Wunsch wäre es, dass sich alle Menschen insgesamt mehr Mühe geben, ihre Nachbarn etwas besser zu verstehen. Das würde helfen. Ich hoffe, der Krieg bei uns ist jetzt wirklich beendet.“ Das würde den Sommer zumindest wieder um einiges schöner machen.