Merlin Polzin klatscht mit seinen enttäuschten Profis ab

Merlin Polzin (M.) musste nach dem 2:3 in Dortmund Aufbauarbeit für seine HSV-Profis leisten. Foto: imago images/Sven Simon

Die Endspurt-Wahrheit: Wie gefährlich ist die HSV-Lage wirklich?

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Mainz 05 ist dank des 2:1 gegen Frankfurt vorbeigezogen. Gladbach und Köln sind durch ihre Punkteteilung im Derby (3:3) jeweils ein kleines bisschen herangerückt. Und Werder verkürzte den Rückstand auf den HSV mit dem 1:0 in Wolfsburg auf nur noch zwei Zähler. Der 27. Spieltag lief aus Sicht des Teams von Merlin Polzin nicht optimal, schon allein wegen der eigenen 2:3-Pleite nach 2:0-Führung beim BVB. Das Bundesliga-Wochenende hätte den HSV aber deutlich schlimmer erwischen und in eine noch größere Drucksituation versetzen können.

Hätte der FC St. Pauli am Sonntagnachmittag gegen den SC Freiburg gewonnen, hätte der HSV plötzlich nur noch vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz gehabt. Der Kiezklub tat es aber nicht, sondern verlor daheim mit 1:2 und blieb somit unverändert auf Rang 16. Im Volkspark dürfte man das insgeheim mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben, auch wenn HSV-Sportdirektor Claus Costa am Samstagabend betont hatte: „Die Konkurrenz interessiert mich im Augenblick wenig, weil wir uns nur auf dieses Spiel fokussiert haben.“ Das ist ja auch richtig so.

St. Paulis Pleite nimmt dem HSV den Druck in der Tabelle

Mit einem Sieg in Dortmund, der bis zur 73. Minute zum Greifen nahe schien, hätte der HSV aus eigener Kraft einen großen, wohl vorentscheidenden Schritt in Richtung Klassenerhalt setzen können. Er blieb aus, was gegen den Tabellenzweiten absolut kein Drama ist. Trotzdem dürfte manch ein Fan zunächst sorgenvoll auf die nächsten Aufgaben geblickt haben. Hätte St. Pauli die Freiburger bezwungen, würde das anstehende HSV-Heimspiel gegen den FC Augsburg (4. April) etwas brisanter daherkommen. Denn im Anschluss (12. April) reist Polzins Mannschaft zum VfB Stuttgart, den der HSV in der Hinrunde zwar spät mit 2:1 schlug. Das jedoch war daheim im Volkspark.

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Vor heimischer Kulisse haben die Schwaben in dieser Saison erst einmal verloren. Für den HSV ist die Partie in der MHP-Arena daher eher ein Bonusspiel, das man als Aufsteiger wie das Duell beim BVB verlieren darf. Eine Woche darauf wiederum (18. April) reist der HSV zum Nordderby nach Bremen. Und was passieren würde, wenn man dort das zweite oder dritte Bundesligaspiel in Folge verlieren würde … – will man sich als Hamburg-Fan nicht vorstellen, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber auch noch völlig egal, weil weit weg. Da der VfL Wolfsburg als Vorletzter weiterhin neun Punkte hinter dem HSV liegt und St. Pauli es verpasste, den Druck von hinten zu erhöhen, kann man das Duell mit Augsburg nach der Länderspielpause als neue Chance sehen. Es wirkt brisant, aber wie sehr ist es das wirklich?

Heimspiel gegen Augsburg als große Chance

Weil der FCA am Sonntag mit 2:5 gegen Stuttgart unterging und bei 31 Punkten stehenblieb, kann der HSV (weiter 30 Zähler) in eineinhalb Wochen per Heimsieg vorbeiziehen. Und selbst eine Niederlage wäre per se noch kein Drama – denn Mainz (Rang elf, spielt in Hoffenheim), Werder (Platz 14, gegen Leipzig), Köln (Rang 15, in Frankfurt) und St. Pauli (Platz 16, in Berlin) müssen ihre schwierigen Aufgaben am nächsten Spieltag auch erst mal meistern.

Die HSV-Profis um Miro Muheim, Luka Vuskovic und Jordan Torunarigha (v.l.) waren in Dortmund am Ende geknickt. imago images/Jan Huebner
Miro Muheim, Luka Vuskovic und Jordan Torunarigha gucken frustriert
Die HSV-Profis um Miro Muheim, Luka Vuskovic und Jordan Torunarigha (v.l.) waren in Dortmund am Ende geknickt.

Ein zu einseitiger Blick auf die Dinge ist ohnehin nicht ratsam. Klar, der HSV spielt bei sieben verbleibenden Partien nur noch zweimal gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte: Augsburg und Bremen. Hamburgs Restprogramm ist ansonsten mit Stuttgart, der TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt, Freiburg und Bayer Leverkusen hart, keine Frage. Gegen diese fünf Topklubs der Liga hat der HSV in der Hinrunde zumindest vier Zähler geholt. Erneut exakt diese Punkteausbeute würde im Saisonfinale aber sehr wahrscheinlich schon reichen, um den Ligaverbleib zu sichern.

Konkurrenten klauen sich Punkte in direkten Duellen

Hinzu kommt, dass Polzins Team im Endspurt kaum noch Gefahr läuft, sogenannte „Sechs-Punkte-Spiele“ gegen die direkten Konkurrenten zu verlieren. Gegen Gladbach (0:0), St. Pauli (0:0), Heidenheim (2:0), Union Berlin (3:2), Mainz (1:1), den VfL Wolfsburg (2:1) sowie den 1. FC Köln (1:1) blieb der HSV in diesem Jahr unbesiegt, was wichtig war, um keinen Tabellennachbarn unmittelbar zu stärken. Gelingt das auch gegen Augsburg und Werder Bremen?

Alle anderen vom Abstieg bedrohten Vereine werden sich die Zähler in den kommenden Wochen noch deutlich öfter gegenseitig wegnehmen. Der FC St. Pauli hat noch vier Kellerduelle vor der Brust (gegen Union, Köln, Mainz und Wolfsburg). Bei Köln (gegen Bremen, St. Pauli und Union), Wolfsburg (Union, Gladbach, St. Pauli), Mainz (Gladbach, St. Pauli, Union) sowie Union (Wolfsburg, Köln, Mainz) sind es noch jeweils drei. Wie der HSV trifft auch Bremen neben dem Nordderby noch auf einen weiteren direkten Kontrahenten (Köln). Im Volkspark wird man also relativ entspannt verfolgen können, wer demnächst wem die Punkte klaut. Panik beim HSV ist nicht angebracht – und das Heimspiel gegen Augsburg zwar richtungsweisend, allerdings nicht so brisant wie es vielleicht zunächst erscheint.

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„Wir sind komplett dabei. Es ist maximal möglich, unsere Saisonziele zu erreichen“, sagt Polzin zur Ausgangslage vor dem Finish. Er findet: „Es wird eine richtig geile, heiße Phase. Wir haben Bock darauf. Wenn man merkt, dass die Bäume wieder grüner werden und der Frühling kommt, dann weißt du: Jetzt musst du abliefern.“ Das will der HSV tun, ohne Blick nach links und rechts. „Wir sind überzeugt, dass wir das nächste Spiel gegen Augsburg gewinnen können. Wir wollen gar nicht so sehr rechnen und schauen, was die anderen machen“, betont Polzin und weiß. „Wir haben jetzt sieben Chancen, in der Bundesliga Spiele zu gewinnen. Das wollen wir machen – und dann: Abfahrt!“

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