DFB-Kapitänin Giulia Gwinn schwärmt von Hrubesch – und hat schon ein HSV-Trikot
Führungsspielerin beim FC Bayern, über 630.000 Follower bei Instagram und neuerdings auch Kapitänin des DFB-Teams: Giulia Gwinn ist zweifelsohne das derzeit prominenteste Gesicht des deutschen Frauenfußballs. Kurz vor dem Start der EM in der Schweiz (2. bis 27. Juli) hat die 25-Jährige mit „Write your own story“ nun auch ihr erstes eigenes Buch veröffentlicht – in dem sie vieles von dem preisgibt, was bisher privat geblieben war. Die MOPO traf Gwinn am Rande ihrer Buchpremiere in München und sprach mit ihr unter anderem auch über den HSV – denn Gwinn besitzt sogar schon ein eigenes HSV-Trikot.
„Das ist eigentlich eine ganz witzige Geschichte“, erzählt Gwinn, als die MOPO bei der Premiere ihres neuen Buches in München mit ihr spricht. „Horst Hrubesch hat mir ein Paket zugeschickt mit zwei HSV-Trikots – eines mit ,9 Hrubesch‘ und eines mit ,15 Gwinn‘ – und meinte dazu: ,Du bist immer willkommen.‘“
Gwinn hat ein enges Verhältnis zu HSV-Legende Hrubesch
Kleine Gesten wie diese zeigen, wie eng das Verhältnis zwischen Gwinn und HSV-Legende Hrubesch (74) ist, der zweimal ihr Trainer in der Nationalmannschaft war. „Horst und mich verbindet eine ganz besondere Beziehung“, erzählt die Rechtsverteidigerin. „Er hat mich zur Kapitänin gemacht, hat mir so viele prägende Momente beschert, für die ich super super dankbar bin. Aber was ich am allermeisten an ihm schätze: Er ist eine Riesen-Legende und trotzdem so sehr Mensch geblieben, so bodenständig. Er weiß ganz genau, wie er Menschen erreichen kann.“
Hrubesch ist es auch, der in Gwinns Biografie das Vorwort geschrieben hat. „Ich wollte das unbedingt“, erzählt die 25-Jährige. „Er spielt eine enorme Rolle für mich.“ Ihre Augen leuchten, als sie das sagt. Und auch Hrubesch findet viele lobende Worte für Gwinn, schreibt unter anderem: „Ich mag sie. Wir haben ein super Verhältnis.“ Für ihn sei Gwinn „inspirierend für so viele junge Menschen“.
Genau das ist es, was Gwinn sein möchte: ein Vorbild. Den Titel ihres Buches „Write your own story“ trägt sie bereits seit 2023 als Tattoo auf dem linken Unterarm. „Das ist schon immer mein Motto – und diese Botschaft möchte ich weitergeben“, sagt Gwinn, die bereits mit 16 Jahren ihr Bundesliga-Debüt gab und seit 2019 beim FC Bayern spielt. „Ich will eine Inspiration für junge Mädchen sein, die zum Fußball kommen und vielleicht auch diesen Traum haben, die sich vielleicht da irgendwo in mir wiederfinden.“
DFB-Star Gwinn will Vorbild für junge Mädchen sein
Das ist ihr schon jetzt gelungen. Bei ihren Spielen mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft sitzen regelmäßig kleine Mädchen mit Gwinn-Trikot im Publikum, auch bei der Premiere in München sind überwiegend weibliche Jugendliche unter den Zuschauern – und Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß (73). „Sie ist ein wunderbares Beispiel für das ,Mia san Mia‘ des Vereins“, sagt er über Gwinn und bringt sie mit dieser Aussage abermals an diesem Abend zum Strahlen.
Das gilt auch für den Moment, als Gwinn an den 23. März denkt. 57.000 Fans hatten an diesem Tag im Hamburger Volksparkstadion beim Pokal-Halbfinale des HSV gegen Werder Bremen (1:2 n.V.) für einen neuen Zuschauerrekord im deutschen Vereinsfußball der Frauen gesorgt. Das blieb natürlich auch der DFB-Kapitänin nicht verborgen. „Das Allererste, was ich gedacht habe, war: Wow“, erzählt Gwinn der MOPO. „Wenn man nur ein paar Jahre zurückschaut … Wir Spielerinnen, die jetzt schon länger im Frauenfußball vertreten sind, wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir so viele Menschen begeistern können. Ich sehe das als eine absolute Wertschätzung.“
Gwinn tritt nächste Saison mit dem FC Bayern beim HSV an
Jede Spielerin, die auf professioneller Ebene Fußball spielt, könne „richtig stolz sein, ein Teil dieser Entwicklung zu sein und vielleicht auch einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben“, dass eine solche Zuschauerzahl erreicht werden konnte, findet Gwinn. Die 25-Jährige, die nächste Saison mit Meister Bayern beim Aufsteiger HSV gastieren wird, denkt noch einen Schritt weiter: „Das Ziel ist natürlich, dass das jetzt nicht abflacht, sondern so was hoffentlich irgendwann zur Normalität wird.“
Und dass in Zukunft eben noch viel mehr Mädchen diesen Weg gehen wollen wie Gwinn, die in ihrem Buch auch kein Geheimnis daraus macht, dass es im Leben einer Profifußballerin „auch Schattenseiten gibt und ich nicht nur tolle Momente durchlebt habe“. Rückschläge, etwa ihre beiden Kreuzbandrisse, seien aber „Teil meiner Geschichte und das möchte ich den Menschen genauso mitgeben wie die schönen Momente. Man sollte immer an sich glauben und notfalls auch mal gegen Widerstände angehen. Sonst wäre auch ich nicht die Fußballerin und die Persönlichkeit, die ich heute bin.“
Giulia Gwinn, Julien Wolff: „Write your own story“, Mosaik Verlag, 272 Seiten, 20 Euro, ab sofort überall erhältlich.