Der Jüngste aller Zeiten! Das sind die HSV-Pläne mit Rekord-Bubi Lemke

Louis Lemke bedankt sich nach seinem Profi-Debüt bei den HSV-Fans
Momente für die Geschichtsbücher: Louis Lemke bedankt sich nach seinem Debüt gegen Freiburg bei den HSV-Fans.

Seit vergangenem Sonntag werden die Rekordlisten im Volkspark neu geschrieben. Mit seiner Einwechslung beim 3:2 gegen Freiburg wurde Louis Lemke zum jüngsten Spieler, der jemals für den HSV in einem Profispiel auflief. Was steckt hinter dem Super-Bubi, der mit 16 Jahren und 214 Tagen Geschichte schrieb? Und was hat der HSV mit Lemke vor?

Als der erste große Rausch am Montagmorgen verflogen war, wurde es Zeit, die Gefühlswelt mal ein wenig zu ordnen. „Überglücklich und dankbar, mein Bundesliga-Debüt für den HSV vor so einer krassen Atmosphäre gegeben zu haben“, ließ Lemke via Instagram wissen und versprach: „Ich werde weiter hart arbeiten für mehr solcher Momente.“

HSV-Talent Lemke wurde für Vuskovic eingewechselt

Vorangegangen waren am Sonntag 80 Sekunden, die Lemke sein Leben lang nicht mehr vergessen wird. 5:45 Minuten waren in der Nachspielzeit absolviert, als Lemke und Abwehr-Talent Shafiq Nandja (19) für Luka Vuskovic und Fábio Vieira das Spielfeld betraten. 45 Sekunden später erwischte der Youngster sogar zwei Kopfbälle, bei denen ihm die Nervosität allerdings verständlicherweise anzumerken war. Weitere 20 Sekunden später beendete Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie. Und Lemke strahlte bis über beide Ohren. Anschließend genoss er die Ovationen der Fans.

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Für den Linksverteidiger war es der vorläufige Höhepunkt eines kometenhaften Aufstiegs. Vor drei Jahren wechselte er aus der Jugend des Niendorfer TSV zum HSV. Im Oktober, kurz nach seinem 16. Geburtstag, verlängerte Lemke langfristig im Volkspark, obwohl nahezu alle deutschen Top-Klubs um ihn buhlten. Darunter sollen auch die Bayern, Dortmund, Leipzig und Leverkusen gewesen sein. Doch Lemke entschied sich gegen einen finanziellen Monster-Vertrag und für den HSV. Weil dem Talent der Weg gefiel, den ihm HSV-Sportdirektor Claus Costa und Nachwuchs-Boss Loic Favé aufzeichneten.

Ende Oktober trainierte er erstmals mit den HSV-Profis

Zurecht, wie sich schnell zeigte. Ende Oktober trainierte Lemke erstmals mit den Profis, im November dann debütierte er für die U21 (beim 1:0 bei der U23 von Hannover 96). Seitdem folgten zwölf weitere Auftritte im Regionalliga-Team, acht davon über 90 Minuten. Dazu kommen 14 Einsätze für die U19.

Shafiq Nandja und Louis Lemke lächeln vor der Nordtribüne.
Shafiq Nandja (l.) und Louis Lemke feierten ihr Profi-Debüt für den HSV nach dem Spiel vor der Nordtribüne.

Auch bei den Profis fasste der U17-Nationalspieler (neun Einsätze, drei Tore) schnell Fuß. Bereits Ende Januar (beim 2:2 gegen die Bayern) berief Merlin Polzin ihn erstmals in den Profi-Kader. Nun folgte das Bundesliga-Debüt, mit dem er Omar Megeed (beim Einstand 16 Jahre und 359 Tage alt) von Platz eins verdrängte. In der Liga-Geschichte gab es mit Youssoufa Moukoko (21/jetzt FC Kopenhagen), Paul Wanner (20/Eindhoven) und Linus Güther (16/Union Berlin) erst drei jüngere Debütanten.

Lemke gilt als bodenständig und erfrischend heiter

Ein Meilenstein für das Top-Talent, den Wegbegleiter als bodenständig beschreiben. Sie heben seine ansteckend positive Art hervor. Ein Beispiel: Kurz nach seinem ersten Profi-Training war er Gast des Hamburger Fußball-Verbandes und berichtete im Rahmen des Sternenhimmel-Cups den teilnehmenden Kindern (Jahrgang 2013) demütig von seinen ersten Erfahrungen beim HSV. Die Kids hingen an seinen Lippen.

Wie geht es weiter mit Lemke? Weil der Teenie noch eine Weile zur Schule geht (Gymnasium Heidberg), trainierte er bislang nach Möglichkeit einmal pro Woche bei den Profis, in den Ferien wurde das Pensum gesteigert. Möglich, dass die Anzahl der Einheiten zur kommenden Saison erhöht werden soll. Auch künftig dürfte er zwischen U21 und U19 pendeln – mit der Aussicht, immer mal wieder im Profi-Kader auftauchen zu können.

Auch der Niendorfer TSV freut sich über seinen HSV-Einstand

Frohlocken darf auch Lemkes alter Verein. Niendorf kassiert nach Lemkes Profi-Debüt eine Ausbildungsvergütung in Höhe von 35.000 Euro. Der NTSV hatte sich im Oktober 2022 auch schon über das Profi-Debüt von Tom Sanne (22/spielt jetzt beim bayerischen Viertligisten Wacker Burghausen) freuen dürfen.

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Dass es nun überhaupt dazu kam, hat der HSV auch Zwayers Geduld zu verdanken. Fünf Minuten betrug am Sonntag eigentlich die Nachspielzeit. Da es keine Spielunterbrechung gab, mussten Lemke und Nandja minutenlang auf ihre Einwechslung warten und zittern, ob es überhaupt noch dazu kommen würde. Dann aber wurde der 80-Sekunden-Traum doch noch wahr.