Der Ex-HSV-Boss und die dubiose Anzeige: Neue Entwicklung im Fall Kuntz
Die gegenwärtige Berichterstattung über den ehemaligen HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz wird nach wie vor von Fragezeichen begleitet. Am Montagmorgen hatte der Aufsichtsrat des Klubs in einem Statement bestätigt, dass im Dezember „Vorwürfe eines schwerwiegenden Fehlverhaltens“ aufgekommen seien. Dass es sich dabei um verbale sexuelle Belästigung gegenüber Mitarbeiterinnen handelt, schrieb das Kontrollgremium nicht. Diesen konkreten Vorwurf hatte die „Bild“ am vergangenen Wochenende benannt und zudem berichtet, dass Kuntz selbst eine Anzeige gestellt haben soll – wegen Stalkings. Doch an dieser Stelle bleibt es verwirrend.
Laut dem „Bild“-Bericht soll Kuntz bei der Staatsanwaltschaft Hamburg vorstellig geworden sein, kurz nachdem sich die erste HSV-Mitarbeiterin wegen des besagten Vorwurfs an den Aufsichtsrat gewandt hatte. Demnach soll der Ex-Sportvorstand bei der Behörde Anzeige gegen Unbekannt gestellt haben, weil er angeblich seit Juli 2025 „anonyme Nachrichten von einer Verehrerin erhalten“ habe. Diese hätten den 63-Jährigen „zunehmend beunruhigt“, heißt es in dem Bericht.
Anzeige wegen Stalkings ist LKA Hamburg „nicht bekannt“
Die Staatsanwaltschaft Hamburg erklärte gegenüber der MOPO an diesem Montag jedoch, dass ihr eine derartige Strafanzeige von Kuntz nicht vorliege. Möglich wäre, dass Kuntz eine solche Anzeige nur bei der Polizei gestellt habe. Auch die Pressestelle der Hamburger Polizei teilte am Dienstag allerdings auf MOPO-Anfrage mit, dass dem Landeskriminalamt (LKA) Hamburg eine solche Anzeige gegen Unbekannt wegen Stalkings „bislang nicht bekannt geworden“ sei.

Dazu muss erwähnt werden: Kuntz selbst oder seine Anwälte haben diesen konkreten Vorgang, wie ihn die „Bild“ beschreibt, bisher auch nicht öffentlich erwähnt – und damit weder bestätigt noch dementiert. Der ehemalige HSV-Boss hatte am Sonntagabend auf Instagram nur generell davon geschrieben, „gegen diese FALSCHEN Vorwürfe und Vorverurteilungen vorzugehen“. Diese hätten ihn „hart“ getroffen. Um sich juristisch zu wehren, hat Kuntz die Berliner Kanzlei Schertz Bergmann engagiert.
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Eine oder mehrere Anzeige(n) wurden in dem Statement des HSV-Aufsichtsrats ebenfalls nicht angeführt. Die Kontrolleure verwiesen auf den Persönlichkeitsschutz der betroffenen Personen – und sie wiesen den Vorwurf einer „Verleumdungskampagne“ gegen Kuntz als „klar unzutreffend und irreführend“ zurück. Laut „Bild“ stammt dieser Vorwurf von der „Kuntz-Seite“, also aus dem Umfeld des ehemaligen HSV-Vorstands. Der Manager selbst oder seine Anwälte haben sich hierzu bislang aber nicht öffentlich geäußert – was auch für die von der „Bild“ erwähnte Anzeige gegen Unbekannt gilt.
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