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„Das wäre vermessen“: Krüger verrät ihre HSV-Pläne – und macht eine Europa-Ansage

Kathleen Krüger lächelt vor dem HSV-Logo bei ihrer Vorstellung im Volksparkstadion.
Sportvorständin Kathleen Krüger legt beim HSV jetzt richtig los.

Kathleen Krüger vermeidet bei ihrer Vorstellung offensive Ansagen, sendet aber einige klare Signale. Sie will den HSV verstehen und in der Bundesliga etablieren. Für das herausfordernde Amt sieht sie sich „bereit“.

Der HSV demonstrierte Geschlossenheit, als Kathleen Krüger um kurz nach 14 Uhr den Pressekonferenzraum betrat. Aufsichtsratschef Michael Papenfuß und Henrik Köncke standen kurz mit auf der Bühne. Sportdirektor Claus Costa und Finanzboss Eric Huwer lauschten im Hintergrund. Insgesamt etwa 50 Personen – Journalisten, Fotografen und Vereinsmitarbeiter – hatten sich versammelt. Und die neue Sportvorständin? Die äußerte an ihrem offiziell ersten Arbeitstag beim HSV erste klare Botschaften und verriet ihre Ziele.

Eine kleine Überraschung hat Krüger im Volkspark schon erlebt. Als die 41-Jährige kürzlich erstmals das Stadion betrat, fiel ihr auf, dass viele ihrer neuen Kolleginnen und Kollegen Merch vom HSV trugen. „Hier herrscht sehr viel Leidenschaft“, staunt Krüger. „Ich wurde sehr freundlich und warmherzig empfangen.“ Die Kennenlernphase ist aber noch nicht beendet.

Kathleen Krüger möchte beim HSV viel „zuhören“

Eine der Kernbotschaften, die Krüger am Mittwochnachmittag aussendete, war diese: „Es gilt für mich, erst einmal zuzuhören.“ Sie will den Verein in seiner Gesamtheit verstehen, Prozesse und Strukturen nachvollziehen, Werte verinnerlichen und eigene einbringen. Die Sorge, dass Krüger Schwierigkeiten haben würde, den HSV öffentlichkeitswirksam zu repräsentieren und gezielt zu kommunizieren, schob sie bei ihrer Vorstellung beiseite. Die Neu-Chefin präsentierte sich eloquent, drückte bei einzelnen Themen wie der Zukunft von Trainer Merlin Polzin auf die Bremse und hielt sich mit offensiven Ansagen zurück, sandte aber manche klare Signale aus.

Kathleen Krüger spricht bei der HSV-Vorstellung vor einer Sponsorenwand mit Logo-Paneelen.
Die neue Sportvorständin Kathleen Krüger stellte sich am Mittwoch beim HSV vor.

So sagte die Managerin mit Blick auf die mittelfristigen Ziele mit der Bundesliga-Mannschaft: „Es wäre vermessen, heute über Donnerstagsspiele zu sprechen.“ An diesem Wochentag finden die internationalen Partien in der Europa League sowie der Conference League statt. Es sind Wettbewerbe, deren Erreichen man im Volkspark nicht anpeilt für das zweite Jahr nach dem Aufstieg. „Die Erwartung und der Anspruch an den HSV liegen weit oben“, weiß Krüger, sagt aber: „Die Realität ist, dass wir das Zielbild haben, uns in der Bundesliga zu etablieren.“

Erstes Ziel: Etablierung in der Bundesliga

Es ist das sportliche Hauptvorhaben, das die Sportvorständin kurzfristig für das Männer-Team formuliert. Langfristig möchte Krüger keine Fantasien wecken. „Jeder sieht das Potenzial im Verein“, sagt sie einerseits – und meint andererseits: „Trotzdem ist es unsere Verantwortung, entwicklungsorientiert die nächsten Schritte gehen zu wollen.“ Die Botschaft diesbezüglich: „Wir wollen alles andere als verwalten.“ Der HSV will aber eben demütig bleiben, realistisch.

Es passt zu Krügers Vita, nicht den einen Schritt vor dem anderen zu gehen. Beim FC Bayern arbeitete sie sich erst von der sportlichen Assistentin zur Teammanagerin und schließlich zur Leiterin für Strategie und Entwicklung hoch. Sie stellt klar: „Ich habe meine Karriere noch nie im Voraus geplant. Ich habe auf den einzelnen Etappen aber immer wieder gespürt: Ich könnte jetzt einen Schritt weiter gehen.“ Den Wechsel zum HSV, in die erste Reihe, geht Krüger mit Respekt, aber ohne Furcht an. Ihre eindeutige Message: „Ich fühle mich bereit. Und sicher.“

„Unfassbare“ Vorfreude aufs erste HSV-Heimspiel

Die Kompetenzen anderer Mitarbeiter möchte die gebürtige Echingerin nicht beschneiden, und sie weiß bereits, was sie an Spieltagen auf keinen Fall tun wird: auf der Auswechselbank Platz nehmen. „Das ist nicht mein Tanzbereich“, betont Krüger. „Ich freue mich aber definitiv, von der Tribüne die Spiele alle live und in Farbe und voller Emotionen begleiten zu können.“ Einen Wunschgegner für den ersten Spieltag, der am Donnerstagmittag feststehen wird, hat Krüger nicht – „ich freue mich nur unfassbar auf das erste Heimspiel.“ Als Krüger von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Volksparkstadion berichtete, wurde es kurz nostalgisch.

Vor dem Hamburger Abstieg 2018 trat sie jährlich mit dem FC Bayern die Reise in den Norden an. „Da bin ich regelmäßig in die Bus-Garage hier gefahren, dann aber nach rechts abgebogen (zur Auswärtskabine; d. Red.) und nicht nach links (zur HSV-Umkleide; d. Red.).“ Als damalige Teammanagerin der Münchner saß Krüger im Innenraum auf der Bank, nicht nur während der Spiele, sondern auch schon vor dem Anpfiff – und genoss die Atmosphäre, die durch Lotto King Karl und „Hamburg meine Perle“ befeuert wurde: „Ich kann mich noch erinnern, wie diese Hebebühne vor der Nordtribüne hochgefahren ist – und ich aus der rechten Kabine noch mal kurz raus bin, um das mitzunehmen – weil ich das schon immer sehr, sehr besonders fand.“

WM 2030: Träume von einem DFB-Star vom HSV

Nun ist der Volkspark Krügers neues berufliches Zuhause. Wie die aktive Fanszene tickt, ließ sie sich bereits erklären. Für eine Erkundungstour in der Stadt hat die Zeit aber bisher nicht gereicht: „Ich hatte noch nicht viel Gelegenheit, Hamburg zu erkunden. Ich weiß aber, dass es eine der schönsten Städte der Welt ist.“ Auch diese Botschaft ließ sie sich nicht nehmen – und für eine allerletzte war am Ende des rund 45-minütigen Auftritts dann auch noch Platz.

Zum Abschluss der Pressekonferenz, als es um das blamable Aus der deutschen Nationalelf im WM-Achtelfinale gegen Paraguay ging, wurde Krüger gefragt, ob der HSV bei der nächsten Weltmeisterschaft in vier Jahren einen der DFB-Stars stellen werde. „Wenn wir das schaffen“, antwortete Krüger, „dann zahlt das definitiv auf unser Zielbild ein. Wir würden uns natürlich freuen, wenn dann in vier Jahren auch ein HSV-Spieler dabei wäre.“ Ganz gleich, ob in Hamburg bis dahin wieder europäisch Fußball gespielt wird. Da ließ sich Krüger nicht locken.

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