Merlin Polzin brüllt an der Seitenlinie

Merlin Polzin war nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner HSV-Profis gegen Leipzig. Foto: imago images/Oliver Ruhnke

„Das Letzte, womit wir anfangen“: Wo war die Energie im HSV-Stadion?

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Die HSV-Profis gingen nach der 1:2-Pleite gegen RB Leipzig selbst mit sich ins Gericht. „Wir hatten leider nicht das Niveau der letzten Wochen“, gab Yussuf Poulsen zu. „Wir sind nicht an unser Maximum rangekommen“, gestand Daniel Heuer Fernandes. Und Miro Muheim räumte ein: „Die ganze Mannschaftsleistung hat heute nicht so ganz gepasst.“ Es war ein kollektiver Minusauftritt. Merlin Polzin nahm sich da explizit nicht heraus. Der HSV-Trainer übte von sich aus Selbstkritik – und wollte kein schlechtes Wort über die Fans verlieren.

Wo war sie, die große Energie im Volksparkstadion, die den HSV in dieser Saison schon zu so vielen überraschend positiven Ergebnissen getragen hatte? Man denke an das 1:1 gegen Dortmund. An das 2:1 gegen Stuttgart. Oder zuletzt an das 2:2 gegen den FC Bayern. Mit Leipzig gewann ein anderes Topteam der Liga nun aber vollkommen verdient in Hamburgs Festung. Für den HSV war es die erste Heimpleite seit dem 0:1 gegen Wolfsburg im Oktober.

Die HSV-Ultras kritisierten den Termin mit Spruchbändern

Die Arena war wie immer voll gefüllt, diesmal jedoch konnte der Anhang die Mannschaft nicht zum Punktgewinn peitschen. Die Fan-unfreundliche Anstoßzeit am Sonntagabend könnte ein Faktor gewesen sein. Bereits mit dem Anpfiff kritisierten die HSV-Ultras den 19.30-Uhr-Termin mit mehreren Spruchbändern. Auf der Nordtribüne stand geschrieben: „Eingeführt für Europapokalteilnehmer. Umgesetzt für HSV – Scheiß RB. Lügner, Heuchler, Fußball-Feinde. Pro Samstag 15.30 Uhr.“ Außerdem flogen Tennisbälle auf das Spielfeld, die die gerade erst begonnene Partie schon wieder unterbrachen. Die deutliche Fan-Kritik richtete sich an die Spielplanmacher von der DFL. Und auch Polzin sagte nach dem Abpfiff: „Man kann sicherlich über die Anstoßzeit sprechen.“ Doch danach stellte der HSV-Trainer klar: „Das sollte jetzt nicht ablenken von der Leistung, mit der ich heute einfach nicht zufrieden bin.“

Die HSV-Ultras zeigten Spruchbänder gegen das späte Sonntagsspiel in der Bundesliga. IMAGO/Justus Stegemann
HSV-Ultras zeigen Spruchbänder gegen das späte Sonntagsspiel in der Bundesliga
Die HSV-Ultras zeigten Spruchbänder gegen das späte Sonntagsspiel in der Bundesliga.

Polzin haderte mit der Leistung seiner Profis – und sah sie als hauptursächlich dafür an, dass der Funke zwischen den Tribünen und dem Spielfeld nicht so sehr übersprang wie schon so oft in dieser Saison. „Das Letzte, womit wir hier beim HSV anfangen werden und auch ich persönlich, ist, die Energie von den Rängen zu bemängeln“, sagte er. „Ich weiß, dass insbesondere die Jungs und Mädels hinterm Tor versuchen, das ganze Stadion und die Mannschaft anzuzünden. Aber ich betone immer wieder: Der erste Schritt muss immer von uns kommen. Deshalb liegt es sicherlich daran, dass wir auf dem Platz gewisse Dinge zeigen müssen, um eine Energie im Stadion zu entfachen.“

Gehaltener Elfmeter sorgte nicht für den HSV-Umschwung

Das ist den Spielern gegen Leipzig misslungen. Dabei spielte das frühe Führungstor durch Fábio Vieira dem HSV voll in die Karten, die Lautstärke im ausverkauften Volkspark war in der 22. Minute gewohnt ohrenbetäubend. Die beiden Gegentore durch Rômulo (36.) und Yan Diomande (50.) wirkten aber wie Stimmungsdämpfer. Der parierte Strafstoß von Daniel Heuer Fernandes (62.) hatte das Zeug, den Umschwung einzuleiten. Die Fans feierten die Parade so sehr wie schon Heuer Fernandes‘ Elfmeter-Glanztat vor knapp zehn Monaten im Aufstiegsspiel gegen den SSV Ulm (6:1).

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Doch der HSV wusste den besonderen Moment diesmal nicht für sich zu nutzen. „Ich war froh, dass ich den Elfmeter halten konnte“, sagte Heuer Fernandes. Der Keeper erklärte: „Wir haben immer im Bewusstsein, dass wir mit einer Aktion noch ein Tor machen können. Deswegen war die Stimmung im Stadion vorhanden, sodass wir doch noch den Ausgleich schießen könnten – gerade in den letzten Minuten, als wir noch mal alles versucht haben.“ Eine Initialzündung ging von dieser 62. Minute aber nur bedingt aus. Die eingewechselten Jean-Luc Dompé, Poulsen und Rayan Philippe belebten das Offensivspiel kaum bis gar nicht. Und so blieb es beim 1:2. Und am Ende viel Fan-Frust.

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