„Das ist verrückt!“ Capaldo staunt über den HSV – und verrät Messi-Story
Wichtiger Schritt für Nicolás Capaldo und seine Freundin Agustina: Das Paar unterschrieb pünktlich vor dem Mallorca-Trip des neuen Mittelfeldspielers und seiner Teamkollegen einen Mietvertrag in Hamburg. Die Stadt kennt der Argentinier noch nicht wirklich, dafür aber den HSV und den FC St. Pauli. In der MOPO vergleicht der 26-Jährige das Derby mit einem legendären Duell in seiner Heimat. Capaldo spricht über Diego Maradona, seinen harten Spielstil, ikonische Mitspieler – und Lionel Messi: „Es gibt da eine Verbindung …“
MOPO: Sie haben bei RB Salzburg mit vielen Bundesliga-erfahrenen Profis gespielt, etwa mit Benjamin Sesko (von RB Leipzig zu Manchester United gewechselt), Karim Adeyemi (Borussia Dortmund) oder Ex-HSV-Leihgabe Ignace Van der Brempt (jetzt Serie-A-Klub Como): Hat er Ihnen zu dem Wechsel nach Hamburg geraten?
Nicolás Capaldo: Ja. Inni hat mir geschrieben, als er von meinem bevorstehenden Wechsel gelesen hat. Wir haben uns über den Verein, das Stadion und die HSV-Fans ausgetauscht, auch über Merlin. Er war ja Co-Trainer, als Inni hier war. Er hat mir viel Positives erzählt. Seine Worte waren hilfreich.
Nicolás Capaldo sucht beim HSV eine Herausforderung
Sie wurden zweimal Meister in Österreich, spielten 22-mal Champions League. Fällt es Ihnen schwer, dass es beim HSV nicht um Titel geht, sondern den Klassenerhalt?
Nein. Ich sehe es als neue Challenge, die ich nach vier Jahren in Salzburg unbedingt wollte. Als mein Berater mir von der Chance erzählt hat, wusste ich sofort: Ich will zum HSV. Das Ziel ist der Klassenerhalt. Ich spüre aber, dass in Zukunft mehr drin sein kann.
Seit Sie unterschrieben haben, hat der HSV vier Testspiele in Folge verloren (das Interview wurde vor dem 0:2 gegen RCD Mallorca, der fünften Niederlage in Serie, geführt; d. Red.). Macht Ihnen das Sorgen?
Nein, ich bin nicht beunruhigt. Wir haben einige Neuzugänge, sind in der Vorbereitung. Die Tests sind dafür da, um Ideen und Prinzipien der Trainer einzustudieren. Wenn man gewinnt, ist das schön, aber die Niederlagen ändern nichts. Sie schärfen eher noch mal unsere Sinne.
Passt die neue Spielidee, die Trainer Merlin Polzin beim HSV etablieren will, zu Ihren Stärken?
Vor meinem Wechsel hatte ich einen Videocall mit Merlin. Er hat mir erklärt, wie er spielen will und welche Rolle er für mich vorsieht. Ich habe in dem System zuvor noch nicht gespielt, aber wir fühlen uns immer wohler. Merlin hat mir gezeigt, warum er mich braucht. Ich muss aber zugeben: Ich war schon vor dem Call überzeugt vom HSV.
Matthias Jaissle (37) war Ihr erster Trainer in Europa. Er war Mitte 30, als Sie zu RB Salzburg kamen, ist detailverliebt. Tickt Merlin Polzin genauso wie Ihr Ex-Coach?
Ihre Wege sind sehr ähnlich. Matthias kam in Salzburg von der zweiten zur ersten Mannschaft, Merlin wurde beim HSV vom Assistenten zum Chefcoach. Diese jungen Trainer strahlen viel Energie aus, sind extrem engagiert, weil sie ihre Chance nutzen wollen. Wenn ich sehe, dass sie alles raushauen, will ich auch hundert Prozent geben.
Capaldo vergleicht den HSV mit Heimatklub Boca Juniors
Bei vielen deutschen Fans sind Vereine wie RB Salzburg, hinter denen Konzerne stehen, unbeliebt. Spüren Sie schon, inwiefern der HSV als Traditionsklub anders tickt? Beim Lyon-Test waren 45.000 Fans.
Der HSV hat mich sofort an meinen Heimatklub erinnert: die Boca Juniors. Das macht es umso schöner, hier zu sein. Ich möchte ein Teil der Geschichte des Vereins werden. Und 45.000 Fans bei einem Testspiel? Das ist verrückt. Ich bin gespannt, was abgeht, wenn bei Heimspielen im Volkspark 57.000 Fans hinter uns stehen. Darauf freue ich mich sehr.
Daniele de Rossi, Ihr Ex-Mitspieler, stand in seiner Profi-Karriere bei nur zwei Klubs unter Vertrag. Von 2002 bis 2019 bei der AS Rom, dann fünf Monate mit Ihnen bei den Boca Juniors. Was war für Sie das Beeindruckendste an ihm?
Als Daniele zu Boca kam, sprach er nur Italienisch. Aber nach zehn Tagen hat er begonnen, mit jedem Spanisch zu reden. Das hat mich überrascht. Daniele kam als Legende zu jungen Spielern wie mir, hat viele Tipps gegeben. Er ist ein super Typ.
De Rossi, Tevez, Maradona: Capaldo spricht über Legenden
Auch Sturm-Legende Carlos Tévez ist Ihr Ex-Mitspieler. Hat er Ihnen zum HSV-Wechsel gratuliert?
Nein, vielleicht hat er es nicht mitbekommen. Wir sprechen nicht regelmäßig, aber schreiben manchmal. Carlos war der Kapitän bei Boca, unser Leader. Er hat uns gelehrt, wie man sich im Spiel und in der Kabine verhält. Er war ein großer Lehrer.
2020 haben Sie zusammen die argentinische Meisterschaft gewonnen – und den nationalen Pokal, die „Copa Diego Armando Maradona“. Es gibt ein Foto, auf dem Sie und Carlos Tévez die Trophäe in der Kabine halten.
Das ist ein sehr besonderes Bild. Ich bin Boca-Fan, seit ich klein bin, habe als Kind jedes Spiel geschaut. Mit einem Idol wie Carlos Pokale zu gewinnen, ist eine riesige Ehre für mich.
Der Pokal wurde nach Diego Maradona benannt – eine Legende mit einzigartigem Spielstil. Ihre Spielweise ist eine ganz andere …
… zu 1000 Prozent (lacht). Ich würde mich niemals mit Diego Maradona vergleichen. Er ist eine Legende – und gemeinsam mit Lionel Messi der beste Fußballer der Geschichte. Sprechen wir lieber über die „normalen“ Spieler wie mich (lacht).
HSV-Abräumer Capaldo sieht sich als positiv-aggressiv
Sie gelten als aggressiver Zweikämpfer. Müssen sich die Fans sorgen, dass Sie wegen vieler Gelber Karten oft gesperrt sind?
Das werden wir sehen. Gelbe Karten gehören zum Fußball und lassen sich manchmal eben nicht vermeiden. Ich bin ein aggressiver Spieler, im positiven Sinne aber (lacht).
Sie haben in der Vorsaison gegen Madrid um Kylian Mbappé gespielt, in der Champions League auch schon gegen die Bayern. Duelle mit Stars scheinen Sie nicht zu fürchten.
Nein, warum auch? Wenn ich auf den Platz gehe, heißt es: Elf gegen Elf, der Bessere gewinnt. Es geht nicht darum, wer die besseren Einzelspieler hat, sondern darum, wer als eine Einheit kämpft.
In der Bundesliga könnte es schnell heiß hergehen. Am 3. Spieltag spielen Sie in München, am 2. Spieltag kommt der FC St. Pauli. Ist das der optimale Start?
Wir wollen gut in die Saison starten. Schon unser erstes Heimspiel ist das Stadtderby – das wollen wir natürlich gewinnen.
Haben Sie schon vor Ihrem Wechsel vom Stadtderby gehört?
Ich verfolge den Fußball in Deutschland schon länger und kenne das Stadtderby. Ich bin mit Carlos Zambrano befreundet, der vor einigen Jahren bei St. Pauli gespielt hat. Auch mit Rodolfo (Cardoso; d. Red.), der ja im Nachwuchs beim HSV arbeitet, habe ich viel über die Klubs gesprochen.
Capaldo: HSV-Stadtderby kann mit Superclásico mithalten
Sie haben viermal den legendären Superclásico erlebt, das Duell der Boca Juniors mit River Plate. Kann das Stadtderby da mithalten?
Beim Superclásico steht ganz Argentinien für einen Tag still. Ich weiß es nicht, aber nach allem, was man mir bisher erzählt hat, ist es in Hamburg mit dem Stadtderby relativ ähnlich.
Beim WM-Finale 2022 in Katar waren Sie im Stadion. Argentinien schlug Frankreich. Wie gerne wären Sie auf dem Platz gewesen?
Weltmeister zu werden, ist als Fußballer das Maximum. Argentinien hat mehr als 30 Jahre lang darauf gewartet. 2022 beim Finale waren Freunde von mir auf dem Platz: Alexis Mac Allister und Nahuel Molina. Ihr Erfolg hat mich sehr glücklich gemacht.
Ihr A-Nationalelf-Debüt steht noch aus. Glauben Sie noch daran?
Jeder schielt auf seine Chancen und gibt alles, um einen Anruf zu erhalten. Aber das Wichtigste ist, im Verein erfolgreich zu sein. Bisher hat es keinen Kontakt gegeben.
HSV-Profi Capaldo hat eine Verbindung zu Lionel Messi
Lionel Messis letztes großes Ziel mit der Nationalmannschaft dürfte die WM 2026 sein. Was würde es Ihnen bedeuten, einmal mit ihm den Platz teilen zu dürfen?
Mit Messi zu spielen, ist – wie für jeden argentinischen Fußballer – natürlich ein Traum für mich. Als er bei PSG war, habe ich gehofft, dass wir in der Champions League gegen ihn spielen – leider nicht. Den Argentiniern würde es alles bedeuten, wenn Messi auch die WM 2026 spielt. Er ist immer noch topfit. Leider habe ich ihn noch nicht persönlich kennengelernt. Aber es gibt da eine Verbindung …
Welche?
Marcelo Weigandt (25, auch Argentinier; d. Red.) ist sein Mitspieler bei Inter Miami. Marcelo ist mein Kumpel – und macht manchmal den Mate-Tee für Messi (lacht).