„Das ist geil!“ Baumgart schwärmt vor Rückkehr von zwei HSV-Profis
Es ist nicht irgendeine Rückkehr, sondern eine ganz besondere. Ende November 2024 wurde Steffen Baumgart beim HSV entlassen, knapp 15 Monate später kehrt er mit Union Berlin in den Volkspark zurück (Samstag, 15.30 Uhr, Liveticker auf mopo.de). Der 54-Jährige, der seit Kindheitstagen HSV-Fan ist, macht keinen Hehl daraus, dass die anstehenden 90 Minuten einen besonderen Stellenwert für ihn haben werden. „Ich freue mich auf ein sehr emotionales und interessantes Spiel und kann sagen, dass schon eine große Aufregung mitschwingt“, stellt Baumgart vor dem Auftritt fest.
Für den Trainer ist es nach seinem Aus die erste Rückkehr in den Volkspark, auch privat schaute er bislang nicht bei seinem alten Arbeitgeber vorbei. Das lag auch daran, weil er zügig wieder einen neuen Job antrat. Keine sechs Wochen, nachdem beim HSV Schluss war, heuerte der Coach Anfang 2025 bei Union Berlin an.
Baumgart war nur neun Monate lang Trainer des HSV
Baumgarts HSV-Zeit dauerte nur neun Monate (ab Februar 2024). Die Zuneigung zu dem Verein ist dennoch geblieben, wie er im Gespräch mit den HSV-Medien verriet. „Ich habe schon häufiger erwähnt, dass der HSV der Verein ist, für den ich schon immer einmal arbeiten wollte“, so Baumgart. „Ich wollte nicht bei Bayern, Dortmund oder irgendeinem anderen großen Klub arbeiten, sondern mein Wunsch war der HSV. Das durfte ich, das hat man mir ermöglicht. Dass es nicht so erfolgreich war, wie wir uns das alle vorgestellt haben, ist leider manchmal im Fußball so. Manche Dinge kann man nicht berechnen.“

Nach saisonübergreifend nur 27 Pflichtspielen und dem Sturz auf Platz acht der zweiten Liga war die Mission des Ex-Profis im Volkspark schon wieder beendet. Dabei war Baumgart bei seiner Ankunft vom Anhang fast schon wie ein Messias empfangen worden.
Wie werden die HSV-Fans auf Baumgart reagieren?
Offen ist, wie der Anhang nun auf Baumgart reagieren wird. Von Vereinsseite gibt es jedenfalls keine Ressentiments. „Ich habe bisher immer das Glück gehabt, dass ich zu meinen ehemaligen Vereinen im Guten wiederkommen konnte. Bisher hat mir noch keiner in den Kaffee gespuckt“, sagt Unions Trainer augenzwinkernd. Und weiter: „Du musst eine vernünftige Zusammenarbeit auf Augenhöhe finden, wenn du da bist, und du musst es noch besser hinkriegen, wenn du dann weggehst. Ich habe wirklich nichts Negatives von der HSV-Seite gehört, eher sogar noch einen gewissen Dank, als es mit dem Aufstieg geklappt hat. Das zeigt schon, dass nicht alles schieflief, auch wenn wir uns natürlich andere Ergebnisse gewünscht hätten.“
Ohne Groll erkennt Baumgart auch die HSV-Entwicklung nach seiner Entlassung an. Die Entscheidungen, seinen Assistenten Merlin Polzin zum Chefcoach zu machen und Loic Favé noch stärker einzubinden, „waren richtig, weil sie zum gewünschten Ergebnis geführt haben. Da kann man nur gratulieren. Es ist für alle das Beste herausgekommen.“ Den Aufstieg des HSV habe er „mit Freude“, erlebt: „Ganz generell haben wir doch alle darauf gewartet, dass so ein Verein wieder zurück in der Bundesliga ist. Das gilt zumindest für die meisten Personen, die ich kenne. Und ich bin mir relativ sicher, dass ich keinen vergessen habe, zu dieser Leistung zu gratulieren.“
Die HSV-Profis Muheim und Vuskovic begeistern Baumgart
Zwei aktuelle HSV-Profis haben es Baumgart vor der Rückkehr besonders angetan: „Miro Muheim hat sich sehr gut entwickelt, auch von seiner Persönlichkeit her. Auch Luka Vuskovic leistet mit seinen 18 Jahren Außergewöhnliches.“ Er weiß aber auch: „Ein einzelner Spieler wird Union nicht schlagen, und wir werden auch nicht nur gegen einen einzelnen Spieler gewinnen.“
Mit dem Engagement in Köpenick schlug Baumgart das nächste besondere Kapitel seiner Karriere auf. Der Berliner Stadtteil, in dem Union beheimatet ist, wurde für Baumgart und seine Familie schon vor vielen Jahren zum Lebensmittelpunkt und Rückzugsort. „Du bist zu Hause, und das ist gleichzeitig die Gefahr“, lässt er wissen. „Wann hast du mal die Möglichkeit, in unserem Job zu Hause zu arbeiten? Wenn es positiv läuft, dann ist alles gut, und ich würde das Umfeld hier auch als etwas ruhiger als in Hamburg bezeichnen. Aber wenn es negativ läuft, dann bist du eben ständig vor Ort und wirst damit konfrontiert.“ Sein Fazit: „Es soll nicht falsch verstanden werden, aber an anderen Standorten ist man ein „Reisender“. Man versucht, seinen Job so gut wie möglich zu machen, und wenn es läuft, dann kann es länger dauern, und wenn nicht, dann ist man irgendwann weg. Hier in Köpenick habe ich nicht nur eine Tasche, sondern eine Wohnung – hier werde ich nie weg sein.“
Der HSV steht vor seinem 1887. Bundesligaspiel
Nun steht aber erstmal die Rückkehr in den Volkspark an. Und das ausgerechnet zur 1887. Bundesligapartie, die der HSV bestreitet – passend zum Gründungsjahr des Vereins. „Das ist geil!“, schwärmt Baumgart. „Mehr geht ja fast nicht. Das ist ja fast zu kitschig, um wahr zu sein. Diesen Meilenstein zu erreichen, zeigt die Größe und Tradition dieses Vereins.“
Das könnte Sie auch interessieren: Nach HSV-Abgang: Rätsel um Kaufoption auf dieses Talent
Auch am Samstag rechnet Baumgart mit einer elektrisierenden Atmosphäre im Volkspark: „Es wird eine geile Stimmung, besonders mit den positiven Ergebnissen im Rücken, die der HSV zuletzt erzielt hat.“ Nur eines sollte sich aus seiner Warte im Vergleich zu den letzten Monaten verändern. Ende Oktober verlor der HSV letztmals im eigenen Haus, ist dort seit sechs Spielen ungeschlagen. Baumgart stellt klar: „Wir müssen eine sehr gute Leistung bringen, um eine Chance zu haben. Denn wir treffen auf eine Mannschaft, die endgültig dabei ist, sich mit ihren Leistungen und ihrer Spielgestaltung in der Bundesliga zu etablieren.“ 0:0 endete das Hinspiel in der Alten Försterei, damals fehlte Baumgart wegen einer Sperre. Nun kommt es endlich zum Wiedersehen mit Polzins HSV. (sim)
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.