HSV

„Das ist der HSV 2.0.“: Spieler-Boss will Platz 18 loswerden

Die HSV-Mannschaft posiert vor voller Tribüne im Volksparkstadion vor dem Testspiel gegen den FC Everton.
Trotz 1:2-Pleite: Gegen den FC Everton zeigte der HSV um Nicolai Remberg (l.) eine gute Leistung.

Nicolai Remberg treibt den HSV in der Vorbereitung an. Woran das Team vor dem Saisonstart arbeitet – und warum die Laufdaten zum großen Thema werden.

Nicolai Remberg holte sich erst mal einen Kaffee, als er am Montagmittag mit dem HSV im Homeground von Adidas eintraf. Auch ohne das koffeinhaltige Getränk im Körper wäre der neue Kapitän bei der ersten Trainingseinheit in Herzogenaurach aber ziemlich sicher voranmarschiert. Remberg ist austrainiert und absolviert häufig Extraläufe mit seinem „Schüler“ Louis Lemke (16), den er individuell fördern will. Es geht ihm derzeit aber auch um ein Mannschaftsziel.

Die späte 1:2-Pleite gegen den FC Everton wollte Remberg nicht darauf schieben, dass der HSV eine lange Trainingswoche mit mehreren Zwei-Stunden-Schichten hinter sich hatte. „Nee, das ging“, kommentierte er seinen 75-Minuten-Einsatz. Müde Beine – ja, vielleicht. „Aber wir haben gesagt: Wir wollen“, stellte der 26-Jährige klar.

HSV war das laufschwächste Team in der Vorsaison

Remberg präsentiert sich seit dem Vorbereitungsbeginn als so etwas wie der Spieler-Boss im Volkspark. Er geht auf dem Platz mit Worten und Energie voran, sucht die Duelle und bei Bedarf den Austausch mit Mitspielern. Künftig tut er all das mit der Kapitänsbinde an seinem Arm, was ihn persönlich stolz macht. Im Vordergrund steht aber weiterhin die Entwicklung des Teams, die im dritten Camp des Sommers vorangetrieben werden soll.

Nicolai Remberg vom HSV dribbelt im Testspiel gegen Everton auf dem Rasen.
Der neue Kapitän des HSV: Nicolai Remberg (r.) trug im Test gegen Everton erstmals die Binde.

„Wir wollen genau so sein, dass wir Schritt für Schritt die Intensität im Training anpassen. Das ist der HSV 2.0“, erklärte Remberg und benannte das Ziel, „dass wir irgendwann in der Liga einfach nicht mehr bei den Laufdaten auf Platz 18 landen“. So war es in der Vorsaison. Der HSV spulte 2025/26 laut den offiziellen Bundesliga-Daten insgesamt 3898,6 Kilometer ab und damit gut 80 weniger als der Vorletzte Borussia Mönchengladbach (3981,1 Kilometer). Spitzenreiter war die TSG Hoffenheim mit 4171,7 Kilometern über 34 Spieltage.

Remberg sieht Potenzial im Spiel gegen den Ball

Eine solche Top-Marke wird für den HSV aufgrund des vorhandenen Kaders und der Spielphilosophie von Merlin Polzin und Loic Favé auch in der neuen Spielzeit kaum möglich sein. Die Trainer wollen den Fußball des Teams aber weiterentwickeln, auch im Ballbesitz Schritte nach vorn sehen – und: noch mehr Dynamik defensiv wie offensiv, um Rang 18 in der besagten Statistik loszuwerden.

„Ich glaube, wir sind läuferisch schon ganz gut dabei, was wir in der Intensität geben“, zog Remberg am Samstag eine Zwischenbilanz. Das Spiel mit dem Ball gefiel dem Mittelfeldmann gegen Everton schon ziemlich gut, in der Arbeit gegen den Ball sieht er noch Potenzial. „Ich will nicht sagen, da fehlt es noch, aber da sind die Abstimmungen noch nicht ganz klar, auch in den Höhen.“

In Herzogenaurach geht es um den Feinschliff

Es müsse noch „klarer“ werden, in welchen Höhen und Zonen der HSV aktiv verteidigen wolle, „damit wir voll kompakt stehen“. Beim ersten Gegentor durch Merlin Röhl war das gegen Everton nicht der Fall. Da zeigte sich: Starke Teams wie das aus der Premier League nutzen jeden Abstimmungsfehler eiskalt aus. „Ich finde aber, wir haben ein gutes Spiel gemacht“, meinte Remberg und hatte recht.

Mit dem bisherigen Stand der Vorbereitung sei er zufrieden. Jetzt geht es um den Feinschliff. Exakt drei Wochen nach dem am Montagnachmittag erfolgten Startschuss in Herzogenaurach steht die erste DFB-Pokalrunde beim SC Verl an (24. August). Dann sollte der HSV läuferisch auf einem (vorläufigen) Top-Niveau angekommen sein.

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