„Das hat er mir erklärt“: Warum Polzin in die Schiri-Kabine ging
Die wohl kniffligste Szene des Sonntagabends bewertete Bastian Dankert richtig. Nach einem Handspiel von Nicolai Remberg im HSV-Strafraum entschied der Referee folgerichtig auf Elfmeter für RB Leipzig – auch wenn der Verursacher damit nicht einverstanden war. „Ich kann das nicht verstehen, weil ich den Ball mit dem Kopf berühre und er dadurch an meine Hand kommt. Aber der Schiri sagt, das ist ihm zu wenig“, erzählte Remberg nach der 1:2-Pleite, die Dankert keinesfalls zu verschulden hatte. Zumal Rômulo vom Punkt vergab (62.). Das wusste auch Merlin Polzin. Der Trainer suchte nach dem Schlusspfiff dennoch den Weg in die Schiri-Kabine.
„Ich war eben noch mal da“, berichtete Polzin auf der Pressekonferenz. „Wir sind immer gut im Austausch und aktiv, damit wir es so gestalten, wie es sein muss.“ Einerseits kassierte die Bank des HSV in dieser Saison so viele Gelbe Karten wie keine andere. Anderseits betont Polzin immer wieder, trotz der Flut an Verwarnungen einen guten Dialog mit den Unparteiischen pflegen zu wollen. Dabei geht es nicht immer um Kritik, sondern gegenseitiges Verständnis.
Schiri-Lob – aber Polzin wünschte sich mehr Nachspielzeit
Am späten Sonntagabend lobte Polzin den 45-jährigen Dankert sogar explizit: „Ich finde, dass der Schiedsrichter eine sehr kontrollierte Leistung gezeigt hat. Er hat heute einiges dafür getan, damit ein gutes Spiel stattfinden kann.“ Schon an der Seitenlinie gab es während der 90 Minuten mehrfach einen kurzen Austausch. Dankert erklärte Polzin seine Sicht zu bestimmten Szenen. Zudem hob der HSV-Coach die Arbeitsweise von Felix Bickel (29) hervor: „An der Stelle ist auch zu erwähnen, dass der vierte Offizielle zwischen den Bänken einen herausragenden Job gemacht hat. Er hat dazu beigetragen, dass wir uns darauf konzentrieren konnten, was auf dem Platz stattfand – unabhängig davon, ob wir zufrieden damit waren, was wir gezeigt haben.“ Mit der Leistung seiner Profis war Polzin nicht happy.

Weil RB-Stürmer Romulo am Elfmeterpunkt an Daniel Heuer Fernandes gescheitert war, war der Ausgleich dennoch bis zum Schluss im Bereich des Möglichen. Der HSV war offensiv nicht gefährlich, hätte mit einer einzelnen Aktion aber irgendwie noch das späte (und eher unverdiente) 2:2 erzwingen können. Da gefiel es Polzin nicht, dass es bei den gut sechs Minuten Nachspielzeit blieb, die Bickel ursprünglich angezeigt hatte – denn Leipzigs Trainer Ole Werner tauschte erst in der 91. und dann in der 95. Minute noch zweimal durch, um Zeit von der Uhr zu nehmen.
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„Ich hätte mir vielleicht die eine oder andere Sekunde mehr Nachspielzeit gewünscht durch diese beiden Wechsel“, sagte Polzin im Nachgang. Warum Hauptreferee Dankert darauf aber verzichtet hatte, „das hat er mir noch einmal erklärt“. Mit diesem Gespräch in der Schiedsrichter-Kabine, das mehrere Minuten lang dauerte, war das Thema für Polzin dann aber erledigt. Zumal ihm wichtig sei: „Es sollte darum gehen, dass Produkt Bundesliga bestmöglich darzustellen.“ In Bezug auf die Kommunikation mit den Unparteiischen war dies für den Trainer definitiv der Fall.
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