HSV
„Danach war klar: Ich mache das!“ Wie Costa den HSV-Zugang begeisterte
Gerade erst wechselte Kofi Amoako aus Dresden nach Hamburg, da verspricht er den Gegnern schon einen heißen Tanz. Der 21-Jährige verrät, warum der HSV seinen Zuschlag erhielt.
Er ist in diesem Sommer bislang das einzige wirklich neue Gesicht des HSV. Kofi Amoako feiert in Dänemark seinen Einstand und hat einiges vor mit seinem neuen Verein. Vor allem aber freut sich der aus Dresden gekommene Mittelfeldspieler auf eine Auswärtsfahrt, die vermutlich bei keinem anderen HSV-Profi derart weit oben in der Highlight-Liste rangiert.
Das mit Argentinien sollte er vielleicht nicht zu laut hinausposaunen, sonst könnte es demnächst ungemütlich werden. Natürlich verfolgt auch Amoako die WM, doch der 21-Jährige stellt etwas ernüchtert fest: „Alle Teams, die ich supportet habe, sind draußen: Portugal mit Cristiano Ronaldo, Deutschland und Ghana auch.“ Jetzt hat er nur einen Wunsch: „Ich hoffe, dass Argentinien nicht gewinnt.“
Auch Capaldo ist mittlerweile beim HSV eingetroffen
Wäre ganz gut, wenn Nicolás Capaldo davon nichts erfährt. Am Donnerstag traf auch der Vize-Kapitän, der nur haarscharf an seiner WM-Teilnahme mit der „Albiceleste“ vorbeischrammte, unter großem Jubel der Kollegen in Helsingør ein. „Er wird mich bestimmt verstehen“, sagt Amoako grinsend, „ich supporte nun mal Ronaldo.“ Ob er damit aber wirklich auf Verständnis bei jemandem stößt, der gerade noch zusammen mit Lionel Messi Seite an Seite trainierte und spielte, sei mal dahingestellt.
Amoako und Capaldo sollen beim HSV künftig an einem Strang ziehen. Dass sich der gebürtige Hannoveraner trotz des Interesses zahlreicher anderer Vereine für den Wechsel in den Volkspark entschied, ist nicht zuletzt das Verdienst von Claus Costa. „Der Unterschied zu den anderen Sportdirektoren, mit denen ich gesprochen habe, war, dass Claus persönlich gekommen ist“, berichtet Amoako von den Gesprächen. „Wir haben uns zwischen Hamburg und Dresden getroffen. Das war das Ausschlaggebende. Es hat alles gepasst, dazu kam diese Wertschätzung. Ich dachte immer, man spricht über Zoom miteinander, so kannte ich es auch aus der Vergangenheit. Für mich war es neu, dass ein Sportdirektor zu mir kommt.“
Amoako war heimlich bei einem HSV-Heimspiel zu Gast
Ein Besuch im Volksparkstadion rundete die Nummer ab. Ende April schaute sich Amoako die Partie gegen Hoffenheim (1:2) an. „Meine Freundin kommt aus Hamburg, also sind wir einfach zu ihr nach Hause gefahren und dann direkt zum Spiel. An dem Wochenende habe ich dann noch mit Merlin (Polzin, die Red.) und dem Trainerteam gesprochen. Danach war klar: Wenn alles passt, mache ich das mit dem HSV.“
Dort angekommen, will sich Amoako zunächst mal unterordnen. „Ich habe mir vorgenommen, erst mal anzukommen. Es gibt keinen Zeitplan für mich. Ich will mich entwickeln und gucken, wie das Niveau ist und wo ich stehe.“ Und er hat eine klare Vorstellung von dem, was er der Mannschaft geben möchte: „Ich mache die Drecksarbeit für die Abwehr und die Drecksarbeit für die Offensive.“ Und weiter: „Das mache ich gern, sonst wäre ich nicht hier. Früher habe ich es geliebt, Tore zu schießen. Aber an einem gewissen Punkt habe ich gemerkt: Das ist nicht mein Job. Ich klaue lieber die Bälle, um das Spiel für die anderen Jungs einfacher zu machen. So bin ich auch Profi geworden.“
In Wolfsburg wurde Amoako zum Bundesligaspieler
Es ist ein Weg, der kontinuierlich nach oben führte. Ausgebildet in Wolfsburg, schaffte es Amoako mit 18 Jahren beim VfL zu zwei Kurzeinsätzen in der Bundesliga, ehe Gastspiele in der 3. Liga (Osnabrück) und mit Dresden in Liga zwei folgten. „Ich kam aus der Bundesliga und nun bin ich wieder zurück“, stellt er selbstbewusst fest. Zwei Gastspiele hat er dabei besonders im Blick. Natürlich das in Dortmund, am ersten Spieltag – beim BVB, wo Niko Kovac das Zepter schwingt: „Er hat mich damals in Wolfsburg hochgezogen und zum Bundesligaspieler gemacht, das war cool von ihm.“
Auf Amoakos zweite Sehnsuchts-Reise würde man hingegen nicht so ohne Weiteres kommen: „Ich freue mich sehr, in Paderborn spielen zu dürfen und Pit Reimers wiederzusehen.“ Unter dem früheren HSV-Jugendcoach trainierte Amoako einst in Osnabrück, mittlerweile ist Reimers Assistent in Paderborn. Der HSV-Profi schwärmt: „Wir haben uns in der 3. Liga gesehen, in der 3. Liga gesehen und jetzt sehen wir uns in der ersten Liga wieder.“
Neues Mittelfeld-Duo mit Remberg?
Dort will Amoako jetzt nicht nur Fußspuren, sondern auch blaue Flecken hinterlassen. Aufgrund seiner Körperlichkeit im Spiel tun sich Parallelen zu HSV-Kämpfer Nicolai Remberg auf. „Ich will jetzt viel von ihm lernen und dann hoffentlich mal neben ihm oder für ihn spielen“, sagt der Neue und schickt direkt mal eine Warnung an die kommenden Gegner: „Wenn wir beide spielen, wird es sehr ungemütlich …“
Fuß fassen, Gas geben, mit dem HSV erfolgreich sein – das schwebt Amoako vor. Und dann gibt es da noch ein zweites großes Saisonziel: Er will sein Dänisch verbessern. „Die Mutter meiner Freundin ist Dänin“, lässt er wissen. „Zu Hause sprechen sie auch Dänisch. Deshalb lerne ich gerade die Sprache.“ Es gehe ja auch darum, privat ein paar Pluspunkte zu sammeln, sagt Amoko und lacht. Man könnte sagen: Läuft für ihn. In jeder Hinsicht.
Sie sind bereits M+ Abonnement?