Fábio Vieira und Merlin Polzin an der Seitenlinie

HSV-Coach Merlin Polzin will Fábio Vieira (l.) und Co. die richtigen Rezepte mit an die Hand geben. Foto: WITTERS

„Dafür werden wir bezahlt“: Die HSV-Lehren gegen neuen Heim-Frust

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So enttäuscht wie am Sonntagabend hatten die HSV-Fans den Volkspark monatelang nicht verlassen. Auch Merlin Polzin war ob der Leistung seiner Profis frustriert – ging nach dem 1:2 aber dennoch mit einem positiven Gedanken ins Bett, wie er nun verriet: „Es war ein cooles Gefühl, nach der Niederlage einzuschlafen und zu wissen: In drei Tagen stehst du wieder hier und dann geht es wieder um drei Punkte.“ Am Mittwochabend (20.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) sollen diese eingefahren werden – damit kein neuer Heim-Frust entsteht.

Gegen Leipzig vermisste Polzin Grundsätzliches. Die sogenannten Fußball-Basics, die man immer, vor allem aber als Aufsteiger an den Tag legen sollte, um in der Bundesliga und besonders gegen eine Top-Mannschaft wie RB Leipzig mitzuhalten. Es fehlte zum Beispiel an Intensität – ein Kernelement, das die HSV-Trainer stets einfordern, sowohl im Spiel mit als auch gegen den Ball. In der Analyse der verdienten Heimpleite kam es schon am Montag zur Sprache.

HSV-Trainer Polzin vermisste gegen Leipzig die Intensität

„Wir haben es klar angesprochen“, berichtete Polzin am Dienstag. „Dafür werden wir bezahlt. Das ist meine und unsere Aufgabe als Trainer, dass wir Dinge klar ansprechen – und die Intensität war nicht in dem Maße, wie wir es schon gezeigt haben.“ Genau deshalb haderte der 35-Jährige auch so mit dem Auftritt gegen RB. Weil der HSV in dieser Saison eigentlich bewiesen hat, zu wissen, was es benötigt, um in der Bundesliga zu bestehen. Der Prozess wies klare Entwicklungsschritte auf. Doch die Leistung vom Sonntagabend war ein ebenso klarer Rückschritt – auch wenn zur Wahrheit natürlich dazugehört, dass mit Leipzig ein Verein mit einem Kaderwert von 434,4 Millionen Euro im Volkspark gastierte. Die Werkself aus Leverkusen ist in dieser Hinsicht nicht weit entfernt: 421,7 Millionen Euro.

Merlin Polzin war nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner HSV-Profis gegen Leipzig. imago images/Oliver Ruhnke
Merlin Polzin brüllt an der Seitenlinie
Merlin Polzin war nicht zufrieden mit dem Auftritt seiner HSV-Profis gegen Leipzig.

Gegen Bayer benötigt der HSV wieder das Maximum. Das ist alternativlos, wie Polzin weiß: „Wenn wir am Limit sind, können wir richtig gute Spiele machen. Dann geht es nicht um einzelne Parameter, die man sich herauspickt, sondern um eine Gesamterscheinung, die wir auf dem Platz brauchen.“ Bei aller Stärke des Gegners war das Bild, das der HSV gegen Leipzig abgab, nicht gut genug. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis erklärt Polzin so: „Wir haben angesprochen, dass wir als Mannschaft eine Reaktion zeigen wollen, was unseren eigenen Standard angeht.“ Ob dieser Standard gegen einen Champions-League-Klub wie Bayer 04 letztlich reichen würde, stehe auf einem anderen Blatt Papier. „Aber die Leistung können wir auf jeden Fall beeinflussen“, betont Polzin und ist sicher: „Meine Mannschaft ist so eingestellt, dass wir wieder das Gesicht zeigen, das wir aus den Spielen im Volkspark kennen.“

HSV hat hohe Ansprüche – kennt aber die harte Realität

Der HSV zeigte es in dieser Saison schon gegen den BVB (1:1), den VfB Stuttgart (2:1), Werder Bremen (3:2) oder den FC Bayern (2:2). Am Sonntag aber gab es erstmals seit dem 0:1 gegen den VfL Wolfsburg im Oktober wieder Heimspiel-Frust. Um den Wiederholungsfall abzuwenden, haben Polzin und Co. viele grundsätzliche, aber auch fußballerische Lehren gezogen. Der Chefcoach vermisste gegen Leipzig einige „Details im Spiel gegen den Ball, was unsere Distanzen anging“. Bedeutet: Der HSV war teilsweise zu weit weg vom Gegenspieler, beispielsweise Jordan Torunarigha von Vorlagengeber Ridle Baku vor dem 1:1. „Aber auch in der Positionierung im Spiel mit dem Ball war das eine oder andere nicht passend“, so Polzin. „Und dass dann Dinge wie Energie und Körperbereitschaft auf dem Platz gefehlt haben, das sollte man mit den Jungs kritisch analysieren.“ Das haben die Coaches am Montag getan.

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Polzin geht es um die richtige Mischung. Einerseits verkennt er den Blick auf die Realität nicht und erkennt es an, wenn ein Gegner wie RB übermächtig ist und dem HSV keine Chance lässt. „Wir dürfen die Wahrheit nicht aus den Augen verlieren, dass wir auch auf Mannschaften treffen, die nicht ganz so schlecht sind“, sagt er, will damit die öffentliche Erwarungseinhaltung einordnen oder sogar bremsen, hat aber natürlich recht. Auch ein Heimsieg gegen Leverkusen ist für den Bundesliga-Rückkehrer HSV keine Selbstverständlichkeit, die Überaschungserfolge gegen andere Topteams sollten niemanden blenden. Gleichzeitig haben die Hamburger mit den Punktgewinnen gegen die Bayern und Co. selbst für gestiegene Ansprüche gesorgt. Und denen möchte Polzin auch künftig gerecht werden.

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„Das ist das, wofür wir tagtäglich arbeiten“, betont er. Und sagt mit Blick auf Leverkusen: „Wenn wir einen Prozent weniger geben, haben wir keine Chance. Aber das ist eine coole Ausgangslage, weil wir wissen: 100 Prozent müssen wir auf jeden Fall abliefern.“ Das wollen auch die HSV-Fans sehen – um den Volkspark wieder glücklich zu verlassen.

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