4:113 Tore! Früherer Bundesliga-Klub stürzt dramatisch ab – Ex-HSV-Boss betroffen
Zwölf Spiele, zwölf Niederlagen, null Punkte und 4:113 Tore. Was klingt wie die Statistik des Tabellenletzten einer provinziellen Kreisliga, ist in Wahrheit die Bilanz eines früheren Bundesliga-Klubs. Borussia Neunkirchen, einst ein Aushängeschild des Saarlands und in den 1960er-Jahren drei Jahre lang Bundesligist, erlebt seit der Winterpause ein Desaster. Der finanziell schon länger angeschlagene Klub ist insolvent, kickt mittlerweile nur noch in der 6. Liga – und versinkt dort nun noch tiefer im sportlichen Chaos. Fast jedes Spiel geht zweistellig verloren. Und Ex-HSV-Boss Stefan Kuntz wird die dramatische Entwicklung ganz genau beobachten.
Zusammenfassung:
- Borussia Neunkirchen: 12 Spiele, 12 Niederlagen, 0 Punkte.
- Insolventer Klub aus der 6. Liga mit 4:113 Toren.
- Ex-HSV-Boss Stefan Kuntz verfolgt die desaströse Entwicklung.
0:11 gegen den FC Marpingen, 0:11 gegen Preußen Merchweiler, 0:10 gegen die DJK Ballweiler-Wecklingen und an diesem Wochenende nun 1:12 gegen die SpVgg Quierschied. Das sind nur vier der jüngsten Ergebnisse von Borussia Neunkirchen in der sechstklassigen Saarlandliga. Seit dem Jahreswechsel sind solche Resultate trauriger Alltag in der saarländischen Kreisstadt, die viele Jahre zum festen Etat des deutschen Profifußballs gehört hatte. Diese Zeiten aber gehören längst der Vergangenheit an.
Glasfaser-Skandal bringt die Borussia in Probleme
Im November 2025 macht ein Bestechungsskandal im Saarland die Runde. Es geht um vermeintliche Unregelmäßigkeiten bei Aufträgen von Glasfaser-Ausbauarbeiten in der Region und um mögliche Veruntreuung von Geldern in diesem Zusammenhang. Darin verwickelt sei nach Informationen des Saarländischen Rundfunks auch ein ehemaliger Abteilungsleiter der Deutschen Glasfaser, der als Trainer bei der Borussia aktiv war. Der Vorwurf von illegalem Sponsoring stehe laut SR im Raum. Die Ermittlungen richten sich demnach zwar nicht gegen den Verein selbst, führten aber zum Rückzug zahlreicher Sponsoren.

Wenige Wochen später offenbart der Vorstand des Traditionsvereins aus Neunkirchen die düsteren Zahlen der Gegenwart. Die Borussia habe – ohnehin verschuldet durch das teure Ellenfeldstadion – inzwischen mehr als 300.000 Euro Schulden angehäuft und kaum mehr Sponsoren. „Dadurch ist uns die wirtschaftliche Grundlage für die Weiterführung der Saison 2025/26 entzogen worden“, teilt Neunkirchen Anfang Dezember mit. Daher müsse man ein Insolvenzverfahren einleiten – schon das dritte in diesem Jahrtausend.
Team von Borussia Neunkirchen zerfällt komplett
Die Folgen sind dramatisch: Fast alle Spieler verlassen den Verein, Trainer Kevin Lüder stellt eine Notmannschaft aus Reservisten der 2. Mannschaft (A-Klasse) und der U19 zusammen. Irgendwie soll der Spielbetrieb nach der Winterpause fortgesetzt werden. Und „irgendwie“ trifft es – denn schnell wird deutlich, dass das Team nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Das erste Saarlandliga-Spiel beim FC Rastpfuhl (0:7) und im Landespokal gegen die Sportfreunde Köllerbach (1:8) gehen deutlich verloren, eine Woche später wird es beim 2:11 gegen den Tabellenletzten SV Bliesmengen-Bolchen erstmals zweistellig.
| Datum | Begegnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| 28.02.2026 | FC Rastpfuhl – Borussia Neunkirchen | 7:0 |
| 04.03.2026 | Borussia Neunkirchen – SF Köllerbach | 1:8 |
| 08.03.2026 | Borussia Neunkirchen – SV Bliesmengen-Bolchen | 2:11 |
| 11.03.2026 | 1. FC Saarbrücken II – Borussia Neunkirchen | 9:0 |
| 15.03.2026 | SV Elversberg II – Borussia Neunkirchen | 13:0 |
| 20.03.2026 | Borussia Neunkirchen – TuS Herrensohr | 0:10 |
| 29.03.2026 | FC Marpingen – Borussia Neunkirchen | 11:0 |
| 01.04.2026 | Borussia Neunkirchen – Preußen Merchweiler | 0:11 |
| 06.04.2026 | Borussia Neunkirchen – SC Halberg Brebach | 0:8 |
| 12.04.2026 | Borussia Neunkirchen – FV 09 Schwalbach | 0:3 |
| 17.04.2026 | DJK Ballweiler-Wecklingen – Borussia Neunkirchen | 10:0 |
| 24.04.2026 | Borussia Neunkirchen – SpVgg Quierschied | 1:12 |
Immer wieder informiert Neunkirchen auf seiner Website über den Stand des Verfahrens, der Insolvenzverwalter kommt regelmäßig zu Wort. Ende März prognostiziert er dem Traditionsverein die wohl bevorstehende Auflösung, weil er eine Eigensanierung „ohne massives Sponsoring […] nicht im Ansatz“ für möglich hält. Da sich der Vorstand nicht mehr handlungsfähig sieht, tritt er zum 1. April geschlossen zurück. Der Verein versinkt endgültig ganz tief im Chaos.
Notvorstand soll den Verein aus dem Chaos retten
Ein dreiköpfiger Notvorstand, der an diesem Wochenende die Geschäfte aufnahm, soll die Borussia nun irgendwie noch vor dem Zerfall retten. Die Chancen dafür scheinen nicht sehr groß. Und sportlich geht die Talfahrt ungebremst weiter – in den zwölf Partien seit der Winterpause hat die junge Mannschaft zwölf Niederlagen und 4:113 Tore angesammelt. Der Klub selbst reagiert inzwischen fast selbstironisch auf die Ergebnisse. „Einen solch torreichen Abend wie gestern hat es wohl in der Saarlandliga noch nicht gegeben“, schreibt er etwa über das jüngste 1:12 gegen die SpVgg Quierschied.

Und Quierschied zollt der Borussia im Anschluss sogar Respekt. „Konkurrenzfähig ist man in Saarlands höchster Liga nicht wirklich“, heißt es aus der kleinen Gemeinde bei Saarbrücken. „Aber Respekt gehört den kämpfenden Akteuren und den Spielern allemal. Ohne sie wäre das Licht eines Vereins mit großer Strahlkraft – weit über die saarländische Landesgrenze hinaus – vielleicht schon endgültig ausgegangen. Menschen, die nicht groß im Rampenlicht stehen, blutet das Borussen-Herz.“
Ex-HSV-Boss Stefan Kuntz wuchs in Neunkirchen auf
Einer, dem das Borussen-Herz ebenfalls bluten dürfte, ist Stefan Kuntz. Der Ex-Sportvorstand des HSV ist in Neunkirchen geboren und begann bei der Borussia einst mit dem Fußballspielen. Er verbrachte seine gesamte Jugend bei dem ehemaligen Bundesligisten, bei dem sein Vater Günter zu den Leistungsträgern zählte. Im Alter von 18 Jahren wurde Kuntz schließlich selbst zum Profi bei Schwarz-Weiß und debütierte 1981 in der 2. Bundesliga Süd. Nach dem Abstieg von Neunkirchen schoss sich der spätere Europameister zum Torschützenkönig der Oberliga Südwest und in den Fokus der Topklubs.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere begann Kuntz bei der Borussia auch seine Laufbahn als Trainer, und coachte den Klub in der Saison 1999/2000 zur Oberliga-Meisterschaft. Auch zu seiner Zeit als HSV-Boss, die zum 31. Dezember 2025 endete, machte der 63-Jährige nie ein Geheimnis aus der Verbundenheit zu seinem Heimatverein. „Da habe ich meine gesamte Jugend verbracht“, hatte Kuntz im Oktober 2024 der MOPO gesagt und von seiner Heimat erzählt: „Wenn ich da in die Bäckerei gehe, bin ich für die Leute einfach nur der Stefan und niemand anders. Das tut schon unglaublich gut.“ Seit 2021 ist Kuntz Ehrenbürger von Neunkirchen.
Wie es mit seinem geliebten Heimatverein weitergeht, ist offen. Vier Spiele stehen in der aktuellen Saison der Saarlandliga noch aus, doch das sportliche Abschneiden in der Tabelle ist zweitrangig. Für Borussia Neunkirchen geht es in diesen Wochen ums Überleben.
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