Bleibt er beim HSV? Heuer Fernandes spricht nach kurioser Szene über seinen Vertrag
Was haben die HSV-Fans in dieser Saison im Volkspark nicht schon alles erlebt. Die bittere Derby-Pleite gegen St. Pauli, mehrere euphorisch gefeierte Last-Minute-Tore, die berauschenden Erlebnisse gegen Werder und Bayern. Beim 3:2 gegen Union Berlin aber wurden sie Zeuge der bislang wohl kuriosesten Szene dieser HSV-Spielzeit, noch dazu einer spielentscheidenden. Im Mittelpunkt: HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes, der hinterher gut lachen hatte – und sich erstmals nach längerer Zeit auch wieder zum Stand der Vertragsverhandlungen mit dem HSV äußerte.
Der 33-Jährige wusste genau, worauf er sich einließ, als er wenige Minuten nach dem Abpfiff die Mixed Zone im Bauch des Stadions betrat. „Lasst uns über die 47. Minute reden“, stellte er gegenüber den wartenden Journalisten breit grinsend klar und gab dann bereitwillig Auskunft zu allem, was in der zweiten Minute der Nachspielzeit in Durchgang eins passiert war. Diese eine Szene, die die Berliner fassungslos zurückließ und die der HSV am Ende mit einem lässigen Lächeln quittieren konnte.
Sekunden nach Heuer Fernandes’ Fauxpas traf der HSV zum 2:1
Was war passiert? Nach einem Steilpass der Gäste wollte der weit aus dem Tor geeilte Heuer Fernandes in Manuel-Neuer-Manier per Kopf klären, verfehlte die Kugel aber. Unions Andrej Ilic zog auf und davon, das sichere 2:1 für seine Mannschaft vor Augen. Doch der Serbe, gerade im Strafraum angekommen, verfehlte das Ziel, schoss flach links vorbei – auch, weil HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha ihn hart bedrängte. Im direkten Gegenzug traf Nicolás Capaldo dann zur 2:1-Führung für den HSV.

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„Das war vielleicht ein Schlüsselmoment, den ich mir nicht so gewünscht habe“, sagte Heuer Fernandes über seine missglückte Rettungstat. „Aber das passiert, mein Torwartspiel ist mutig. Ich bin froh, dass Jordan noch mal alles rausgehauen und den Gegner unter Druck gesetzt hat. Vielleicht war das der Grund, dass er nicht ins Tor schießen konnte.“ Und weiter: „So konnten wir Union dann ungeordnet erwischen und in Führung gehen. Ich war erleichtert, weil ich weiß, dass es vorher eine Riesenchance war für den Gegner.“
HSV-Keeper Heuer Fernandes war gegen Union mit dem Glück im Bunde
Das sah man Heuer Fernandes bei seinem Torjubel an. „Schwein gehabt“, so in etwa war seine Geste zu deuten. Nur Sekunden lagen zwischen dem möglichen Rückstand und der Hamburger Pausenführung, die dem Spiel eine ganz andere Note verlieh.

Während Union-Trainer Steffen Baumgart haderte („Da müssen wir 2:1 führen, eine klarere Chance gibt es glaube ich nicht mehr“), freute sich HSV-Coach Merlin Polzin: „Das war eine kuriose Szene, die uns natürlich extrem geholfen hat. Wir müssen eigentlich in Rückstand geraten, können das Ganze dann für uns drehen, sodass wir im Gegenzug in Führung gehen. Das hat uns geholfen, auch in der Art und Weise, wie wir spielen wollen.“
Der HSV-Torwart verteidigt seinen offensiven Spielstil
Und Heuer Fernandes? Der nahm es mit Humor. „Solche Aktionen werden vielleicht in Zukunft noch mal vorkommen“, erklärte der Keeper, verteidigte aber zugleich seinen offensiven Spielstil: „Die Großzahl an Möglichkeiten, bei denen ich sonst die Bälle kläre, ist klar auf meiner Seite.“
Wie lange aber wird Heuer Fernandes noch im HSV-Trikot auflaufen? Im Sommer endet sein Vertrag, die Gespräche bezüglich einer Verlängerung sind angelaufen. Vieles spricht dafür, dass der Schlussmann auch nach dieser Spielzeit das HSV-Trikot tragen wird.
Der HSV möchte gern mit Heuer Fernandes verlängern
Angesprochen auf den Stand der Gespräche legte Heuer Fernandes dann allerdings sein Pokerface auf, zumindest versuchte er es. „Wir sind gerade in den Startlöchern, es ist noch nicht viel passiert, es gibt keine Richtung“, stellte er fest. „Die Zukunft wird zeigen, wohin die Reise geht.“ Dann aber versicherte er den Journalisten: „Ihr wisst, wie glücklich ich hier bin, der Verein ist auch glücklich mit mir. Ich bin Woche für Woche froh, hier auf dem Platz zu sein.“
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Beim HSV hofft man, dass es im Laufe des Februars zur Einigung kommt und dann Klarheit darüber herrscht, dass Heuer Fernandes auch künftig das Hamburger Tor hüten wird. Das wollte dieser am Samstagabend so nicht bestätigen, machte sich nach dem Union-Spiel aber bestens gelaunt auf den Heimweg. „Das Glück war auf unserer Seite“, stellte er fest. Nach einer kuriosen Nummer, die auch für ganz andere Schlagzeilen hätte sorgen können. Heuer Fernandes wird es wissen, er ist Torwart – da kennt man das nur zu gut.
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