Bittere Nummer: Bei Öztunali bekommt der HSV ein Millionen-Problem

Levin Öztunali ist verzweifelt nach einem HSV-Spiel
Eines der aktuellsten Bilder von Levin Öztunali im HSV-Trikot. Es wurde im Testspiel gegen Holstein Kiel aufgenommen – im September.

Sein letzter Einsatz ist schon so lange her, dass sich kaum noch jemand daran erinnert. Mitte November (beim 2:4 im Test gegen Twente Enschede) durfte Levin Öztunali noch mal für die HSV-Profis auflaufen, kurz darauf wurde er zur U21 versetzt. Was blieb, ist eine für alle Seiten unbefriedigende Situation. Wie aber soll es nach der Sommerpause weitergehen? Der HSV steht vor einer schwierigen Aufgabe – und einem Millionen-Problem.

Als die HSV-Profis kürzlich auf dem Rathausbalkon posierten und von rund 40.000 Fans bejubelt wurden, war von Öztunali nichts zu sehen. Alles andere hätte auch überrascht, zumindest auf dem Papier aber zählt auch er zu den Aufstiegsspielern des Vereins. Zweimal durfte der 29-Jährige in der vergangenen Hinrunde bei den Profis ran, ehe er Ende November (nach der Entlassung von Trainer Steffen Baumgart) zum Regionalliga-Team abgeschoben wurde. Die Krux: Dort durfte Öztunali zwar trainieren, wurde in den Partien aber nicht eingesetzt, um Talenten des Vereins keine wertvolle Spielzeit zu rauben. Nun stellt sich die Frage: Wie geht es weiter?

Levin Öztunali hat wohl keine Zukunft mehr beim HSV

Noch befindet sich Öztunali im Sommerurlaub, doch schon in Kürze könnte er im Volkspark zurückerwartet werden. Zwei Wochen vor den Profis, am 16. und 17. Juni, treffen sich die U21 und ihr neuer Trainer Lukas Pfeiffer zu ersten Leistungstests. Die Entscheidung, ob auch Öztunali dann direkt dabei sein soll, ist noch nicht gefallen. Fest steht allerdings: Die Tür nach oben bleibt für ihn auch nach der Sommerpause verschlossen. Öztunali wird nicht in den Profi-Kader zurückkehren.

Levin Öztunali schaut nachdenklich nach oben
Freizeit-Look statt HSV-Trikot: Levin Öztunali darf seit November nicht mehr bei den Profis mittrainieren.

Eine vertrackte Situation, die sich durch den Aufstieg noch verschärft hat. Bis Sommer 2026 läuft Öztunalis Vertrag im Volkspark noch. Doch obwohl er seit einem halben Jahr nicht mehr zum Profi-Kader zählt, ist er für den HSV kürzlich sogar noch teurer geworden.

Bereits in der vergangenen Saison zählte Öztunali (kam im Sommer 2023 von Union Berlin zum HSV) zu den Besserverdienern des Kaders. Sein Jahressalär soll zwischen 500.000 und 700.000 Euro liegen. Durch den Aufstieg aber greift bei dem früheren Junioren-Nationalspieler – wie bei zahlreichen anderen Profis – die Klausel einer Gehaltserhöhung für die Bundesliga, die im Bereich von etwa 30 Prozent anzusiedeln ist.

Schon im Winter suchte HSV nach einer Öztunali-Lösung

Ein kostspieliges Unterfangen, dessen sich die HSV-Bosse bewusst sind. Bereits im vergangenen Winter arbeiteten sie intensiv an einer Lösung und boten Öztunali eine Vertragsauflösung an, verbunden mit einer finanziellen Entschädigung. Die allerdings wurde aus Sicht des Spielers und seines Managements als nicht lukrativ genug erachtet. So entwickelte sich der 190-fache Bundesligaspieler (kickte im Oberhaus für Leverkusen, Werder, Mainz und Union) zum Trainings-Dauerbrenner bei der U21.

Mete Öztunali, Ilka Seeler und Levin Öztunali an der Uwe-Seeler-Allee
August 2024: Levin Öztunali mit Oma Ilka und Vater Mete bei der Einweihung der Uwe-Seeler-Allee im Volkspark

In Kürze sollen die Gespräche bezüglich einer Lösung erneut aufgenommen werden. Der HSV setzt darauf, dass sich auch die Spielerseite nun intensiver mit einem Abschied befasst. Nach MOPO-Informationen ist Öztunali zumindest offen für Gespräche mit anderen Vereinen, Interesse an ihm gibt es aber noch nicht. Die zeitweise aufgekommenen Gedanken an ein frühes Karriereende sollen mittlerweile nicht mehr akut sein. Klar ist jedoch: Ohne üppige Abschiedszahlung im mittleren sechsstelligen Bereich wird der HSV keine Chance haben, Öztunalis Vertrag aufzulösen. Der Spieler weiß: Einen Kontrakt wie diesen wird er in seiner Karriere wohl nirgendwo mehr bekommen.

Grundsätzlich soll bei Öztunali weiterhin Unverständnis darüber vorherrschen, warum er von den HSV-Bossen überhaupt degradiert wurde. Nach Baumgarts Entlassung hatte die sportliche Führung beschlossen, den Seeler-Enkel und auch Moritz Heyer (wechselte Ende Januar zu Fortuna Düsseldorf) nicht mehr bei den Profis mittrainieren zu lassen. Das Verhältnis zwischen Spieler und Verein ist seitdem verständlicherweise abgekühlt. Aber: Erst kürzlich gab es nach MOPO-Informationen einen telefonischen Austausch zwischen Sportdirektor Claus Costa und Öztunali, bei der sich beide Seiten gegenseitig versichert haben sollen, eine für alle gute Lösung Richtung Sommer anzustreben.

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Ob es so weit kommt, bleibt allerdings offen. Momentan spricht vieles dafür, dass Öztunali vorerst weiterhin HSV-Klamotten tragen wird – vielleicht schon ab Mitte Juni, beim Sommer-Aufgalopp der U21.