„Bester der Liga“: Um diesen Spieler beneidet KSC-Trainer Eichner den HSV
KSC gegen den HSV: Es hat Tradition, dass es bei dieser Paarung seit fast zehn Jahren heiß hergeht, auch mal knallt. „Das nehme ich auch so wahr“, bestätigt Christian Eichner, der sich einst mit Tim Walter fetzte und der auf einige „wahnsinnige Spiele“ voller Brisanz und Spektakel zurückblickt. Aber Karlsruhes Chefcoach schwärmt auch vom Gegner – und ist nun ausgerechnet der, der die HSV-Fans beruhigt.
Eichner, geboren in Sinsheim und seit gut fünf Jahren Profitrainer des KSC, scheut keine Konfrontation. Er ist ehrlich an den Mikros, impulsiv an der Seitenlinie – aber auch ein Realist. „Wir haben jetzt fünf Punkte Rückstand auf Platz drei“, weiß der 42-Jährige. „Wenn wir da noch einmal in Schlagdistanz kommen wollen, müssen wir am Sonntag gewinnen – und vermutlich auch danach noch dreimal.“ Nur mit einem Sieg in Hamburg können die Karlsruher ihre Aufstiegschancen wahren, nachdem zur Winterpause noch Rang zwei dastand.
Eichner und der KSC haben kaum noch Aufstiegschance
„Wenn es in der Rückrunde die Chance gab, näher ranzukommen, haben wir sie nicht genutzt“, bedauert Eichner und nennt auch den Abgang von Zwölf-Tore-Stürmer Budu Zivzivadze, der im Januar zum 1. FC Heidenheim wechselte, als Grund dafür. Der Strategiewechsel aus dem Sommer, vermehrt auf Talente zu setzen und Spielerwerte zu generieren, brachte neue Herausforderungen. Eichner zieht einen Vergleich zum HSV. „Welcher Klub könnte Robert Glatzel sonst so gut ersetzen?“, fragt er und liefert die Antwort mit: „Das hat Davie Selke geschafft.“
Selke traf auch im Hinspiel, das der da erstmals von Merlin Polzin trainierte HSV Anfang Dezember mit 3:1 gewann. Hinterher schwärmte Eichner von Daniel Elfadli („Einer der spielintelligentesten Spieler der 2. Liga“) und von Doppelpacker Jean-Luc Dompé („Das habe ich noch nicht so oft gesehen“). Gegenüber der MOPO legt er nun nach, schwärmt vom „großartigen“ HSV-Kader und nennt weitere Beispiele: „Der Ausfall von Miro Muheim tut sicher sehr weh, er hat sich zu einem der besten Spieler der Liga entwickelt auf seiner Position. Ludovit Reis, Jonas Meffert, der wahrscheinlich unersetzlich ist für den HSV – da ist viel zusammengewachsen.“ Längst habe der HSV „eine moderne DNA“.
Wenn Eichner einen Gegner aus dem Effeff kennt, dann den aus dem Volkspark. Mit keinem Verein duellierte er sich in seiner Trainer-Karriere so oft, am Sonntag trifft er zum zwölften Mal auf den HSV. „Es ist nach wie vor eines der Top-Spiele für mich“, sagt Eichner und erinnert an sein Debüt als Zweitliga-Coach gegen den im Februar 2020 noch von Dieter Hecking trainierten HSV (0:2). „Dann hatten wir einige positive Schlachten gegen Tim Walter – mit unfassbaren Spielverläufen.“ Und mit einigem Zündstoff an der Seitenlinie.
Auf keinen Verein traf Christian Eichner öfter als den HSV
Im November 2021 gerieten Eichner und Walter erstmals aneinander, und Ersterer gab in der MOPO schon 2023 zu: „Es ist schon immer etwas wild, wenn wir auf den HSV treffen. Auch neben dem Platz, das stimmt.“ Die Spannungen zwischen den Klubs sind auch aus Eichners Sicht auf die dramatisch verlorene Relegation 2015 zurückzuführen: „Ich war selbst nicht dabei, aber da ist etwas passiert, was die Spiele gegen den HSV für unsere Fans immer etwas brisanter macht.“
Duell HSV gegen Karlsruhe sorgt immer für große Brisanz
Es ist eine einseitig gelebte Abneigung. Der Kern der HSV-Fans gibt wenig auf den KSC-Anhang – beide Szenen durften sich in den Vorjahren aber über einige Torfestivals freuen. „Es waren wahnsinnige Spiele dabei, auch im DFB-Pokal“, denkt Eichner etwa an das 4:5 nach Elfmeterschießen im Viertelfinale 2021/22. „Der HSV ist immer ein toller Gegner. So oft spielen meine Spieler und ich nicht vor 57.000 Fans.“ Am Sonntag ist es wieder so weit. Dann sollte der HSV die jüngsten Rückschläge vergessen machen, um die Aufstiegsangst nicht zu befeuern.
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„Dass der HSV zweimal nicht gewonnen hat, passiert. In dieser Phase kommt viel zusammen. Ich nehme den HSV sehr stabil wahr aus der Ferne“, urteilt Eichner und ergänzt lachend: „Vielleicht beruhige ich da ein paar Hamburger. Wenn sie das Spiel ziehen, wäre es ein großer Schritt.“ Der KSC-Coach lässt die HSV-Fans also hoffen – sagt aber auch: „Für uns ist der Reiz immer groß, in Hamburg zu überraschen. Unser Wunsch ist, zu gewinnen. Das hat für mich aber nichts mit dem HSV zu tun.“ Dennoch wäre es irgendwie typisch für diese Paarung, sollte der KSC den Spielverderber geben.