„Ansatzweise eine Chance“: HSV hat Bayerns Schwächen erkannt
Um den FC Bayern zu überraschen, will Merlin Polzin keine „völlig wilden und verrückten Dinge“ tun. „Sondern es geht darum, für die eigene Überzeugung zu arbeiten.“ Der HSV will seinen Prinzipien auch am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) treu bleiben. Dennoch weiß der Cheftrainer, dass es in der Bundesliga in der Regel die Münchner sind, die über den Ausgang der Partien entscheiden. Um dem Team von Vincent Kompany zuvorzukommen, haben die HSV-Analytiker intensive Arbeit geleistet – und Schwächen erkannt.
Polzin verriet im Vorfeld des Nord-Süd-Klassikers, dass sich das Trainerteam auch Bayerns 1:2-Pleite gegen den FC Augsburg vom vergangenen Samstag noch einmal angeschaut habe. Gleiches gilt für die anderen Partien, die der Rekordmeister zuletzt gegen Abstiegskandidaten bestritt – etwa Mainz 05 (2:2) oder Wolfsburg (8:1). Der VfL hatte den FCB zumindest bis zur Halbzeitpause (1:2-Rückstand) ärgern können. „Bei all den Mannschaften, die den einen oder anderen Punkt gegen die Bayern geholt haben, ist ihre Intensität hervorzuheben“, sagt Polzin und folgert: „Da muss eine Basis von uns aus da sein, was Laufverhalten und Zweikämpfführung angeht, um eine Chance zu haben.“
HSV-Trainer Polzin: „Bayern hat uns eine Lektion erteilt“
Der HSV-Staff hat die Zeit seit dem Stadtderby gegen St. Pauli (0:0) genutzt, um Kompanys Fußball zu studieren und sinnvolle Rückschlüsse zu ziehen. Der Matchplan beim 0:5 im Hinspiel war nicht aufgegangen, damals saßen aber auch die eigenen Abläufe noch nicht. „Sie haben uns im Hinspiel eine Lektion erteilt, gerade in der ersten Halbzeit, in den ersten 20 bis 30 Minuten“, erinnert sich Polzin an den schnellen 0:4-Rückstand. „Aber wir sind jetzt Schritte weiter – und wollen zeigen, dass wir es besser können.“ Dabei soll die Arbeit des Analysteams helfen.

Augsburg in der Bundesliga und die PSV Eindhoven in der Champions League zeigten zuletzt, wie man den Bayern wehtun kann: mit schnellem Fußball nach vorne nach Münchner Ballverlusten. Auf das Konterspiel hat der HSV seit dem Aufstieg ohnehin größeren Wert gelegt, und Polzin betont: „Es wird sich an unserem klaren Spielplan wenig verändern im Vergleich zu den anderen Spielen.“ Gleichzeitig will der HSV auch im Ballbesitz mutig sein. Dabei hilft der Umstand, dass sich die Profis vor heimischer Kulisse deutlich leichter dabei tun, dominante Phasen zu kreieren.
HSV will mutig sein – München kommt mit all seinen Stars
Polzin setzt auf den Heimspieleffekt – den der HSV schon gegen andere Topteams wie Dortmund (1:1), Stuttgart (3:2) oder Frankfurt (1:1) für sich nutzte. „Auch wenn der eine oder andere das vielleicht belächelt, dass ich immer wieder das Volksparkstadion erwähne: Hier sind schon Dinge passiert, die an anderen Orten nicht ganz so einfach möglich sind“, unterstreich der Coach, der um die Favoritenrollen weiß, aber keine Wahrscheinlichkeiten ausrechnen will. „Gegen die Bayern geht es mehr um die Überzeugung, die wir brauchen.“ Polzin erklärt: „Wir müssen uns Dinge vorstellen, die vielleicht noch ganz weit weg erscheinen. Aber wenn man viel investiert, können sie wahrwerden.“

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Erschwerend hinzu kommt aus Hamburger Sicht, dass die Münchner Startelf nicht so leicht zu prognostizieren ist. Kompany rotiert viel, um all seine Stars bei Laune zu halten oder um Rückkehrer wie Jamal Musiala und Alphonso Davies Spielpraxis zu verschaffen, die sie auf dem Weg zurück zu ihrer Topform benötigen. In Eindhoven saßen allein Manuel Neuer, Michael Olise und Harry Kane auf der Bank – und werden in Hamburg wieder beginnen. Angst und Bange wird Polzin daher nicht. Der 35-Jährige freut sich auf die prominenten Akteure des Gegners. „Wir haben im Trainerteam gesagt, dass uns eigentlich nichts Besseres passieren kann, als dass die stärksten Spieler des FC Bayern hier auflaufen“, sagt er. „Das war das Ziel mit dem Aufstieg, diese Spieler dann hier im Volkspark zu haben.“
„Heimstark“: Komany kennt die Wucht des HSV-Stadions
Kompany trat die Reise in den Norden ebenfalls mit viel Respekt an – weil der Belgier um das große Faustpfand seines Ex-Klubs weiß. „Sie sind heimstark“, sagte der Bayern-Trainer am Freitagvormittag. Den HSV erwartet er als „eine Mannschaft, die kämpft um die Punkte, die weiß, dass es eine wichtige Saisonphase ist, und zu Hause den Glauben hat, dass das passieren kann“. Schon ein einfacher Punktgewinn wäre für den HSV eine kleine Sensation. Das aber will Kompany nach dem jüngsten Patzer, der den Tabellenzweiten Dortmund in Lauerstellung versetzt hat, nicht zulassen: „Die Wahrheit ist, dass wir motiviert sind, Vertrauen und haben – und viel Bock auf dieses Spiel.“
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Polzin ergeht es ähnlich. Weil Mainz (in Leipzig), Bremen (gegen Gladbach) sowie St. Pauli und Augsburg (treffen aufeinander) schon am Samstagnachmittag spielen, könnte der HSV vor dem Anpfiff auf Platz 16 abgerutscht sein. Doch der Fokus gilt nur dem eigenen Duell. „Wir sind gewillt, am Samstag eine gute Leistung zu bringen – das musst du gegen die Bayern, um ansatzweise eine Chance zu haben“, betont Polzin. „Du musst viel viel laufen, viele Räume schließen, die sie mit ihrer hohen Qualität sehr gut nutzen können. Wir werden sicherlich einen Tick kreativer und intensiver auftreten müssen als ohnehin schon.“ Andernfalls bringt auch die beste Analysearbeit nur wenig.
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