Angst vor der HSV-Invasion: Wolfsburg-Trainer fleht die Fans an
Ihren bisherigen Auswärtsfahrerschnitt, an den kein anderer Bundesligist herankommt, werden die HSV-Fans am 25. Spieltag erneut in die Höhe treiben. Laut dem Portal „diefalsche9“ wurde die Mannschaft von Merlin Polzin in dieser Saison von durchschnittlich 6218 Anhängern zu den bisher elf Partien in der Ferne begleitet. Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) sollen sogar rund 10.000 Mitreisende aus Hamburg in der Volkswagen Arena dabei sein. Sie wollen es den Wolfsburgern so schwer wie möglich machen – weshalb der VfL-Coach vor dem Nordduell einen Appell an die eigenen Fans richtete. Die Worte von Daniel Bauer klangen beinahe flehend.
Die Spieltagspressekonferenz des VfL am Freitagnachmittag war nach rund 16 Minuten eigentlich schon vorbei. Die Fragen der Journalisten hatte Bauer alle beantwortet. Dann aber ergriff der 43-Jährige noch einmal das Wort. „Ich hätte noch etwas zum Ende“, intervenierte Bauer, der noch nicht alle gesagt hatte, sondern die öffentliche Bühne auf dem Podium nutzen wolle „für einen kleinen Appell an unsere Fans“: „Ich finde, dass das brutal wichtig ist.“
10.000 HSVer: Bauer erwartet „viele Fans des Gegners“
Dann legte der Coach, der im Falle einer Niederlage gegen den HSV seinen Job verlieren könnte, los. „Wir brauchen jeden Fan am Samstag in unserem Stadion. Wir brauchen unsere Farben am Samstag im Stadion. Unsere Fans müssen laut sein“, forderte Bauer, der diese Sätze nicht ohne Grund wählte. Denn er hatte mitbekommen: „Wir erwarten viele Fans des Gegners.“ Die HSV-Anhänger haben sich über das offizielle Gästekontingent von 3200 hinaus mit rund dreimal so vielen Karten versorgt, um die Volkswagen Arena stimmungstechnisch einzunehmen.

Genau das möchte Bauer nicht. Weshalb er die eigenen Fans anflehte: „Lasst bitte nicht zu, dass wir am Samstag hier zu Hause ein Auswärtsspiel haben – weil die Mannschaft einfach bedingungslose Untersützung braucht.“ Seine Profis „trotzen nicht vor Selbstvertrauen“, was nicht verwundert, denn der VfL blieb zuletzt siebenmal in Serie ohne Ligasieg. Durch das 0:4 beim VfB Stuttgart vom vergangenen Sonntag rutschten die „Wölfe“ auf den vorletzten Platz ab. Längst wird auch über den Trainer diskutiert, der die Atmosphäre und die Kultur bei den Niedersachsen als „nicht Bundesliga-tauglich“ bezeichnet hatte. Vor dem Abstiegsduell mit dem HSV hofft er aber auf Zusammenhalt.
Job-Endspiel für den VfL-Coach im Abstiegskampf
„Die Jungs werden ihr letztes Hemd geben“, verspricht Bauer und erwartet von den VfL-Fans: „Wenn nach einem Fehler mal ein aufmunternder Applaus kommt, das brauchen wir gerade. Das ist Abstiegskampf. Der Zusammenhalt über die gesamten 90 Minuten (…) kann Kräfte freisetzen und die Jungs total beflügeln. Und dann bin ich auch total davon überzeugt, dass wir am Samstag das Spiel gewinnen und zusammen aus dieser Lage herauskommen.“ Nach rund 40 Sekunden war Bauers abschließender Monolog vorbei. Zuvor hatte er Verständnis für die Diskussionen um seine Job gezeigt, aber auch klargestellt: „Es ist kein Endspiel für Daniel Bauer, sondern ein unfassbar wichtiges Sechs-Punkte-Spiel für unseren Klub.“ Mit einem Sieg würde der VfL bis auf drei Punkte an den HSV heranrücken.
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Während Polzins zuletzt zweimal bezwungene Profis am Freitag unter Auschluss der Öffentlichkeit trainieren, um sich inhaltlich bestmöglich vorzubereiten, setzt Bauer in Wolfsburg auf eine Abschlusseinheit am Nachmittag, der so viele Fans wie möglich beiwohnen sollen. Bereits am Donnerstag hatten die Mannschaft und der Staff im Hotel eingecheckt, um „einen Tick mehr Zeit miteinander zu verbringen und die Kräfte zu mobilisieren“, so Bauer. Der angezählte Übungsleiter ist sicher: „Manchmal hilft es, mal über andere Dinge als über Fußball zu reden und das Lachen zu bewahren.“ Wer lacht am Samstag zuletzt? Die 20.000 VfL-Fans oder die 10.000 Anhänger aus Hamburg, die Wolfsburgs Arena erobern wollen? Rund ein Drittel des Stadions wird fest in schwarz-weiß-blauer Hand sein.
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