Andere Klubs kennen die Strategie: Wie groß denkt der HSV bei Transfers?
Yussuf Poulsen (RB Leipzig), Armel Bella-Kotchap (FC Southampton), Amine Harit (Olympique Marseille), Lesley Ugochukwu (FC Chelsea), Luka Vuskovic (Tottenham Hotspur), Willem Geubbels (FC St. Gallen), Silas (VfB Stuttgart) oder Serginho (Viborg FF): Die Liste an prominenten Namen, an denen der HSV angeblich dran sein soll, wurde kürzlich lang und länger. Und sie ließ einen Fan auf X diesen süffisanten Kommentar schreiben: „Wenn man die ganzen Gerüchte beim HSV hört, denkt man, wir würden aufrüsten für die Europa League.“ Wie groß denken die Bosse aber wirklich in diesem Sommer? Die Strategie ist klar – und auch andernorts bekannt.
Dass viel von dem, worüber spekuliert wird, nicht stimmt, ist nicht neu – auch nicht rund um den HSV. Das kürzlich aufgeploppte, vermeintliche Interesse an Chelsea-Talent Ugochukwu (21) etwa entbehrt jeder Grundlage. Stürmer Geubbels (23) soll man im Volkspark zwar auf dem Radar gehabt, dessen Namen angesichts der vom FC St. Gallen aufgerufenen Summe von zehn Millionen Euro jedoch schnell wieder von der Transferliste gestrichen haben. An Poulsen und Bella-Kotchap hingegen ist der HSV wirklich interessiert. Zwei bekannte Profis. Zwei A-Nationalspieler.
HSV-Interesse an Poulsen und Bella-Kotchap hat Gründe
Auch wenn die Namen dieser zwei Wechselkandidaten prominent sind, wäre es falsch zu glauben, dass der Verein auf dem Transfermarkt viel größer denkt als noch nach dem Bundesliga-Aufstieg angekündigt. Das HSV-Interesse an diesen Spielern bedarf einer Einordnung. Bei Poulsen zum Beispiel, der bei 49 Toren in 233 Spielen fraglos einer der größeren Stürmer-Stars der Bundesliga in der vergangenen Dekade ist, hat sich die Tür für den HSV zuletzt eher überraschend geöffnet. Leipzig muss Profis von der Gehaltsliste bekommen, Poulsen will mehr spielen und sieht in Hamburg einen geeigneten Ort in der Nähe seiner Heimat Dänemark, in dessen Nationalelf er zurückkehren möchte.
Mit meiner Anmeldung stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Ein Durchbruch ist derzeit nicht in Sicht – die Chance, dass der 31-Jährige zum HSV wechselt, aber gegeben. Im Fall von Bella-Kotchap ist die Spur nicht so heiß, ein Transfer nach Hamburg trotz des grundsätzlichen Interesses momentan in weiter Ferne. Dass ein 23-jähriger Verteidiger, der als zweimaliger deutscher A-Nationalspieler einen Marktwert von neun Millionen Euro hat, überhaupt im Fokus des HSV steht, überrascht allerdings viele Anhänger. Bella-Kotchap war vor drei Jahren für stolze zwölf Millionen Euro vom VfL Bochum nach Southampton gewechselt.
HSV wird finanziellen Rahmen für Zugänge nicht sprengen
Wer nun aber denkt, dass der HSV für einen namhaften Spieler wie den Deutsch-Kameruner finanzielle Rahmen sprengen würde, liegt falsch. Die Transferchefs Stefan Kuntz und Claus Costa haben sich mit Finanzboss Eric Huwer sowie dem Aufsichtsrat darauf verständigt, trotz des Aufstiegs keine wirtschaftlich unvernünftigen Deals zu machen. Und diese Vereinbarung steht – auch wenn auf den ersten Blick überraschende Interessenbekundungen wie bei Bella-Kotchap anderes vermuten lassen könnten. Dass sich der HSV überhaupt (kleine) Chancen auf eine Verpflichtung ausrechnen kann, liegt daran, dass der talentierte Abwehrmann in der vergangenen Premiere-League-Saison nur viermal für Absteiger Southampton zum Einsatz kam – und nun wieder nach mehr Spielzeit strebt.
Dass der HSV den Zuschlag erhält, ist aktuell unwahrscheinlich. Die Bosse um Kuntz und Costa haben aber ohnehin für jede Position, auf der sie den HSV noch verstärken wollen, wie zum Beispiel in der Innenverteidigung, zwei bis vier Kandidaten im Visier. Der Prozess zwischen erster Kontaktaufnahme zur Spielerseite und einem gegebenenfalls am Ende feststehenden Transfer dauert im Volkspark in der Regel vier bis fünf Wochen. Und sofern die HSV-Chefs entscheiden, in Kontakt zum abgebenden Verein treten zu wollen, setzen sie auf klare, bestenfalls kurze Gespräche.
HSV-Bosse gehen schnell an die wirtschaftlichen Grenzen
In der Branche soll mittlerweile bekannt sein, dass die Hamburger Verantwortlichen zügig Angebote machen, die nahe an der Summe liegen, die sie maximal für den Spieler aufwenden würden. Mit Offerten zu starten, die nur bei der Hälfte des Preises liegen, den der HSV maximal zahlen könnte oder möchte, erachtet man im Volkspark als wenig sinnvoll. Vielmehr verfolgen Kuntz und Costa das Ziel, schnell Klarheit zu haben. Liegen die Vorstellungen zu weit auseinander, werden einzelne Transferthemen zeitig wieder beiseite gelegt – wie jüngst bei Angreifer Geubbels.
Sind Einigungen im Rahmen des Möglichen, und dafür sind meistens Kompromisse nötig, werden die Gespräche fortgesetzt und konkretisiert. Im Poker um Poulsen scheinen alle Parteien an einer Lösung interessiert zu sein, bei Bella-Kotchap, an dem auch andere Bundesligisten interessiert sein sollen, läuft zumindest der Abwägungsprozess.
Der deutsche WM-Teilnehmer von 2022 und der 87-malige dänische Nationalspieler brachten es in ihrer Karriere zu Topzeiten auf stolze Marktwerte von 35 beziehungsweise 20 Millionen Euro. Der HSV wird seine von wirtschaftlicher Vernunft geprägte Transferstrategie aber auch wegen Bella-Kotchap oder Poulsen nicht verlassen. Kuntz, Costa und Co. bleiben ihren Visionen treu – und wollen der jeweiligen Gegenseite stets schnell deutlich machen, was Sache ist.