Allesfahrer nennt krasse Zahlen: Was ein Jahr als HSV-Fan kostet
Zumindest in Bezug auf ihre Leidenschaft wird es vielen HSV-Fans nur recht sein, wenn es mit der Besinnlichkeit bald vorbei ist. Zahlreiche Anhänger befinden sich bereits in den Startlöchern, in wenigen Tagen dann werden sich rund 3500 von ihnen ins erste Abenteuer des Jahres stürzen. Mit der 750 Kilometer langen Auswärtstour nach Freiburg (10.1.) steht direkt zu Jahresbeginn die weiteste Reise der verbleibenden Saisonmonate an. Es wird der Auftakt zu einer erneut wilden Jahres-Sause, die den Anhang kreuz und quer durch die Republik und ins Ausland führen wird – nur, um die Spiele der HSV-Profis verfolgen zu können. Was kostet der ganze Spaß eigentlich pro Jahr? Und wie viele Kilometer kommen zusammen? Für die MOPO ließ ein HSV-Allesfahrer Einblicke in sein Tagebuch zu.
Martin Scholz kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, wenn er an das Ende der kurzen Winterpause denkt. So schön die Zeit rund um Weihnachten mit der Familie auch sei, „drei Wochen ohne Fußball reichen dann auch“, sagt der 57-Jährige. Die Fahrt nach Freiburg ist längst durchgeplant, reine Routine. Und doch bereitet es ihm immer wieder ein fast schon kindliches Vergnügen, am Wochenende zu den Spielen seines Lieblingsvereins zu reisen.
HSV-Fan Martin „Scholli“ Scholz verpasst kein Spiel
So war es auch 2025, in der nun schon 20. Saison, in der Scholz nahezu alle Spiele seines Vereins gesehen hat. Ob in der Türkei, in Österreich, in Dänemark, in der Zweiten Liga oder nach dem ersehnten Aufstieg im Oberhaus – überall war er dabei. Nun gut, fast überall. Den Sommer-Trip ins Kurztrainingslager nach Mallorca ließ er aus, weil es keine öffentlichen Trainingseinheiten der Profis geben sollte. Es blieb die einzige Ausnahme des Jahres.
Wenn also einer weiß, was eine Saison als Allesfahrer mit allem Drum und Dran kostet, dann Scholz, der in Fankreisen als „Scholli“ bekannt ist. Sein Name prangt meterweit auf dem riesigen Banner, das er während der Spiele in den Stadien aufhängt. Die Besonderheit: Für Scholz ist eigentlich jede Partie ein Auswärtsspiel.
Wohnhaft ist er in Diemelsee, einer Gemeinde in Nordhessen. „60 Kilometer sind es bis Kassel, 60 bis Paderborn und 100 nach Dortmund“, rechnet Scholz vor. Und vor allem: „343 Kilometer bis ins Volksparkstadion.“ Macht also schon allein an Heimspieltagen fast 690 Kilometer.
Scholz reiste für den HSV mehr als 31.000 Kilometer
Es ist ein erster Ansatz für die Berechnungen, die Scholz für die MOPO zusammenfasst. „Nimmt man alle 34 Liga- und Pokalspiele zusammen, die wir im vergangenen Jahr hatten, dazu noch Testpartien wie im Sommer in Graz und Kopenhagen, komme ich auf 26.378 Kilometer, die ich 2025 mit dem Auto zu HSV-Spielen gefahren bin.“ Als er diese Zahl sieht, muss er selbst stutzen. Und damit nicht genug: Scholz zählte auch zur Gruppe von etwa 20 Fans, die im Januar 2025 mit ins Winter-Trainingslager ins türkische Belek gereist waren. Nimmt man die insgesamt knapp 5000 Flugkilometer (hin und zurück) dazu, steigert sich sein Jahres-Pensum auf mehr als 31.000 Kilometer.
Und was kostet der Spaß? Scholz hat ebenfalls nachgerechnet: „Für alle Eintrittskarten komme ich auf einen Betrag in Höhe von 826 Euro.“ Dazu pro Spiel eine Stadionwurst mit Getränk (circa zehn Euro pro Spiel) und im Laufe des Jahres mehrere Fan-Artikel. Nicht zu vergessen: der Sprit! „Das waren bei einer realistischen Berechnung 4352,70 Euro Tankkosten für das Jahr.“ Weitere 1850 Euro kamen durch die Auslandsreisen mit Übernachtungen hinzu. Unterm Strich steht ein Gesamtbetrag von 8399 Euro für das HSV-Jahr 2025.
Für den HSV gab Fan Scholz 2025 fast 8400 Euro aus
31.000 Kilometer jährlich. Fast 8400 Euro. Und das alles seit etwa 20 Jahren immer wieder. Gewaltige Zahlen. „Natürlich fragt man sich manchmal: Was mache ich da eigentlich?“, sagt der glücklich verheiratete Familienvater (ein Sohn und eine Tochter) lachend. „Aber es bringt so viel Spaß. Und 2025 war ja ein Jahr, das durch den Aufstieg und all diese Erlebnisse unglaublich viel gegeben hat.“
Kein Spiel ohne „Scholli“ – so ist es in der Regel, so soll es natürlich auch im Jahr 2026 bleiben. Stellvertretend für alle anderen HSV-Fans sagt der Allesfahrer: „So schön es auch war: Ich hoffe, es wird nie wieder nötig sein, einen HSV-Aufstieg zu bejubeln. Wir fühlen uns in der Bundesliga so wohl, lasst uns einfach da bleiben.“
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Am 10. Januar wollen die Profis in Freiburg den nächsten Schritt zu genau diesem Ziel setzen. Mit Tausenden HSV-Fans an ihrer Seite, denen auch weiterhin weder ihr Geld noch ihre Zeit zu schade sein wird, um ihrem Verein zu folgen. Wohin auch immer.