57.000 Fans bei den HSV-Frauen! Auch Ex-Chefin Katja Kraus „beeindruckt“

HSV-Frauen jubeln im Volksparkstadion
Beim 2:0 im Viertelfinale gegen Gladbach fieberten 16.529 Fans mit. Gegen Werder ist das Stadion voll.

Am Sonntag werden Kindheitsträume erfüllt. Erneut. Die Premiere im Volksparkstadion war ein Karriere-Highlight für die HSV-Frauen, das 2:0 im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Gladbach ließ alle strahlen, schwärmen und begeistert zurück. Es geht aber noch größer. Emotionaler. Sicherlich hitziger. Denn nun kommt Werder. Das Halbfinal-Nordderby vor 57.000 Fans ist bereit für Superlative. Es geht auch um ein nationales Zeichen.

Oder, um es mit Katja Kraus’ Worten auszudrücken: „Es ist ein beeindruckendes Statement, dieses DFB-Pokal-Halbfinale in einem ausverkauften Stadion zu spielen.“ Kraus wurde im März 2003 als erste Frau in den Vorstand eines Fußball-Bundesligisten berufen. Sie verantwortete beim HSV die Bereiche Marketing und Kommunikation, war bis März 2011 die rechte Hand von Bernd Hoffmann, ehe sie und der Ex-Vorstandsboss nach einem internen Zoff trotz laufenden Vertrags vorzeitig gingen.

Katja Kraus freut sich aufs Rekordspiel der HSV-Frauen

Die Geschichte ist längst erzählt. Es ist Zeit für eine neue, verfasst von den HSV-Frauen und Werder. Kraus lebt in Hamburg und empfand ihren Job als so intensiv, „dass ich mich immer mit dem HSV verbunden fühlen werde“. Auch beruflich gibt es wieder Berührungspunkte: Kraus ist Mitgründerin der Organisation „Fußball kann mehr“, die sich für Gleichberechtigung und Diversität im Fußball einsetzt und mit vielen deutschen Klubs daran arbeitet, Führungspositionen mit mehr Frauen zu besetzten. Auch der HSV zählt dazu. Der FC St. Pauli sei beispielhaft, weil er in dieser Hinsicht vieles erreicht habe, sagt Kraus. Erster Partner der Initiative war aber: der Gegner am Sonntag.

HSV-Frauen spielen 1980 im Volkspark
Andere Zeiten: 1980 „durften“ die ​​​​​​​HSV-Frauen im Volkspark ein Vorspiel absolvieren.

„Werder Bremen ist ein Vorreiter mit der Zielsetzung, Parität in den Führungsgremien zu haben“, sagt Kraus, die „Fußball kann mehr“ unter anderem mit Ex-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, Kommentatorin Claudia Neumann und Ex-Nationalspielerin Almuth Schult ins Leben rief. Schult spielte in der Rückrunde der Vorsaison selbst für die HSV-Frauen und sagte der MOPO vor elf Monaten: „Die Menschen gucken darauf, was hier passiert. Und ich merke, wie groß die Ambitionen des HSV sind.“ Das ist bis heute gleichgeblieben.

HSV meldete Frauen vor 13 Jahren aus der Bundesliga ab

Knapp 13 Jahre, nachdem die HSV-Frauen aus finanziellen Gründen aus der Bundesliga abgemeldet wurden, stehen sie – allerdings mit einem absolvierten Spiel mehr als die Verfolger – auf dem 3. Platz in der 2. Liga. Der würde reichen zum Aufstieg, über den Klub-Ikone Horst Hrubesch unlängst sagte: „Wir werden alles versuchen, es zu schaffen.“ Dann ginge es um eine schnelle Etablierung in der Bundesliga – und um Professionalisierung. Erklärtes Ziel des HSV ist es, das Frauenteam in die AG zu übertragen, um die Gemeinnützigkeit des e.V. nicht zu gefährden. Es wäre ein neuer Meilenstein für die Frauen. Es bleibt aber viel zu tun.

HSV-Frauen nach dem verlorenen Pokalfinale 2002
2002 standen die HSV-Frauen im Pokalfinale in Berlin – und verloren 0:5 gegen Frankfurt.

„Frauenfußball hat heute eine viel größere Bedeutung als damals, als Kleinigkeiten erkämpft werden mussten“, sagt Kraus. Die 54-Jährige sieht allerdings noch immer viele Herausforderungen, die bewältigt werden müssten, „um dem Frauenfußball die Möglichkeit zu schaffen, aus sich heraus dauerhaft tragfähig zu sein. Nicht als Kopie des Männerfußballs – sondern die eigenen Stärken nutzend“. Bis hin zur Unabhängigkeit ist es laut Kraus noch ein langer Weg. „Noch immer müssen die Spielerinnen viel zu häufig dankbar sein für das, was ihnen nun seitens der Klubs ermöglicht wird“, sagt die Ex-DFB-Keeperin (sieben Länderspiele).

„Fußball ist mehr“: Kraus will den Frauenfußball stärken

Kraus lief für den FSV Frankfurt von 1986 bis 1998 insgesamt 220-mal in der Bundesliga auf. Knapp ein Jahr, bevor ihre Amtszeit im Volkspark 2003 begann, standen die HSV-Frauen zum ersten und bislang letzten Mal im DFB-Pokalfinale – und verloren im Mai 2002 mit 0:5 gegen den 1. FFC Frankfurt. Und gut drei Monate nach Kraus’ Ende beim HSV kam es ebenfalls im Berliner Olympiastadion zu einer Rekord-Begegnung.

Ende Juni 2011 sahen 73.680 Zuschauer das WM-Auftaktspiel der DFB-Frauen live. Bis heute besuchten nie mehr Fans eine Frauen-Partie auf deutschem Boden. „So etwas haben wir noch nie erlebt“, schwärmte Ex-HSV-Spielerin (2008 bis 2011) Kim Kulig damals, nach dem 2:1 gegen Kanada. „Das war ein absolutes Karriere-Highlight.“

HSV-Frauen bekommen Karriere-Highlight im Volkspark

Auf die HSV-Frauen wartet nun das nächste nach dem Viertelfinal-2:0 über Gladbach am 12. Februar. Vor fünf Wochen strömten 16.529 Fans in den Volkspark, 3,45-mal so viele werden am Sonntag für einen neuen Rekord im deutschen Frauen-Klubfußball sorgen.

Katja Kraus bei Markus Lanz im ZDF
Eine Fußball-Pionierin: Ex-Nationaltorhüterin Katja Kraus (54) war von 2003 bis 2011 im Vorstand des HSV.

„Der HSV hat eine riesige Fangemeinde und das Duell mit Werder Bremen eine ganz besondere Faszination“, weiß Kraus und sagt zur MOPO: „Ich freue mich für die Spielerinnen, es ist eine Belohnung für ihre Leistung und ihren Aufwand.“ Abseits der Highlight-Ereignisse wie dem nun im HSV-Stadion brauche es langfristig aber Investitionen, Kreativität und Überzeugung, fordert Kraus und mahnt: „Frauenfußball zu fördern, ist kein Charity Projekt.“ Die Richtung aber stimmt.

HSV-Kickerin Machtens: „Können eigentlich nur gewinnen“

Und die bisherige Fan-Bestmarke wird am Sonntag pulverisiert, denn zum DFB-Pokal-Finale 2023 kamen „nur“ 44.808 ins Kölner RheinEnergieStadion. Genau dort, wo der VfL Wolfsburg den SC Freiburg vor 22 Monaten mit 4:1 besiegte, steigt auch in diesem Jahr das Endspiel – und die HSV-Frauen wollen am 1. Mai dabei sein.

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Dann würde der FC Bayern oder die TSG Hoffenheim warten. Pauline Machtens denkt aber erst mal nur ans Derby. „Wir freuen uns unglaublich doll und werden versuchen, den vermeintlich größeren Gegner etwas zu ärgern“, sagt die HSV-Vizekapitänin. „Wir können eigentlich nur gewinnen.“ Noch ein Kindheitstraum wird sich eh erfüllen – und das Statement definitiv beeindruckend sein.